Kultur

Alfons Schillings Fotoarbeiten im Westlicht

Das Bestreben, sich neue ästhetische Räume zu erschließen, führte in den 1960ern meist über den Weg der Drogen. Bei Alfons Schilling findet die psychedelische Reise mechanisch statt - mittels seiner Sehmaschinen, Rasterbilder und Rotationsmalerei. Das visuelle Universum des 2013 verstorbenen Wahlwieners mit Schweizer Wurzeln erschließt nun die Galerie Westlicht in der Schau "Beyond Photography".

Das Wiener Fotomuseum positioniert Schilling als Urvater heutiger 3D-Erfahrungen und Reisen durch den digitalen Raum, der sich auch mit seinem eigenen Vorläufer, dem Briten Eadweard Muybridge, und dessen fotografischen Bewegungsstudien auseinandersetzte. Die ersten künstlerischen Gehversuche des 1934 geborenen Schilling lagen aber zunächst in der Aktionskunst, gehörte er doch einst an der Akademie für angewandte Kunst an der Seite von Günter Brus mit seiner gestischen Malerei zu den Wegbereitern des Wiener Aktionismus.

Von der Malkunst verabschiedete Schilling sich ebenso wie von Europa 1962, als er Paris verließ, um sich in New York neu zu erfinden. Dort wandte er sich schließlich der Fotografie und dem Film zu - respektive der Schnittfläche zwischen beidem. Mittels Kippbildern verschmilzt er etwa mehrere Aufnahmen in einem Bild, macht den Betrachter zum aktiv Handelnden.

Zahlreiche Sichtgeräte in der Ausstellung ermöglichen dem Besucher die eigene Erfahrung von Stereofotografie und -zeichnung. Skulpturale Sehmaschinen, die Schilling für sich gebaut hat und die den Betrachter teils gänzlich umhüllen, sind als Dokumentationsaufnahmen ebenso wie im Original zu erleben.

Und zum "Beyond" im Ausstellungstitel gehört auch der Blick auf die teils fragmentarischen filmischen Experimente, die auf verschiedenen Monitoren die ästhetische Herkunft aus den 1960ern zeigen und so einen 360-Grad-Blick auf das Oeuvre eines vielseitigen Künstlers ermöglichen. Dieses kann sich der geneigte Kunstfreund sogar zu Hause erschließen: Zur in Zusammenarbeit mit dem Schilling-Nachlass entstandenen Schau erscheint ein liebevoll gestalteter Katalog - mit Kippbild am Cover und eingelegtem Stereobetrachter im Inneren.

Quelle: APA

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