Kultur

100 Jahre Bauhaus - als die Moderne erfunden wurde

Die einflussreichsten Design-Bewegung des 20. Jahrhunderts feiert Geburtstag.

Sogar die Suchmaschine Google hat am Freitag den Schriftzug ihrer Startseite dem Bauhaus gewidmet. Die klaren grafischen Formen und Farben erinnern daran, das genau vor 100. Jahren in Weimar die Kunstschule "Staatliches Bauhaus" gegründet wurde. Der Architekt Walter Gropius wollte nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs mit einer neuen Gestaltung alltäglicher Dinge einen neuen modernen Menschen prägen und eine neue "Baukunst" schaffe - ein zu der Zeit vollkommen neues Konzept. Obwohl die Hochschule nur 14 Jahre existiert hat, wurde sie zu einer der einflussreichsten Design-Bewegungen des 20. Jahrhunderts.

Wenn jemand heute sagt, er sei gerade eher so "Bauhaus-mäßig" drauf, dann ist damit meist ein eher minimalistischer Stil gemeint. Kantige Möbel, viel Weiß, vielleicht mit etwas Blau oder Rot. Dabei birgt Bauhaus auch Überraschungen. "Walter Gropius war so geschickt, so ziemlich alle Strömungen der Moderne in diese Schule zu holen", sagt Marion von Osten, Kuratorin der Berliner "Bauhaus Imaginista".

Zum Jubiläumsjahr wird in Deutschland entsprechend geklotzt. Drei neue Museen in den drei Bauhaus-Städten Weimar, Dessau und Berlin sind neu entstanden oder werden saniert - 52 Millionen Euro hat die Regierung dafür locker gemacht.

Nah am Jubiläumstag hat am 5. April das Haus in Weimar eröffnet. Ausgestellt werden dort etwa Kinderzimmermöbel aus dem "Haus am Horn", dem weißen Kastenbau, der wie viele andere Bauhausstätten zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. "Wir haben jetzt Platz für größere Stücke aus unserem Bestand, die wir aber selten oder auch noch nie gezeigt haben", heißt es bei der Klassik Stiftung Weimar. Zuvor war das Bauhaus-Museum seit 1995 in einer kleinen Kunsthalle untergebracht. Nun können mehr als 1000 der etwa 13 000 Sammlungsobjekte gezeigt werden.

Das Gebäude - ein grauer Kubus mit Leuchtstreifen - kommt ohne Schnörkel aus. Gestritten wurde über eine Glasfassade, auf die nun verzichtet wurde. Auch über den Standort wurde diskutiert: Das Gebäude steht an einem sensiblen Ort mitten in der Stadt - an der Schnittstelle zwischen dem klassischen Weimar und dem einstigen NS-Gauforum. Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora plant dort eine Ausstellung über die NS-Zwangsarbeit.

"Das Endziel alles bildnerischen Tätigkeit ist der Bau!", begann Gropius das Manifest, von dem alles ausging. Der manuelle Entstehungsprozess wird zur Erlösung stilisiert. "Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk", forderte Gropius. Herzstück der neuen Schule waren folglich die Werkstätten, für die ein drei Seiten umfassender Lehrplan entstand.

Die neue Kunsthochschule sollte Handwerk, Architektur, Kunst und Leben verbinden - ein Versuchslabor für eine humanere Gestaltung der Gesellschaft.

Gropius setzte schon mit der Wahl der als "Meister" fungierenden Lehrenden auf internationale Ausrichtung: der Deutsch-Amerikaner Lyonel Feininger, die Schweizer Johannes Itten und Paul Klee, der Russe Wassily Kandinsky, der Ungar Lázló Moholy-Nagy. So werden früh globale Netzwerke geknüpft, noch bevor das Bauhaus unter politischem Druck erst nach Dessau (1925), dann nach Berlin (1932) umziehen musste. Dort ist ein Jahr später unter den Nazis Schluss. Die Nazis stufen Werke einiger Bauhäusler als "entartete Kunst" ein. Viele Künstler mussten ins Ausland gehen.

Die früh angelegte und nach dem Ende forcierte Wechselwirkung mit der Welt stand für die Vielschichtigkeit. Das Bauhaus gab es zwar nur 14 Jahre. "Aber die Entwicklung ist sehr dynamisch gewesen", analysiert der Architekt Philipp Oswalt, der an der Universität Kassel unterrichtet. Zudem gab es die Idee, Alltag und Gesellschaft zu verändern. "Das ist etwas, was man mit dem Bauhaus sehr stark verbindet: Die Erwartung, dass der Gestalter in die Gesellschaft hineinwirkt und zur Verbesserung der Alltagswelt beiträgt." Auch Architekten denken in der Zeit Wohnen neu, etwa mit der Siedlung Dessau-Törten.

Im Lauf der Jahrzehnte findet sich Bauhaus in Chicago oder in der "Weißen Stadt" von Tel Aviv. Manche Kuratoren und Forscher warnen aber auch, dass eben nicht alle Gebäude, die weiß sind und ein Flachdach haben, Bauhaus sind.

Wer heute ein Stück Bauhaus will, stellt sich die Kugellampe ins Wohnzimmer. Oben rundes Glas und unten ein Metallfuß. Die Wagenfeld-Leuchte ist eines der Designbeispiele für das Bauhaus, ebenso der Stahlrohrstuhl Freischwinger. Manche Experten finden es schwierig, von "dem Bauhaus" zu sprechen. Und der oder andere Laie wundert sich, wenn - ausgehend von einer Zeichnung Paul Klees - im Museum heute Knüpftechniken analysiert werden.

In Deutschland gibt es zum Jubiläum viel Programm, das Besucher in Städte und Regionen ziehen soll. Unter dem Motto "Die Welt neu denken" erinnern mehr als 500 Veranstaltungen an die Gründung der einflussreichen Talentschmiede. Elf Länder, der Bund und die drei Bauhaus-Institutionen in Weimar, Dessau und Berlin haben sich für das Jubiläumsjahr zusammengeschlossen.

Die wichtigen Ausstellungen zum 100er:

  • "bauhaus imaginista" - Abschluss eines internationalen Ausstellungs-und Forschungsprojekts noch bis 10. Juni im Haus der Kulturen der Welt, Berlin.
  • "Das Bauhaus kommt aus Weimar" - Jubiläumsausstellung der Klassik Stiftung Weimar vom 6. April an.
  • "Original Bauhaus" - Jubiläumsausstellung des Berliner Bauhaus-Archivs vom 6. September bis 27. Januar 2020, in der Berlinischen Galerie.
  • "Versuchsstätte Bauhaus" - Jubiläumsausstellung der Stiftung Bauhaus Dessau, vom 8. September an.
  • "Triennale der Moderne" - Drei Architektur-Wochenenden in Weimar (26.9.-29.9.), Dessau (4.10.-6.10.) und Berlin (11.10.-13.10.).
  • "Tour der Moderne" - Ganzjährig und deutschlandweit führt eine eigens konzipierte Route Besucher durch 100 Jahre Geschichte zu 100 ausgewählten Orten quer durch die Republik.


Quelle: SN

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