Kultur

Alexander Pereira geht nach Florenz

Im Florentiner Opernhaus sind Intendant und Musikdirektor aus Protest zurückgetreten. Da springt der scheidende Scala-Intendant ein.

Alexander Pereira wechselt von Mailand nach Florenz SN/APA (AFP)/MIGUEL MEDINA
Alexander Pereira wechselt von Mailand nach Florenz

Der eine Österreicher geht nach Florenz, während ein anderer Kulturmanager von dort nach Österreich kommt. Diese Wechsel an der Spitze von zwei wichtigen Florentiner Kulturinstitutionen wird sich in diesem Herbst vollziehen: Während Eike Schmidt, derzeit Direktor der Uffizien, voraussichtlich im November im Kunsthistorische Museum in Wien antritt, wird Alexander Pereira Intendant am Florentiner Opernhaus.

Jedenfalls bestätigte die italienische Nachrichtenagentur ANSA, Alexander Pereira habe den Vorschlag angenommen, neuer Opernintendant in Florenz zu werden. Wegen eines Krachs ist das 2014 eröffnete Opernhaus am Rande der Florentiner Innenstadt in Kalamitäten: Mitte Juli ist Musikdirektor Fabio Luisi - wie er laut ANSA erklärte - mit "extremem Unbehagen" sowie wegen "unverständlicher Strategieentscheidungen" und "einer politischen Wende in der Leitung" zurückgetreten. Kurz darauf ist auch Intendant Cristiano Chiarot mit ähnlich lautendem Protest gegen den neuen Präsidenten des Maggio Musicale - dieser Name des Festivals hat dem mittlerweile ganzjährig bespielten Opernhaus den Namen gegeben - zurückgetreten.

Beide erachten den ihnen von Bürgermeister Dario Nardella als Präsidenten vorgesetzten Salvatore Nastasi für untragbar. Der Jurist und einstige hohe Kulturbeamte - von 2004 bis 2015 war er Generaldirektor sowie Kabinettchef im Kulturministerium - ist laut Angaben der Austria Presseagentur in Opernkreisen unbeliebt. Die Zeitschrift "Giornale della musica" berichtet, Salvatore Nastasi sei Freund und Studienkollege des sozialdemokratischen Florentiner Bürgermeisters. Zudem sei er Berater und Sonderbeauftragter für viele kulturelle Großprojekte (wie Matera 2019) und Kulturinstitutionen gewesen - für die Regierung von Silvio Berlusconi wie für jene von Matteo Renzi.

Dario Nardella, der als Bürgermeister zugleich Präsident der Stiftung ist, die das Opernhaus führt, hat am Mittwoch sein Treffen mit Alexander Pereira in Rom bestätigt. Dabei habe er sich mit dem jetzige Scala-Intendanten darauf geeinigt, dass dieser die Florentiner Oper die nächsten fünf Jahre leiten werde, teilte Nardella laut ANSA mit. Auch Kulturminister Alberto Bonisoli habe diesem Vorschlag bereits zugestimmt. Nun hat darüber noch der Aufsichtsrat zu befinden, der am 6. September dafür zusammenkommen wird.

Erst heuer im Juni war Alexander Pereiras Vertrag in Mailand bis Juni 2021 verlängert worden, um den Übergang zu seinem Nachfolger, dem ehemaligen Direktor der Wiener Staatsoper, Dominique Meyer, zu erleichtern. Allerdings hatte sich Pereira selbst zuvor um eine zweite fünfjährige Amtszeit an der Scala beworben, war aber abgeblitzt.

Wegen der neuen Aufgabe in Florenz wird Pereira die Scala vermutlich noch im Herbst oder - so wie sein ursprünglicher Vertrag vorgesehen hätte - im Februar 2020 verlassen, sodass Dominique Meyer früher als zum bisher mit Juli 2021 geplant in Mailand antreten dürfte. Agenturmeldungen zufolge hat Pereira die Scala-Gewerkschaften bereits über seinen Wechsel nach Florenz informiert. "Die Scala verliert eine tollen Intendanten, sowohl vom menschlichen, als auch vom künstlerischen Standpunkt", teilte Gewerkschaftssprecher Paolo Puglisi mit.

Alexander Pereira leitete bis 2012 - also 21 Jahre - das Opernhaus Zürich. Nach seiner Intendanz bei den Salzburger Festspielen, die wegen seiner Mailänder Avancen nur ein dreijähriges Intermezzo werden sollte, ging er im Oktober 2014 an die Scala. Von dort zieht der 71-Jährige nun weiter nach Florenz.

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