Kultur

Andreja Hribernik wird neue Chefin des Grazer Kunsthauses

Am Grazer Kunsthaus ist die Entscheidung für die Nachfolge von Barbara Steiner gefallen: Die Slowenin Andreja Hribernik folgt der Kunsthistorikerin nach. Das gaben am Dienstag kaufmännische Geschäftsführerin des Universalmuseums Joanneum, Alexia Getzinger, und Kulturlandesrat Christopher Drexler (ÖVP) bekannt. Die neue Leitung wird die durch den vorzeitigen Abgang von Steiner vakant gewordene Position mit 1. Jänner für die kommenden fünf Jahre übernehmen.

Die Slowenin Andreja Hribernik folgt Barbara Steiner nach SN/APA/ERWIN SCHERIAU
Die Slowenin Andreja Hribernik folgt Barbara Steiner nach

Die Jury hat sich einstimmig für Hribernik als neue Alleingeschäftsführerin des Kunsthauses entschieden. Stella Rollig, Vorsitzende der Hearing-Kommission, erklärte bei einer Pressekonferenz via Videozuschaltung: "Wir waren begeistert von ihr: Sie hat aus einem regionalen Museum - ohne Startvorteil - ein Haus gemacht, das in der europäischen Museumswelt nun eine Rolle spielt. Wir waren von ihrer Motivation und ihrem Engagement, ihrem Wissen und ihrer Persönlichkeit über Maßen beeindruckt."

Die Slowenin, die auch deutsch spricht, zeigte der Jury, "dass sie mit dem Profil und der Geschichte des Grazer Kunsthauses bestens vertraut ist", sagte Rollig weiter. Sie habe "erfrischende Zugänge präsentiert", wie man den Dialog mit dem Publikum finden könne. Wichtig sei vor allem die Digitalisierung und die Interaktivität mit den Menschen.

Hribernik selbst bedankte sich für das Vertrauen: "Ich nehme das nicht leicht, denn das Kunsthaus ist eine Landmark in der Region. Es ist eine große Herausforderung in die Schuhe meiner Vorgänger zu treten." Sie wolle sich mit den Ausstellungen den "Dringlichkeiten der Welt" widmen: "Kunst kann da eine wichtige Rolle spielen und Graz im Besonderen spielt auch eine überregionale Rolle." Sie werde jedenfalls neben den Ausstellungen auch die digitale Vernetzung mit anderen suchen. "Der Friendly Alien kann ein Impuls für die Zukunft sein."

Die studierte Politikwissenschafterin plant mit einem jährlichen Ausstellungsbudget von 850.000 Euro drei bis vier größere Ausstellungen und kleinere Schauen für Needle und Foyer. Mit dem Budget werde es eine "Herausforderung, denn das Haus ist groß", sagte sie auf Mediennachfrage. Das Grazer Kunsthaus war in den vergangenen Jahren weniger stark besucht, als man sich das erhofft hatte. Hribernik muss die Zahlen daher jedenfalls in die Höhe bringen: "Die Besucherzahlen sind aber durch die Pandemie überall gefallen. Man muss viel tun, um wieder zu den früheren Zahlen zurückzukehren." Sie sehe aber viele Entwicklungsmöglichkeiten in Graz, vor allem auch durch Langzeit-Kooperationen mit Forschungseinrichtungen. Sie wolle "Themen eröffnen, die uns alle interessieren, wie etwa die Ökologie".

Wolfgang Muchitsch, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Universalmuseums Joanneum (UMJ), meinte: "Es war keine leichte Wahl. Hribernik war die jüngste Bewerberin." Landesrat Drexler unterstrich das: "Manche werden sagen, es ist eine riskante Entscheidung." Doch er sei überzeugt und die Entscheidung sei im "völligen Einklang mit der Jury" gefallen. Die Slowenin habe eine "klare Vorstellung, wie sie das Haus führen will und hat mit Herzblut argumentiert". Besonders der Begriff der Dringlichkeit habe Drexler angesprochen - ebenso wie die "Kunst als Vermittler der gesellschaftlichen Utopie". Für ihn sei es ein Neubeginn, "eine neue Ära im Kunsthaus Graz".

Der Grazer Kulturstadtrat Günter Riegler (ÖVP) sagte zur Bestellung: "Das Kunsthaus hat als Architekturikone hohe internationale Beachtung." Hribernik werde daran zu messen sein, "inwieweit die gezeigten künstlerischen Positionen entlang des im Vorjahr überarbeiteten Leitbildes eine ebenso hohe internationale Beachtung finden werden". Im Frühjahr 2020 wurde das Kunsthaus vom Universalmuseum ausgegliedert und steht als Tochtergesellschaft des UMJ zur Hälfte im Eigentum der Universalmuseum Joanneum GmbH und der Stadt Graz.

Für die neue Alleingeschäftsführung des Kunsthauses hat es insgesamt neun Bewerbungen- unter anderem aus Kanada, der Schweiz, Deutschland und Slowenien - gegeben. Neben acht Einzelbewerbungen war auch eine Doppelbewerbung eingelangt. Vier Frauen und sechs Männer waren auf der Kandidatenliste zu finden. Zum Hearing am Montag waren fünf Personen geladen, vier sprachen dann vor, eine Bewerbung wurde zurückgezogen. Von den vier Kandidatinnen und Kandidaten blieben letztlich drei Frauen übrig, eine von ihnen war Hribernik. Die bisherige Leiterin des Kunsthauses, Barbara Steiner, hat nach ihrem plötzlichen Abgang mit 1. September 2021 die Leitung der Stiftung Bauhaus angetreten. Ihr Vertrag wäre bis 2026 gelaufen. Zwischenzeitlich wird das Kunsthaus von Kuratorin Katrin Bucher Trantow geleitet.

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