Kultur

"Angles and Angels": MAK zeigt Raimund Abraham

Es ist eine kleine Ausstellung mit viel Inhalt: Im MAK-Kunstblättersaal sind ab Dienstag unter dem Titel "Angles and Angels" Zeichnungen, Modelle und Prototypen des österreichisch-amerikanischen Architekten Raimund Abraham (1933-2010) zu sehen. "Er gehört zu jenen, die sich am Tiefgründigsten mit Architektur auseinandergesetzt haben", sagte MAK-Chef Christoph Thun-Hohenstein bei der Presseführung.

Thun-Hohenstein ist dem berühmtesten Gebäude des gebürtigen Osttirolers sehr verbunden. Er war bei Projekt und Umsetzung des 2002 eröffneten Neubaus des Österreichischen Kulturforums in New York involviert ("Es waren 226 Einreichungen damals."), und er bewohnte und bespielte als Kulturforums-Leiter in den ersten Jahren den ikonischen Bau in Manhattan, der wie kaum ein anderes Gebäude Abrahams seinen visionären wie seinen skulpturalen Ansatz vereint. Thun-Hohenstein sprach von "grandiosen Räumen", an die man sich "erst gewöhnen" musste, und erzählte, dass es noch während des Baus gelungen sei, im 18. Stock zwei Fenster hineinzureklamieren, die grandiose Blicke auf die 52nd Street boten.

Natürlich ist das Kulturforum mit zwei Modellen und einigen Zeichnungen prominent in der von Bärbel Vischer kuratierten Schau vertreten, und anhand von Abrahams nicht realisierter "Kirche an der Berliner Mauer" (1981/82) lassen sich hervorragend bereits jene starken Zeichen und Formen studierten, die schließlich in sein Hauptwerk mündeten. Ansonsten bietet die Ausstellung aber viele weitere Anknüpfungspunkte und Querverweise - zu Literatur, Kunst und Film (Jonas Mekas' sechsstündiges Abraham-Porträt aus 2013 wird am 25. August sowie am 5., 22. und 26. September als Teil des Rahmenprogramms im MAK-Vortragssaal gezeigt), aber auch zur Mondlandung. Die "Moon Crater City" (1967) und die "Air Ocean City" verweisen auf einen zumindest gedanklichen architektonischen Aufbruch ins All.

"Architectural Fantasies" hieß zu jener Zeit eine Ausstellung im Museum of Modern Art in New York, an der neben Abraham auch Walter Pichler und Hans Hollein beteiligt waren, und die Verwandtschaft vieler ihrer Projekte ist evident. Am spannendsten sind Abrahams alle Konventionen sprengenden Zeichnungen und Collagen. "House with Curtains", "House without Rooms" oder "House with two Halves" heißen sie. "Um Raimund Abraham zu verstehen, muss man die Zeichnungen ansehen. Dann eröffnen sich einem ganze Räume", sagte Thun-Hohenstein. Vom "House for Euklid" (1983), dessen Ecken gekippt werden können, gibt es sogar ein Modell, und beim "House with Flower Walls" sorgen Pflanzenwurzeln dafür, dass das Haus immer mehr in der Tiefe verankert wird. "Wenn ich baue, verwandeln sich meine Augen in Hände", heißt es in Raimund Abrahams Manifest "Eyes Digging" (2001), das an einer Wand nachzulesen ist.

Schön wäre, wenn die kleine Schau, die großteils aus dem Archiv von Una Abraham, aber auch aus der Sammlung des Architekturzentrum Wien, der MAK-Sammlung Gegenwartskunst sowie einer Wiener Privatsammlung bespielt wird, der Auftakt zu einer späteren größeren Ausstellung zu Raimund Abraham sein könnte. Es wären - jedenfalls theoretisch - gerade gute Zeiten für Grundsätzliches und Visionäres.

Quelle: APA

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