Kultur

Antiquiert: Musical "Annie get your gun" in Klagenfurt

Als Mischung aus Schlagern ("There´s no business like show-business"), Akrobatik und Tanzeinlagen von Hip-Hop bis Can-Can hat Regisseurin Pascale-Sabine Chevroton Donnerstagabend das Musical von Irving Berlin "Annie get your gun" im Stadttheater Klagenfurt in Szene gesetzt. Die Geschichte der schießtüchtigen Annie, die den Scharfschützen Frank Butler herausfordert, irritiert durch ihr antiquiertes Frauenbild.

Anastasia Troska in "Annie Get Your Gun..." SN/APA/Helge Bauer
Anastasia Troska in "Annie Get Your Gun..."

Kann man so einen Stoff heute so politisch unkorrekt auf die Bühne bringen? Die kratzbürstige Annie, die "schießt wie ein Kerl", schießt zwar auch mit Worten scharf, lässt aber am Ende der Liebe willen ihren Gegner im Wettbewerb gewinnen. Denn der angehimmelte Frank mag "frauliche" Frauen, "zierlich und mit Grübchen" und Annie erkennt: "You can´t get a man with a gun."

Dazwischen liegen in Klagenfurt zweidreiviertel Stunden Show- und Varieté-Nummern, die durch die schwungvolle, körperbetonte Choreographie und knallige Kostüme (Alexandra Burgstaller) in Erinnerung bleiben. Auch eine Akrobatik-Nummer in luftiger Höhe und ein stimmungsvolles perkussives Zwischenspiel mit Indianern am Lagerfeuer schafft Revue-Atmosphäre.

Schauspiel-Sängerin Anastasia Troska ist eine quirlige Annie, Erwin Belakowitsch ein cooler, stimmstarker Frank Butler. Die konkurrierenden Wildwest-Show-Veranstalter Buffalo Bill (Daniel Doujenis) und Pawnee Bill (Thomas Tischler) verkörpern die chauvinistische Männerwelt. Nur der sanfte Häuptling Sitting Bull (Timo Verse), der sich Buffalo Bill angeschlossen hat, will den Aggressionen ein Ende machen. Dass er im Schlussbild der Inszenierung aber aus seiner bis dahin nahezu stummen Rolle tritt und eine Rede zum klimafeindlichen Umgang der Menschen mit der Erde hält, wirkt aufgesetzt.

Mit diesem Musical, basierend auf der realen Geschichte der 1860 in Ohio geborenen Kunstschützin Annie Oakley, schuf der begnadete Songwriter Irving Berlin ein Denkmal für die US-Ikone und zahlreiche Hits. 1946 in New York uraufgeführt, erlebte es mehr als 1.000 Vorstellungen am Broadway und wurde später auch verfilmt ("Duell in der Manege").

Diese Klagenfurter Produktion von heute, die mit großem Ensemble- und Materialaufwand eine Nummernrevue mit fragwürdigem Inhalt wurde, hinterlässt bei aller Nostalgie einen schalen Beigeschmack. Daran ändern auch die Gender-Sternchen bei den deutschen Übertiteln nichts mehr. Das Publikum bedankte sich mit freundlichem Applaus für diese letzte Produktion der Spielzeit - und Hausherr Aron Stiehl lud als "sitting bull" mit Federschmuck die Zuseher zur Premierenfeier.

(S E R V I C E - "Annie get your gun". Musik und Liedtexte von Irving Berlin, Libretto von Herbert und Dorothy Fields. Deutsche Übersetzung von Jauke Jensen. Musikalische Leitung: Michael Spassov, Regie und Choreographie: Pascale-Sabine Chevroton. Bühne und Kostüme: Alexandra Burgstaller. Choreinstudierung: Günter Wallner. Mit: Anastasia Troska (Annie Oakley), Erwin Belakowitsch (Frank Butler), Daniel Doujenis (Buffalo Bill),Hans Neblung (Charlie Davenport), Christa Ratzenböck (Dolly Tate), Timo Verse (Chief Sitting Bull), Thomas Tischler (Pawnee Tischler), u.a. Weitere Aufführungen 7., 10., 12., 20., 25., 28., 31. Mai, 1., 2., 3., 8., 9., 10., 11., 12., 14., 17., 18. Juni, jeweils 19.30 Uhr; www.stadttheater-klagenfurt.at

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