Kultur

ARGEkultur: Zum Einstand sagt der neue Leiter "Bye-bye"

Debatten und ein Abschied als Motto: Sebastian Linz stellt sein erstes Programm für die ARGE vor.

Sebastian Linz SN/argekultur/hannah inreiter
Sebastian Linz

Beim MotzArt-Festival ist der Kabarettist Thomas Maurer seit vielen Jahren Stammgast. Heuer kommt er allerdings als Diskussionsleiter in die ARGEkultur. Erstmals hat das Salzburger Kabarettfestival (1. bis 9. 2.) ein übergreifendes Motto. Und unter dem Titel "Spaß mit Hass" wird auch Maurer im ersten MotzArt-Salon mit drei Gästen Gespräche über Hasskultur und andere gesellschaftliche Phänomene führen.

Das Format ist eine der Neuerungen, mit denen Sebastian Linz 2019 seine Handschrift als Leiter des Salzburger Kulturzentrums zeigt. Auch seinem ersten Jahresprogramm, das er am Dienstag präsentierte, hat er ein Motto gegeben: "Alles bleibt anders." Die Zeit seit seinem Antritt als Nachfolger von Markus Grüner-Musil, der noch das Vorjahresprogramm gestaltet hat, habe er genutzt, um Potenzial für Veränderungen zu suchen und "zu sehen, wo die Reise hingehen kann". Dass das Programm künftig stärker auf Debatte und Diskussion ausgerichtet werden soll, ist eine der Richtungsänderungen. "Es wird viel gesprochen werden", sagte Linz. "Diskursivierung" steht als zugehöriges Schlagwort im Programm für 2019. Auch auf mehr Digitalität wolle die ARGEkultur setzen. In einem Kunstprojekt werde ein eigener ARGE-Bot in die Welt gesetzt. In einem ersten Schritt wird das autonom werkende Computerprogramm mit Texten aus bzw. zu Konzerten, Lesungen, Stücken oder Kabarettabenden im Haus gefüttert. Ab Herbst soll der ARGE-Bot dann imstande sein, mit Nutzern, die ihm Fragen stellen, in Diskurs zu treten.

Dass bestimmte Themen im Jahresprogramm immer wiederkehren, ist Teil des Prinzips. Stärker als bisher will Linz "das Jahresprogramm kuratorisch denken". Statt vieler einzelner Veranstaltungen solle so das Bild eines "365 Tage dauernden Festivals" entstehen. Im März etwa ist rund um den Weltfrauentag ein Schwerpunkt mit Konzerten, Workshops, Clubs und Diskussionen zum Thema "Feministisches Handeln im Alltag" geplant. Das "Open Mind"-Festival im Herbst will diesmal unter dem Titel "Bye Bye Everything?" die Frage stellen, ob das Abschiednehmen von für sicher gehaltenen Werten "zu einer Chiffre unserer Zeit geworden ist".

Vorübergehend verabschieden will sich der neue künstlerische Leiter auch von bisherigen Fixpunkten wie der Kinderkulturwoche. Sie werde 2019 pausieren und 2020 mit ebenfalls stärkerer thematischer Anbindung ans Gesamtprogramm wiederkommen.

Mit Kooperationen will die ARGEkultur unterdessen weitere Synergien schaffen: Erstmals wird das Thomas-Bernhard-Institut der Uni Mozarteum Stücke in der ARGE erarbeiten. In Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus Wien wird das Stück "Autos" von Enis Maci produziert, das am kommenden Wochenende in Wien seine Uraufführung hat (Salzburg: 21. bis 23. 2.).

In der Musik werde neben der bewährten Indie-Popschiene künftig auch Experimentelleres und Progressiveres zu hören sein, diesen Freitag etwa von den queer-feministischen Hip-Hop-Künstlerinnen Klitclique und Die Römischen Votzen. Die Basis der Arbeit sei indes unverändert, resümierte Sebastian Linz: Die ARGE bleibe ein Mehrspartenhaus mit starker regionaler Bindung und gesellschaftspolitischer Rolle.

Programm:www.argekultur.at

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