Kultur

Ars Electronica bringt "Error" von Linz nach Berlin

Wenn im großen Showroom von VW auf Berlins bester Flaniermeile plötzlich ein Roboter die Gäste begrüßt und Medienkunst die Autos zur Seite drängt, dann ist die Ars Electronica aus Linz zu Gast Unter den Linden. Mit "Error - the Art of Imperfection" ist ab heute, Freitag, eine Ausstellung, die das Thema des Linzer Festivals weiterführt, im Drive. Volkswagen Group Forum zu sehen.

Die Ausstellung der Ars Electronica wird in Berlin weitergeführt SN/APA/BARBARA GINDL
Die Ausstellung der Ars Electronica wird in Berlin weitergeführt

Die Partnerschaft mit VW habe sich entwickelt, bereits zum siebten Mal wird der große, weiß gehaltene Showroom bespielt. "Es war heuer der Wunsch von VW, 'Error - the Art of Imperfection' zu vertiefen", erklärt Kuratorin Manuela Naveau, Direktorin des Ars Electronica Export, im APA-Gespräch. Der Blick in die Zukunft sowie die Interaktion von Mensch und Maschine sei den Medienkünstlern und Automobilbauern gemein. Naveau hat die Schau gemeinsam mit der Künstlerin Claudia Rohrmoser und der Designerin Letitia Lehner gestaltet. Error wird dabei neutral "nur" als Abweichung verstanden. Um diese positiv oder negativ zu bewerten, brauche es einen Kontext. Am wichtigsten wäre Naveau, wenn Besucher beginnen, zu hinterfragen, ob etwas gut oder schlecht ist und inwieweit wir die Möglichkeit haben, Sachen zu kontrollieren oder Einfluss zu nehmen.

Die 16 Positionen, die in Berlin zu sehen sind, sind den Begriffen Irritation, Ordnung, Wert und Kontrolle zugeordnet. Im Eingangsbereich spinnt ein Industrieroboter - für die Ars Electronica extra in Schwarz - Fäden. "Robot, doing nothing", ein Forschungsprojekt des Linzer Kunstuni-Studenten Emanuel Gollob, lädt ein, sich im geometrischen Muster zu verlieren und seinen Gedanken einen Moment freien Lauf zu lassen - das irritiert in der heutigen Welt. Deren extreme Geschäftigkeit soll gerade kritisiert werden.

Unter "Ordnung" fallen unter anderem Stefan Tiefengrabers Klanginstallation "DSD-08AS", die auch beim Festival in Linz zu sehen war, und "Jller" von Prokop Bartonicek (CZ) und Benjamin Maus (DE). Die Maschine sortiert Kiesel aus dem deutschen Fluss Jller - nach ihrem geologischen Alter. Der Besucher weiß aber nicht, nach welchen Kriterien sie angeordnet werden. Naveau verglich das mit Algorithmen, bei denen auch keine Transparenz herrsche, nach welchen Prinzipien sie trainiert werden.

In der Kategorie "Wert" stehen sich etwa die Goldene-Nica-Gewinnerinnen LarbitsSisters mit "BitSoil Popup Tax & Hack Campaign" und "Bittercoin - the worst miner ever" der Spanier Cesar Escudero Andaluz und Martin Nadal gegenüber. Die Belgierinnen prangern in ihrem Kunstprojekt an, dass sehr wenige Menschen mit den Daten, die alle so bereitwillig im Internet lassen, sehr viel Geld machen und fordern ein Beteiligungsmodell - mittels virtueller Postkarte kann jeder teilnehmen. "BitterCoin" hinterfragt mit einem alten Rechner, der zum Miner gehackt wurde, wie unmöglich es geworden ist, Bitcoins zu generieren, ohne auf Hochleistungstechnologie zurückgreifen zu können.

Der Begriff "Kontrolle" wird konterkariert von der Lichtinstallation "DIN", die Claudia Rohrmoser und Florian Kühnle wie ein Bühnenbild in dem fast steril weißen Raum inszenieren. 30 LED-Panels, die von der Decke hängen, durchlaufen ein Kalibrierungsritual nach dem anderen, ohne einen idealen Zustand zu erreichen - dafür lösen sie optische und akustische Signalfehler aus. "Der gesamte Raum wird von diesem Error-Moment eingenommen", erklärte Naveau. Alle Displays, auch jene in der Arkade, die Werbung oder Infos anzeigen, spielen verrückt und lassen die Besucher erleben, wie eine Abweichung sich anfühlt.

Die Ars Electronica entwickelte das gesamte Programm, "wir bringen alles mit, auch die Infotrainer, die drei Monate durch die Ausstellung führen". Bei der Schau vorigen Sommer waren es 250.000 Besucher in drei Monaten. Der Eintritt ist frei, die Zugangsschwelle niedrig, an einem Ort, den wohl jeder Berlin-Besucher passiert, und der nicht nur Automobil-Interessierte anzieht. "Export ist die Internationalisierungsinitiative der Ars Electronica im künstlerischen Bereich", beschreibt Naveau ihre Arbeit. Parallel ist derzeit "Futue Humanity - Our Shared Planet" in Peking, Seoul und Moskau zu sehen, das erste gemeinsame Ausstellungsprojekt von Hyundai Motor Group, Central Academy of Fine Arts Beijing und Ars Electronica.

Quelle: APA

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