Kultur

Atmosphäre pur: Albertina zeigt Fotos von Alfred Seiland

Die Wiener Albertina widmet dem österreichischen Fotografen Alfred Seiland ab Mittwoch eine Retrospektive. Mit 65 Werken werden "40 Jahre meines Schaffens in repräsentativem Umfang" gezeigt, sagte der Künstler am Dienstag. Die durchwegs analog entstandenen Farbbilder zeichnen sich durch klare Kompositionen und durchgehende Schärfe aus.

"Seiland ist der vielleicht einzige österreichische Street-Photographer", erklärte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder. Mit der Ausstellung werde außerdem ein "Reigen" eröffnet, der die österreichische Fotografie behandeln soll, die laut Schröder "weltweit unterschätzt" sei. Mit den kommenden Ausstellungen wolle die Albertina dies ändern.

Seiland hat sich in den 1970er-Jahren in den USA auf die Spuren der amerikanischen Wegbereiter der Farbfotografie Joel Meyerowitz, Stephen Shore und William Eggleston begeben. Sorgfältig aufeinander abgestimmte Farben, verschiedene Lichtquellen und durchgehende Schärfe zeichnen seine Bilder aus, die mehrere Raumebenen aufweisen. Alle Aufnahmen vermitteln Ruhe und etwas Melancholie, bleiben dabei jedoch sachlich. Menschen sind auf den Bildern kaum zu sehen.

Kuratorin Anna Hanreich vereint in der Ausstellung Fotografien aus mehreren Zyklen. In Seilands zwischen 1979 und 1986 entstandenen Serie "East Coast - West Coast" zeigt er alltägliche Motive an beiden Küsten der USA. Dabei nehmen besonders die Licht und Wetterstimmungen eine tragende Rolle ein. Seiland wirft als Österreicher einen Blick auf die "exotischen" amerikanischen Orte, die oftmals von großen Leuchtreklamen, Hinweisschildern, Autos und klar strukturierter urbaner Architektur geprägt sind: So spielen die Werbeflächen in einer großformatigen Aufnahme in New York City im nächtlichen Ballett miteinander, und in Los Angeles ragt ein Wolkenkratzer gleich einem schwarzen Monolithen vor dem Nachthimmel empor.

Als Gegenstück dazu sind in der Ausstellung auch Fotografien aus der Serie "Österreich" positioniert, die keine typischen Sehenswürdigkeiten zeigt, sondern alltägliche Motive thematisiert. Dabei stehen die "politische Vergangenheit des Landes, soziale Milieus, kulturelle Identitäten oder die Wiedergabe des Regionalen" im Mittelpunkt.

Mit dem 2006 begonnenen Zyklus "Imperium Romanum" stellt Seiler die Bauten der römischen Antike im gesamten Mittelmeerraum in Bezug zur Gegenwart. Seiland habe dafür weitere Objektive für größere Abbildungen verwendet, um den aktuellen räumlichen Kontext der Bauwerke zeigen zu können. Die aus dem Zyklus entstandene jüngste Serie "Iran" behandelt zusätzlich die Auswirkungen des ersten Golfkrieges und ist in dieser Ausstellung erstmals zu sehen.

Auch die Fotografien, die im Rahmen der Werbekampagne für die "FAZ" entstanden, können in der Ausstellung bewundert werden. Seiland inszenierte darin berühmte Persönlichkeiten, die von der großen, aufgeschlagenen Zeitung verdeckt werden, in auf sie zugeschnittener Umgebung. So sind beispielsweise der Regisseur Wolfgang Petersen am Filmset und der Bergsteiger Reinhold Messner an einer Felswand abgebildet.

Seiland bedient sich einer analogen Großbildkamera, deren Aufnahmen eine dem menschlichen Sehen ähnliche räumliche Wiedergabe ermögliche. Digitale Technik sei für seine Herangehensweise "nicht geeignet", besonders in Bezug auf die von ihm stets verwendete Tiefenschärfe. "Ich möchte mich nicht von der Technik terrorisieren lassen", sagte er und kündigte an, auch künftig analog arbeiten zu wollen.

Quelle: APA

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