Kultur

Banksys Schredder-Werk für 16 Millionen Pfund versteigert

Gut drei Jahre nach seiner teilweisen Zerstörung ist das halb geschredderte Banksy-Werk "Love is in the Bin" für 16 Millionen Pfund (18,89 Mio. Euro) plus Gebühren versteigert worden. Damit erzielte das Bild am Donnerstagabend bei Sotheby's in London deutlich mehr als den geschätzten Preis von bis zu sechs Millionen Pfund. Der neue Eigentümer des Werks wurde zunächst nicht bekanntgegeben.

Das Kunstwerk brachte umgerechnet fast 19 Millionen Euro SN/APA/AFP/TOLGA AKMEN
Das Kunstwerk brachte umgerechnet fast 19 Millionen Euro

Eine europäische Sammlerin hatte das Bild, eines der bekanntesten Banksy-Motive namens "Girl with Balloon", im Oktober 2018 für rund 1,1 Millionen Pfund ersteigert. Direkt im Anschluss ertönten Piepsgeräusche und das Bild rauschte durch den dicken, verschnörkelten Goldrahmen nach unten. Ein dort versteckter Schredder schnitt den unteren Teil des Bildes in Streifen. Banksy, dessen Identität unbekannt ist, bezeichnete die überraschende Aktion eine Kritik am Kunstmarkt und nannte das Werk um in "Love is in the Bin". Das Spektakel hatte Banksy offenbar von langer Hand geplant.

Das Motiv ist weltweit bekannt: Ein Mädchen greift nach einem entschwebenden herzförmigen Ballon - oder hat ihn soeben losgelassen, die Deutungen gehen auseinander. Erstmals tauchte das Motiv 2002 an einer Mauer in London auf, seitdem ist es in mehreren Versionen an Wänden weltweit erschienen und wurde als Druck zigfach reproduziert. 2017 wurde "Girl with Balloon" zum beliebtesten Kunstwerk in Großbritannien gewählt - im Oktober 2018 dann die Schredder-Aktion. Vom Mädchen ist nur noch ein Teil des Kopfes zu sehen, der Ballon schwebt vor weißem Hintergrund. Der Rest des Werks schaut unten in feine Streifen geteilt aus dem Rahmen heraus. Bei Ausstellungen wollten Zehntausende das Bild sehen.

Auch die Kunstwelt war entzückt. Sotheby's feierte "Love is in the Bin" als "erstes Kunstwerk der Geschichte, das während einer Auktion live entstand", die Zeitung "Guardian" attestierte Banksy, es handle sich um sein "größtes Werk". "Was könnte mehr wert sein als ein Banksy? Ein geschredderter Banksy!", jubelte der "Daily Telegraph". Die nicht namentlich bekannte europäische Sammlerin behielt es und macht nun große Kassa.

"Es muss nur Banksy draufstehen, und die Preise schießen in die Höhe", sagt ein Kenner des Kunstmarkts in London, der nicht namentlich genannt werden will. Bisheriger Höhepunkt: Im März erlöste Banksys ein Quadratmeter großes Bild "Game Changer", das den Einsatz von Ärzten und Pflegekräften in der Pandemie würdigt, 16,8 Millionen Pfund für die Universitätsklinik im südenglischen Southampton und andere Organisationen des englischen Gesundheitsdienstes NHS.

Selbst kleinere Drucke sind nicht unter einigen Zehntausend Pfund zu haben, beim Londoner Auktionshaus Bonhams ging kürzlich ein farbiger Siebdruck von "Girl with Balloon" für rund 150.000 Pfund weg. Mit seiner Anonymität trägt Banksy zum Hype bei, wie der Kunstmarkt-Kenner sagt. Tauchen neue Werke auf, wie zuletzt Mitte August an der englischen Nordseeküste, ist der Widerhall in der Berichterstattung enorm.

Banksy nutzt seinen Ruhm: Zumeist sind es sozialkritische Themen, die er mit seinen Werken anspricht. Der Kunstmarkt aber scheint auch von dem unkonventionellen Künstler nicht einzufangen zu sein.

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