Kultur

Bordins "The Summit/Der Gipfel" überzeugt in Carnuntum

Üblicherweise sind bei Art Carnuntum im römischen Amphitheater von Petronell antike Werke, Shakespeare-Dramen oder auch maßgebliche moderne Produktionen zu sehen. Mit "The Summit/Der Gipfel" hat Intendant Piero Bordin selbst einen Abend beigesteuert, den er bescheiden als "Projekt" bezeichnet, der aber ein fundamentales Herzstück darstellt, geht es doch um die Kaiserkonferenz zu Carnuntum 308.

Die Aufführung am Freitagabend widmete Bordin dem 70. Jahrestag der Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen. Beim historischen Gipfeltreffen in Carnuntum kam nicht nur die vierte und letzte Viererherrschaft des Römischen Reichs zustande, es wurden auch die Grundlagen geschaffen für die Toleranzedikte von Nikomedia und Mailand, die Religionsfreiheit garantierten. Wer allerdings nun eine schulfunkartige, didaktisch aufbereitete Geschichtsstunde befürchtet, wird in 80 kurzweiligen Minuten aufs Angenehmste enttäuscht.

Ein großes Zelt mit einer Treppenrampe bildet das Zentrum des Geschehens, das mit einem Blutbad beginnt: Legionäre zerhauen die (Melonen-)Köpfe der leblosen Opfer, sammeln die Körper auf, entfernen sie aus der Arena. Da sprengt ein berittener Bote herbei und bringt die Botschaft von der Ankunft der vier Kaiser.

Ab hier switcht Bordin geschickt die Zeitebenen. Sonnenbebrillte Security nimmt vor dem Zelt Aufstellung, gepanzerte Limousinen fahren auf, die Kaiser machen auf staatsmännisch, der langjährige ORF-Anchorman und jetzige Medien-Coach Gerald Groß kommentiert das Spektakel live als TV-Moderator und spickt seine Berichte mit zahlreichen Anspielungen auf die politische Lage im Österreich der Gegenwart.

Zudem gibt es noch musikalische "Parabasen", in der attischen Komödie übliche Einfügungen, in diesem Fall Kompositionen von Joseph Haydn, Christopher J. Hoh und Yannis Markopoulos, unter Mitwirkung des 1. Frauen-Kammerorchesters von Österreich und des Vienna Symphonic Choir. Ein sehr beeindruckender Brückenschlag über die Jahrhunderte hinweg, der die Bedeutung Carnuntums für die Entwicklung von Toleranz und Humanität veranschaulicht: ein Aspekt, der auch im Tourismusmarketing und im Selbstverständnis der Region noch viel stärkere Beachtung verdient. Leider fand der "Summit" heuer nur einmal statt - vielleicht kommt ja 2019 eine Neuauflage.    

Quelle: APA

Aufgerufen am 21.09.2018 um 12:03 auf https://www.sn.at/kultur/allgemein/bordins-the-summit-der-gipfel-ueberzeugt-in-carnuntum-38372995

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