Kultur

Budget: Kulturstaatssekretärin Mayer "sehr zufrieden, fast glücklich"

Mit zusätzlichen 30 Mill. Euro sollen Großprojekte finanziert, Institutionen gesichert und Förderungen für Zeitgenössisches aufgestockt werden.

Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer. SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer.

Um 30 Millionen Euro steigt das Kulturbudget im kommenden Jahr. Das war laut Stoppung von IG Autorinnen Autoren Geschäftsführer Gerhard Ruiss Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) in seiner gestrigen Budgetrede 33 Sekunden Redezeit wert. Mehr Zeit nahm sich heute Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) für ein paar Nachfragen der APA zu den Schwerpunkten des kommenden Kulturbudgets.

APA: Frau Staatssekretärin - ist das Glas, was das neue Kulturbudget betrifft, halb voll oder halb leer? Quantitativ ist so ein Zuwachs schon lange nicht mehr da gewesen, die Kollegen von den "OÖN" haben aber nachgerechnet, dass der Anteil am Gesamtbudget von 0,6 auf 0,5 Prozent gesunken ist.

Andrea Mayer: Für mich ist das Glas ganz voll. Ich bin sehr zufrieden, fast glücklich mit diesem Budgetzuwachs, der der höchste seit Jahrzehnten ist - und ich kenne den Kunst- und Kulturbetrieb ja doch schon einige Jahre. Ein tatsächliches Plus von 30 Millionen Euro, denn die Corona-Maßnahmen sind davon ja unabhängig: Das ist einfach ein sehr großer Erfolg.

APA: Viel Geld fließt in bauliche Maßnahmen und Infrastruktur. Auf welche Punkte sind Sie denn besonders stolz, dass es gelungen ist, dafür budgetäre Deckung zu bekommen?

Andrea Mayer: Ich bin auf das ganze Budget sehr stolz. Wir können sehr viel gestalten und sehr viel Gutes tun. Man kann diese 30 Millionen sozusagen in drei Teile gliedern: Ein Drittel sind bauliche Großprojekte wie Salzburg, Bregenz und das Volkstheater in Wien. Das sind Themen, über die reden wir mit den betroffenen Ländern und Städten schon lange. Und es ist gut so, dass man das endlich geklärt hat und die Betriebe zu planen beginnen können. Das zweite Drittel verwenden wir, um wichtige Strukturen und Institutionen zu stärken. Da gibt es einige "Langzeit-Baustellen", die wir endlich lösen können - etwa die Erhöhung der Mittel für Wiener Privattheater, die "Albertina modern", die in den Regelbetrieb übergeführt wird, Künstlerateliers, die wir sanieren können, die Sicherung unseres filmischen Erbes...

APA: Das "Film Preservation Center" ist also auf Schiene?

Andrea Mayer: Ich würde das nicht notwendigerweise "Film Preservation Center" nennen, aber wir haben Mittel für den Bereich Filmerbe reserviert, um endlich konkrete Maßnahmen wie etwa die Erweiterung von Depotflächen für die analogen Bestände umzusetzen und zukunftstaugliche Lösungen vorbereiten zu können. Ich bin froh, dass wir auch hier bald Schritte setzen können. Ich bin eine Managerin und möchte, dass etwas weitergeht. Es freut mich sehr, dass das mit diesem Budget auch gelingt. Das letzte Drittel ist für mich das erfreulichste, weil wir zehn Millionen für das zeitgenössische Kunstschaffen, für die Freie Szene, investieren können - und zwar mit einer ganzen Fülle von Maßnahmen. Wir können Stipendienerhöhungen und Fördererhöhungen quer durch alle Sparten vornehmen - von der Musik über Literatur bis zu bildender Kunst und Film. Der Film ist uns besonders wichtig. Wir werden daher ein eigenes Filmpaket schnüren, mit einer substanziellen Erhöhung für das Österreichische Filminstitut um 2 Mio., einer Erhöhung für den innovativen Film und für die Förderung von Programmkinos. Wir können auch neue Akzente setzen, Internationalisierung, Innovation, Fair Pay - ich finde gut, dass das alles miteinander geht! Wichtig ist mir, dass wir mit unseren Förderprogrammen auch neue, innovative Strömungen erreichen. Ich möchte nicht etwas verlieren, nur weil es nicht in unsere Schubladen des Förderwesens passt. Wir werden daher einen Topf für hybride, innovative Projekte schaffen.

APA: Der Finanzrahmen steigt noch einmal im Jahr 2022, danach sinkt das Kulturbudget wieder. Es scheint, dass die Erhöhung nicht nachhaltig ist.

Andrea Mayer: Bis dahin gibt es wieder Budgetverhandlungen. Wichtig ist, was wir heuer erreicht haben, und dass es nächstes Jahr weiter ausgebaut wird. Dann muss man wieder verhandeln. Das ist ja heuer auch ganz gut gelungen.

APA: Wie steht es um die seit langem geforderte Erhöhung der Basisabgeltung für Bundestheater- und Bundesmuseen?

Andrea Mayer: Diese haben heuer bereits zusätzliche Mittel aus Gründen der Liquiditätssicherung vom Bund erhalten, aus den Covid-Sondermitteln. Im Herbst wird es wie angekündigt eine zweite Tranche geben, da klären wir gerade, wie hoch sie ausfallen wird. Nachdem wir davon ausgehen müssen, dass die Pandemie nicht mit dem Jahreswechsel zu Ende geht, werden diese Institutionen auch nächstes Jahr zusätzliche Mittel aus diesem Covid-Topf brauchen. Das steht für mich bei der Absicherung der Bundesinstitutionen im Vordergrund. Wenn das alles überstanden ist, können wir über eine Erhöhung der Basisabgeltung reden.

APA: Und wann redet die Bundesregierung über die Zukunft des Haus der Geschichte Österreich (hdgö)?

Andrea Mayer: Da gibt es laufend Gespräche. Man muss dem Team des Haus der Geschichte Österreich gratulieren, sie haben mit bescheidenen Mitteln und in einem Provisorium erreicht, dass ihre Institution einmal etabliert ist. Wir werden sicher zu einer Lösung kommen.

APA: Hätte man bei den großen Infrastrukturmaßnahmen nicht gleich einen Neubau hineinnehmen können?

Andrea Mayer: Dafür muss erst eine Entscheidung getroffen werden. Fürs erste wird weitergemacht wie bisher, aber wir sind mitten in der politischen Willensbildung.

APA: Frankreich hat gerade gravierende Anti-Corona-Maßnahmen beschlossen. Mit was muss der Kulturbereich in Österreich denn noch rechnen?

Andrea Mayer: Es ist natürlich beunruhigend, dass die Infektionszahlen so hinaufgehen, das lässt niemanden unbeeindruckt. Festhalten muss man aber, dass alle Kulturbetriebe sehr professionell auf diese Krise reagiert haben. Da muss man ihnen Respekt zollen, sie haben tolle Konzepte, das Publikum ist sehr diszipliniert. Bei den Kulturveranstaltungen können wir nach wie vor von einem kalkulierbaren Risiko sprechen. Wir fahren aber auf Sicht. Wir stimmen uns laufend mit allen ab.

APA: Mit welcher Vorwarnzeit ist bei neuen Maßnahmen im Kulturbereich zu rechnen?

Andrea Mayer: Das Virus ist leider schwer steuerbar. Maßnahmen werden daher eher kurzfristig sein.

Quelle: APA

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