Kultur

"Dance of Urgency" untersucht im Q21 die Politik des Tanzes

Tanz als politisches Phänomen ist Thema der Ausstellung "Dance of Urgency", die am heutigen Mittwoch im frei_raum Q21 im Museumsquartier eröffnet. Kuratiert hat sie der serbisch-niederländische Künstler Bogomir Doringer, der sowohl dem kollektiven wie dem individuellen Tanz als gesellschaftspolitischem Ausdruck auf den Grund geht. 20 internationale Beiträge bieten unterschiedlichste Perspektiven.

Im frei_raum Q21 im MQ eröffnet am Mittwoch einen neue Austellung SN/APA/HANS PUNZ
Im frei_raum Q21 im MQ eröffnet am Mittwoch einen neue Austellung

"Im Jahr 1999 habe ich während des NATO-Bombardements in Belgrad getanzt", erläuterte Doringer bei der Presseführung. "Die Teilnahme an Veranstaltungen in bestimmten Clubs war eine Art des Widerstands gegen Milosevic", so der Künstler, der sein Verständnis von Tanz nach Ende des Krieges in Serbien vermisst hat, weswegen er sich seither auf die Suche nach Orten macht, an denen er sich und seinen Zugang zum Tanz wiederfindet. Im Zuge dessen hat er zahlreiche Künstlerkollegen - von Belgien bis Japan und von Georgien bis Brasilien - getroffen, die sich dem Tanz aus unterschiedlichstem Blickwinkel genähert haben.

In der sehr stark auf Videoarbeiten basierenden Schau "Dance of Urgency" steht nun der Tanz als Krisenbewältigung im Zentrum, wie bereits ein Zitat am Eingang der Schau verdeutlicht. Die einzelnen Beiträge sind dabei höchst unterschiedlich: So schufen etwa die beiden US-Künstler Cornelius Harris und Mark Flash, die beide Teil des Musikkollektivs "Underground Resistance" sind, ein Video-Essay, das die Geschichte von musikalischen Formen des Widerstands von Afroamerikanern dokumentiert und so verdeutlichen will, wie wichtig Musik für den Freiheitskampf in den USA und darüber hinaus war.

"Critical Mass: Pure Immanence" nennt sich das Video der Niederländerin Anne de Vries, in dem sie die Entwicklung der elektronischen Musik in den 1970er-Jahren nachzeichnet, die oftmals dazu diente, kleine (oft queere) alternative Communities zu stärken. Als Kontrapunkt zeigt sie die bombastischen Inszenierungen von heutigen "Electronic Dance Events", die lediglich zur Unterhaltung für die Massen dienen.

Als einziger österreichischer Beitrag findet sich Nikolaus Geyrhalters Arbeit "Homo Sapiens" in der Ausstellung: Er zeigt verlassene und vergessene Orte auf der ganzen Welt. "Es ist ein apokalyptisch erscheinendes Extrem der Leere, das sich nach menschlicher Partizipation sehnt", heißt es dazu im Begleittext. "Eine ungeklärte wie traumatische kollektive Vergangenheit sucht im Heute nach neuen Orten der Erinnerung, nach neuen verlassenen Zonen, in denen ein 'Dance of Urgency' stattfinden kann."

Quelle: APA

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