Kultur

Denkbilder: Damals regierten die Dichter - Erich Mühsam

Er hatte großes Zutrauen in die Vernunft der Menschen; er dachte, sie zur Vernunft bringen zu können. Sie "verlangen nach Herrschaft, weil sie in sich selbst keine Beherrschtheit haben", schrieb Mühsam und wollte es nicht dabei belassen. Er verfocht mit Leidenschaft und sprachlicher Raffinesse die Sache der Freiheit, die für alle gelten sollte.

Eisner und Mühsam – gescheitert an der Praxis der Politik.  SN/richard huber, bundesarchiv
Eisner und Mühsam – gescheitert an der Praxis der Politik.

Pathos war ihm nicht fremd, wenn es darum ging, für die Sache, die ihm wichtig war, zu kämpfen. Er war einer der wenigen Intellektuellen, die den Beginn des Ersten Weltkriegs nicht enthusiastisch begrüßten oder sogar mit einem Huldigungsgedicht noch kräftig unterstützten. Erich Mühsam, Anarchist und Bohemien, Dichter und Revolutionär, Lebemann und Analytiker, gehörte nirgendwo richtig dazu, weil er den einen zu ungebärdig, den anderen zu sanft galt, den einen zu wenig ernsthaft und zu lebenslustig, ein Luftikus eben, den anderen als Literat zu sehr theoriegesteuert. Er wollte von der Idee globaler Rücksichtnahme nicht lassen, sah die Revolution nur als eine Durchgangsstation zu einem Zeitalter des Friedens. "Friede! Ewiger Friede!", schreibt er am 18. November 1918.

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