Kultur

Deutschland könnte über 1.000 Benin-Bronzen zurückgeben

Deutschland und Nigeria haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, die die Rückgabe von mehr als 1.000 aus dem ehemaligen Königreich Benin geraubte Bronzen 2022 an Nigeria vorsehen könnte. Das teilte der Informations- und Kulturminister des westafrikanischen Landes, Alhaji Lai Mohammed, am Donnerstag mit.

Drei Benin-Bronzen im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe SN/APA/dpa/Daniel Bockwoldt
Drei Benin-Bronzen im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

Die Absichtserklärung sei demnach von einer deutschen Delegation und nigerianischen Vertretern am Mittwoch in der Hauptstadt Abuja unterzeichnet worden. Ihr solle ein Abkommen zwischen beiden Ländern im Dezember folgen, so Mohammed. "Die deutsche Regierung und das deutsche Volk haben einen mutigen Schritt gemacht, indem sie sich bereit erklärt haben, die Artefakte freiwillig und ohne großen Zwang von Seiten Nigerias zurückzugeben", sagte der Minister.

Bronzen aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin sind in zahlreichen deutschen Museen zu finden. An den Gesprächen zur Vorbereitung für Rückgaben beteiligt sind zunächst das Linden-Museum in Stuttgart, das Museum am Rothenbaum (Hamburg), das Rautenstrauch-Joest-Museum (Köln), das Völkerkundemuseum Dresden sowie das Ethnologische Museum Berlin. Allein das Berliner Museum verfügt über rund 500 historische Objekte aus dem Königreich Benin, darunter etwa 400 Bronzen. Der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu dem das Ethnologische Museum gehört, hat Ende Juni den Weg frei gemacht für Verhandlungen mit zuständigen Stellen in Nigeria über die Rückführung von Objekten. Ziel sind "substanzielle Rückgaben" im kommenden Jahr.

Auch im Weltmuseum Wien gibt es umfangreiche Benin-Bestände. "Deutschland und Österreich haben Benin-Bronzen auf dem Kunstmarkt erworben. Wie diese Objekte aus Benin herauskamen, war bekannt", hat der neue Museumsdirektor Jonathan Fine, zuletzt am Ethnologische Museum in Berlin tätig, im APA-Antrittsinterview bekräftigt. "Es ist eine allgemeine europäische Diskussion, man sollte sich in Österreich da nicht zurücklehnen. Ich glaube, die Politik sollte das in Angriff nehmen und die Chance nutzen, eine österreichische Position zu entwickeln und die Diskussion darüber anzuregen." Frankreich will bereits Ende Oktober 26 afrikanische Kunstobjekte an ihr Herkunftsland Benin zurückgeben.

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