Kultur

Eigene Reihe des Bruckner Orchester Linz: Umjubelte "Nullte"

Das Bruckner Orchester Linz (BOL) unter Chefdirigent Markus Poschner hat Sonntagnachmittag erstmals eine eigene Konzertreihe im Linzer Brucknerhaus begonnen. Seit 45 Jahren spielt das BOL dort als "Residenzorchester" zahlreiche Konzerte, die von der Linzer Veranstaltungsgesellschaft LIVA organisiert werden. Dazu kommt nun der eigene Zyklus, dessen Auftakt am Sonntag das Publikum heftig umjubelte.

In der laufenden Saison 2019/2020 sind es zwar nur zwei Konzerte, in der nächsten werden es dann schon fünf sein. "Maßgeschneidert" für das Publikum, wie Markus Poschner beim "historischen Moment" des ersten Konzerts der eigenen Reihe betonte. Im Mittelpunkt des Konzerts stand die Sinfonie d-moll (WAB 100), die "Nullte", von Anton Bruckner. Er hatte seinen 1864 komponierten sinfonischen Erstling zunächst wieder verworfen und annulliert, dann jedoch 1869 eine neue Fassung erarbeitet, der er selbst die Null-Nummer gab. In ihr sind bereits stilistische Eigentümlichkeiten Bruckners deutlich erkennbar. Viele Details - wie die flirrenden Streicher zum Auftakt, die wiederkehrenden pochenden Rhythmen, die strahlenden Bläser-Choräle und die für Bruckner typischen Tonfolgen - weisen bereits auf die spätere Meisterschaft hin. Es darf Markus Poschner hoch angerechnet werden, dass er diese Bruckner-Rarität in heutigen Konzertprogrammen ansetzt und auch zu diesem Premieren-Abend ausgewählt hat.

Dieser sinfonischen Wiederbegegnung vorangestellt wurden Ouvertüren von Gioacchino Rossini und Hector Berlioz sowie der Walzer "Sphärenklänge" von Josef Strauß. Für Markus Poschner - der das Programm zwischendurch erläuterte - stehen alle drei Werke symbolisch für den musikalischen Aufbruch im 19. Jahrhundert. Besonders Rossinis populäre Ouvertüre zu "Wilhelm Tell" stand dabei als Beispiel für den Einfluss italienischer Musik auf Anton Bruckner. Schon bei diesem Konzertauftakt glänzte das BOL in allen Orchesterfarben, beginnend mit dem intimen Cello-Motiv (brillant Stefan Tittgen), über das sich aufbauende und schließlich entladende Unwetter, die darauf folgende lieblich-ländliche Schalmeien- und Flöten-Melodie, bis zum finalen Bläser-Ritt. Rossinis schweizerisches Natur-Gemälde wurde vom BOL unter seinem Chefdirigenten packend ausgebreitet.

Mit Bruckners "Nullter" Sinfonie unterstrich das Orchester einmal mehr seine klangliche Kompetenz für die Sinfonien des Namensgebers. Aufbauend auf der Arbeit seines Vorgängers führt Markus Poschner seine Musikerinnen und Musiker inzwischen auf ein Niveau, das auch international bestehen kann. Noch vor der Pause gab's für das begeisterte Publikum als Zugabe die Polka schnell "Ohne Sorge" von Johann Strauß, mit der Geigerin Johanna Bohlen vom ersten Pult der zweiten Violinen als perfekte Schrill-Pfeiferin. Weil der Beifall nach dem finalen Bruckner nicht enden wollte, wurde die Pausen-Polka wiederholt.

Weltklasse-Schlagwerker Martin Grubinger hätte diese Premiere moderieren sollen, musste aber krankheitsbedingt leider absagen. Alles in allem erwies sich dieser erste Teil des eigenen Zyklus als vielversprechender Auftakt einer neuen Konzertreihe, die das Potenzial hat, der Musik und dem Orchester auch neues Publikum zuzuführen. Der zweite Abend der Bruckner-Orchester-Konzertreihe im Linzer Brucknerhaus findet am 5. März 2020 statt. Auf dem Programm steht die "Missa Universalis" der legendären heimischen Pop-Gruppe Eela Craig, unter Mitwirkung des BOL.

Quelle: APA

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