Kultur

"Elisabeth" vor Schönbrunn: Wechseljahre einer Kaiserin

Wenn eine Kaiserin zur Audienz bittet, dann lässt sie ihre Gäste bisweilen warten: Eine halbe Stunde später als geplant hoben Freitagabend die Klänge des Erfolgsmusicals "Elisabeth" im Ehrenhof von Schloss Schönbrunn an - vor einem Hofstaat von rund 11.000 Untertanen. Und diese erlebten einen semikonzertanten Abend zwischen großer Show und etwas Nostalgie.

27 Jahre nach der Uraufführung in Wien war das Kultstück des Erfolgsduos Michael Kunze und Sylvester Levay erstmals am Originalschauplatz der Handlung zu hören. Und dafür holten die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) nochmals das Liebespaar der Uraufführung 1992 vor den royalen Vorhang: Pia Douwes hat in Wien schon vor fünf Jahren beim "Besuch der alten Dame" die Titelpartie gesungen, gibt jedoch an den beiden projektierten Schönbrunn-Abenden jene Partie, die ihr einst zum Durchbruch verhalf.

An ihrer Seite steht vor der Habsburger Residenz wie einst im Theater an der Wien Kabarettist Viktor Gernot als Kaiser Franz Josef. Die beiden 54-Jährigen müssen mithin im chronologisch aufgebauten Stück auch Teenager verkörpern, was einige optische Friktionen zur Folge hat. Auch plagt sich Pia Douwes, die Grand Dame der Musicalzunft, über den Abend hinweg zusehends mit den veritablen Höhen ihrer Partie. Dafür gewinnen die Passagen des gealterten Paares Sisi und Franz Josef bei "Boote in der Nacht" in dieser Konstellation eine neue Qualität und Tiefe.

Souverän meistert auch Lukas Perman mittlerweile seinen "Rudolf", also jene Rolle, in der er 2003 bei den VBW debütierte, wo auch bereits Daniela Ziegler den Drachen der "Erzherzogin Sophie" gab. Und Mark Seibert ist mittlerweile auch schon ein erfahrener Tod, der nicht die Sense, sondern das Testosteron im Gepäck hat. Eine echte Neuentdeckung gab es indes ebenso, legte Debütant David Jakobs als Elisabeths Mörder Luigi Lucheni doch einen famosen Einstand in Wien hin.

Die Inszenierung des Musicalreigens durch Gil Mehmert ist dabei ganz auf die Projektion auf die großen Leinwände ausgelegt und zeigt die Darsteller meist in Großaufnahme. Ein Portal in der Bühnenmitte dient als Klettergerüst oder Türstock, eine Showtreppe mit Absatz als Spielfläche zwischen Schloss und Kaffeehaus. Lumpen lässt man sich an diesem Abend aber nicht. Zur Krönung wird das Paar mit einer echten Kutsche, gezogen von vier Schimmeln, gebracht, und für den Welthit "Ich gehör nur mir" tritt Komponist Sylvester Levay persönlich ans Pult des VBW-Orchesters.

Am Ende gab es Standing Ovations und schon währenddessen immer wieder Zwischenrufe der begeisterten Fans. "Elisabeth" ist mit mehr als elf Millionen Besuchern weltweit seit der Uraufführung 1992 einfach das Aushängeschild der VBW. Und so mag es nicht wundern, dass die Organisatoren von den Erfolgsaussichten einer "Elisabeth" vor Schloss Schönbrunn bereits im Vorfeld überzeugt waren: Kurz vor der Premiere gab man bekannt, dass das Musical im Juni 2020 abermals vor dem Habsburgersitz erklingen wird.

"Es gibt keine passendere Kulisse für mich als Schönbrunn, um 'Elisabeth' mit großem Orchester in Szene zu setzen und damit die internationale Erfolgsgeschichte des Stücks fortzuführen", so VBW-Musicalchef Christian Struppeck via Aussendung.

Quelle: APA

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