Kultur

EU-Vorsitz - Kulturerbe soll nach Abschluss Thema bleiben

Aus Kultursicht hat sich am Freitag das von der EU-Kommission ausgerufene Europäische Kulturerbejahr ebenso wie der österreichische EU-Ratsvorsitz langsam seinem Ende zugeneigt. Unter dem Hashtagtitel "#EuropeForCulture" fand im Wiener Austria Center der letzte Tag der offiziellen Abschlusskonferenz statt - mit dem Ziel, das Ganze nicht zu einem wirklichen Abschluss zu bringen.

"Ich hoffe, dass der 31. Dezember nicht das Ende sein wird", unterstrich EU-Kulturkommissar Tibor Navracsics zum Auftakt der Konferenz, die am Donnerstag mit einem kulturellen Mitmachparcours in der Wiener Innenstadt begonnen hatte. Man habe mit den 12.000 verschiedenen Veranstaltungen im Rahmen des Mottojahres sechs Millionen Menschen in 37 Ländern erreicht und damit auch über den Rahmen der EU-Mitglieder hinaus ausgestrahlt, so Navracsics. Und auch für die kommenden Jahre gelte: "Wir wollen den Fokus auf die Jugend beibehalten." Dazu zähle etwa die Mobilapplikation CultureGems (http://culturegems.com), mit der man der digitalen Generation das Kulturerbe näherbringen wolle.

"Wie kann man den Schwung aus dem Kulturerbejahr auch über 2018 hinaus mitnehmen?", schlug auch Österreichs Kultur- und EU-Minister Gernot Blümel (ÖVP) in dieselbe Kerbe. Man habe sich in Österreich bemüht, das Mottojahr zu nutzen, um mit 250 Projekten und 100 verschiedenen Veranstaltungen das Bewusstsein für das Kulturerbe zu stärken: "Das europäische Kulturerbe ist ein Schatz - und wir alle sind die Erben."

Ein wenig aus der Einigkeit der Erbengemeinschaft scherte indes die deutsche EU-Abgeordnete Petra Kammerevert (SPD) als Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Bildung im EU-Parlament aus. Zwar sei das Kulturerbejahr zweifelsohne ein Erfolg, und es habe sich gelohnt, dass das Parlament die anfangs widerständige Kommission von dem Vorhaben überzeugt habe. "Es hätte an der einen oder anderen Stelle aber durchaus europäischer sein dürfen", beklagte Kammerevert: "Die europäische Dimension blieb dann doch vielfach rudimentär." Es habe den Gesamteindruck paralleler nationaler Kulturerbejahre gegeben. Vielfach werde nationale Kultur eben im Widerstreit mit anderen Kulturen verstanden. Dabei gelte: "Kultur ist das, was uns in Europa unterscheidet - aber nicht das, was uns trennt."

Im Verlauf des Tages standen im Austria Center Vienna verschiedene Vorträge und Diskussionsrunden zum Kulturerbe auf dem Programm. Oxford-Professor Peter Frankopan war zum Impulsreferat zum Themenkomplex geladen und diskutierte nach seinem Vortrag unter anderen mit Kammerevert, Gerfried Stocker vom Linzer Ars Electronica Center oder Amareswar Galla vom dänischen Institute for the Inclusive Museum über die Rolle der Kultur in der Gesellschaft. Detailliertere Panels konstituierten sich anschließend um die Rolle der Jugend in der Bewahrung des Kulturerbes, aufstrebende Berufe im Feld oder nachhaltigen Kulturtourismus.

Quelle: APA

Aufgerufen am 12.12.2018 um 12:05 auf https://www.sn.at/kultur/allgemein/eu-vorsitz-kulturerbe-soll-nach-abschluss-thema-bleiben-62149966

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