Kultur

Galway und Rijeka ab 1. Februar als Kulturhauptstädte aktiv

Die Europäischen Kulturhauptstädte sind in diesem Jahr zwei Orte mit Häfen: das irische Galway und das kroatische Rijeka. Zugleich sind es Städte, die durch einen gewaltigen Strukturwandel gegangen sind, als sie im 21. Jahrhundert ankamen: Galway war einst ein kleines Fischerdorf, Rijeka eine Industrie- und Werftenmetropole. Am 1. Februar starten sie mit ihren Programmen.

Rijeka eröffnet sein Kulturhauptstadt-Jahr mit einer "Opera Industriale" im Hafenareal. Mehr als 100 Mitwirkende werden mit Musikinstrumenten, Maschinen, Glocken und Chorgesängen den Sound der Industrie wiedererwecken. Er soll sich vermischen mit dem Lärm des rebellischen Punk und Rock, wie er in Kroatien zuerst in Rijeka Fuß gefasst hat.

Das weitere Programm gruppiert sich um die Themen Wasser, Arbeit und Migration. Beim Auftritt der Rockband Compressorhead spielen Roboter live die Instrumente. Der deutsche Musiker und Konzeptkünstler Heiner Goebbels präsentiert im alten Schwimmbad von Rijeka seine Installation "The Anachronistic Bath House". Es gibt Projekte, bei denen Bewohner der Hochhäuser oder die der Dörfer in der Kvarner Bucht mitmachen.

Mit 130.000 Einwohnern ist Rijeka die drittgrößte Stadt Kroatiens und die erste Stadt des Adrialandes, die Europäische Kulturhauptstadt ist. Die prachtvollen Bauten der Altstadt atmen italienischen und österreichisch-ungarischen Flair. Eine junge Szene von Kreativen und Start-up-Pionieren verleihen ihr eine Aura urbaner Offenheit und unbeschwerter Leichtigkeit. Zugleich lässt sich nicht leugnen: die großen Umbrüche der letzten Jahrzehnte hatten ihren Preis. Jobs gingen verloren, Menschen zogen weg, die Zukunft wurde ungewiss.

Doch das Kulturhauptstadt-Jahr wird als große Chance empfunden. "Diese post-industrielle Stadt ohne klare Idee von sich selbst erfinden wir neu", meint Ivan Sarar, Kulturdezernent und Leiter der Kulturhauptstadt-Agentur Rijeka 2020. "Mit den 2020-Projekten zeichnet sich ein Zukunftsbild ab."

2.000 Kilometer Luftlinie entfernt spielen Straßenmusiker Folklore, in den Pubs fließt das Guinness in Strömen: Kaum ein Ort ist irischer als die Europäische Kulturhauptstadt Galway. Sie gilt als Hochburg der traditionellen Musik des Landes, hat eine beachtliche Kunstszene und ist vor allem bei Studenten beliebt. Weltoffenheit und kulturelle Vielfalt ziehen viele Menschen an; das Fischerdorf hat sich zu einer pulsierenden Stadt mit 80.000 Einwohnern gemausert. Sogar Popsänger Ed Sheeran widmete ihr eine folkloristisch angehauchte Hymne: den Song "Galway Girl" über ein Mädchen, das in einer irischen Band Geige spielt.

Als Kulturhauptstadt widmet sich Galway in 2.000 Veranstaltungen drei Schwerpunkten: Sprache, Landschaft und Migration. So werden Auszüge aus Homers Odyssee an Stränden vorgetragen, und am St. Patrick's Day am 17. März erstrahlen die Connemara-Berge in Grün. Es gibt sogar Workshops über Schafswolle ("Project Baa Baa"). Kurz vor dem Start des Programms am 1. Februar verlässt Großbritannien zu Mitternacht die Europäische Union - das bewegt. Galway liegt nur 160 Kilometer von der Grenze zum britischen Nordirland entfernt. Geplant ist die Installation "Borderline" (Grenzlinie) mit Beteiligten beider Länder.

Zwei Mal schon stellte Irland die Kulturhauptstadt Europas: 1991 war es Dublin und 2005 dann Cork. Doch schon jetzt ist klar: Beim schlechten Wetter dürfte Galway an der rauen Westküste kaum zu schlagen sein: "Galway ist wie Barcelona mit Regen, denn hier regnet es 240 Tage im Jahr", sagte Kreativdirektorin Helen Marriage. Sie kann dem Positives abgewinnen: Es sei der außergewöhnlichste Ort, wild und am Ende Europas mit Blick auf den Atlantik. "Amerika ist der nächste Stopp." Der Wind werde zur Eröffnung heulen und es werde regnen, sagte Marriage voraus. "Aber es wird ein großartiger Spaß."

Quelle: Apa/Dpa

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