Kultur

Gilberto Gil in der Oper: "Alles Bossa Nova!"

Lebensfreude bringt Spielfreude bringt: Lebensfreude. Dieses Erfolgsmotto verwandelte die Wiener Staatsoper am späteren Freitagabend in einen südamerikanischen Tanzsaal. Der Auslöser: Brasiliens Superstar Gilberto Gil, der den Opern-Abschnitt des JazzFest Wien flott und musikalisch souverän eröffnete.

Staatsoper wurde zum südamerikanischen Tanzsaal SN/APA/HANS PUNZ
Staatsoper wurde zum südamerikanischen Tanzsaal

Der Mann ist in der Vorwoche 77 geworden, hat an die 60 Alben veröffentlicht, war unter der Regierung Lula Kulturminister und hat eine stattliche Anzahl von Kindern, von denen gleich drei in Wien mit ihm auf der Bühne standen (Backgroundsängerin, Gitarrist und Percussionist) - wobei er die Reihenfolge der Geburten offensichtlich nicht mehr so ganz präsent hat, wie eine kleine ironische Diskussion mit seinem Nachwuchs vor Publikum zeigte. Und er tanzt zu seinen Songs, ist vokal voll präsent, spielt die akustische Gitarre virtuos und die elektrische ordentlich fetzig.

Vor zwei Jahren ging es Gilberto Gil gar nicht gut, er hatte gesundheitliche Probleme mit Nieren und Herz, wie er im ersten Teil des Abends freimütig erzählte. Die Lieder seines aktuellen Albums "Ok Ok Ok" haben daher nicht nur viel mit seiner Familie, sondern auch mit den Medizinern zu tun, denen er verdankt, dass er jetzt wieder frisch und munter auf der Bühne steht. Zu Silvester war es übrigens einmal mehr eine gigantische Bühne an der Copacabana gewesen, mit 2,5 Millionen wild feiernden Menschen rundherum.

In der ausverkauften Staatsoper gibt es zwar nur etwas mehr als 1.700 Sitz- und einige Stehplätze. Aber das verhinderte nicht, dass Spiel- und Lebensfreude aufkamen. In einer Dritten Rang-Loge wurde sogar eifrig eine brasilianische Flagge im Takt geschwenkt. Dabei begann der Musiker den Abend mit seiner aktuellen Album-Titelnummer "Ok Ok Ok", und diese ist nicht zufällig in Moll geschrieben. Die neuen Lieder sind etwas nachdenklicher, musikalisch auch kantiger, gleichwohl beeindruckend.

Je länger der Abend, desto beschwingter das Programm. Nach dem feinen, leisen "Se eu quiser falar com Deus" ("Wenn ich mit Gott reden will") wechselte Gilberto Gil auf die elektrische Gitarre und gab gemeinsam mit seiner achtköpfigen Band ordentlich Gas in Richtung Bossa Nova, aber auch Reggae. Der Brasilianer hatte ja 2002 ein Album zu Ehren seines Idols Bob Marley in Jamaika aufgenommen ("Kaya N'Gan Daya"), wo er die Musikstile beider Länder perfekt mixte.

Ganz stark: Für zwei Nummern erschien die brasilianische Vokalistin Roberta Sa samt durchdringend kräftigem Timbre auf der Bühne. Und herzig: Wenig später holte Gilberto Gil ein weiteres "Girl" als Sängerin auf die Bühne: seine Enkelin. Am Ende des Zwei-Stunden-Programms hielt es das Publikum dann nicht mehr auf den bequemen Opern-Plüschsesseln, in Parkett und auf den Rängen wurde getanzt. Der Abend war also: sehr "Ok Ok Ok".

Quelle: APA

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