Kultur

Gorillaz mit bunter Mischung beim Frequency

Der erste Tag des diesjährigen Frequency in St. Pölten ist geschlagen - jedenfalls zum Teil, denn die tanzwütige Meute erwartet natürlich noch ein reichhaltiges Programm im Night Park, das sich bis in die frühen Morgenstunden ziehen wird. Aber schon das Gebotene unter der Sonne hatte so einige Highlights, von einem heimischen Hype über mächtige Südafrikaner bis zu einer britischen Affenbande.

Die Affenbande machte Stimmung SN/APA/HERBERT P. OCZERET
Die Affenbande machte Stimmung

Immerhin lag es an den Gorillaz von Blur-Kreativkopf Damon Albarn, die ausladende Space Stage in das nächtliche Schlummern zu versetzen. Das gelang mit ziemlich viel Druck und lauten Beats. Denn obgleich die vor knapp 20 Jahren gegründete Band, die sich gleich mit dem ersten Song "Clint Eastwood" ins kollektive Gedächtnis (und natürlich die Charts) spielen konnte, eigentlich ja mit melancholischen Sounds zwischen Indie und Hip-Hop ihre ganz eigene Stellung im Business erreicht hat, gab es zuletzt ziemlich abwechslungsreiche Ausflüge in Richtung Electro und Dance.

Das man zupacken kann, bewies die vielköpfige Truppe etwa mit den früh gesetzten "Tranz" oder "Last Living Souls", geschmeidiger wurde es bei "Tomorrow Comes Today" und natürlich durften die stets im Handgepäck mitgeschmuggelten Stimmakrobaten von De La Soul nicht fehlen, etwa bei "Superfast Jellyfish". Und die Comics von Jamie Hewlett? Das Markenzeichen der Gorillaz lief eigentlich nur im Hintergrund mit, dank diverser Einspielungen und Videos. Noodles und Co, wie die fiktiven Bandmitglieder heißen, sie waren eigentlich nur Zugabe - im Mittelpunkt stand ohnehin Albarn, der sich feiern und antreiben ließ.

Selbiges hatten Die Antwoord kurz davor eigentlich nicht nötig: Der südafrikanische Act, im Kern bestehend aus den Sängern bzw. Rappern Ninja und Yolandi Visser, war an Energie an diesem Tag nicht zu überbieten - und hat wohl auch einen Anwärter auf das Konzert des Jahres abgeliefert. Mit mythischem Intro ausgestattet und ganz auf die große Geste setzend, gaben die Musiker vor dem Bühnenhintergrund einer nachgebauten Township ihr Bestes, um alle Anwesenden bis in die hintersten Reihen zu motivieren.

Unterstützt von einem DJ und zwei Tänzerinnen war das nicht weniger als eine Machtdemonstration: Die Technobeats hämmerten aus den Boxen, immer wieder wurden eingängige Melodiebögen eingestreut, dabei aber die Härte und Direktheit keineswegs zurückgeschraubt. Das exaltierte wie extravagante Auftreten von Ninja und Visser tat sein Übriges, war er doch ganz aggressiver Anpeitschter, während seine Kollegin in stets unterschiedlichem Outfit gern ins Lolita-Gehabe abdriftete und ihre Piepsstimme in die Nacht schickte. So wurde der "Ugly Boy" besungen, hieß es aus tausenden Kehlen "I Fink U Freeky" und durfte natürlich "Enter The Ninja" nicht fehlen. Eine Show mit perfekter Dramaturgie und unbarmherzigem Sound, insgesamt zur Perfektion gebracht.

Selbiges hätte man sich auf der Green Stage auch von Yung Hurn erhofft, ist der Wiener Rapper doch derzeit eine der größten heimischen Hoffnungen und ein kommerziell äußerst erfolgreicher Musikexport. Die ganz große Bühne - der Andrang war erwartungsgemäß groß - konnte er über die komplette Spielzeit aber noch nicht entsprechend bespielen. Wobei es an Bemühen und Kinkerlitzchen nicht gemangelt hat, gab es doch aufblasbare Bühnenfiguren ebenso wie reichlich Pyro-Effekte. Und wer Mittelfinger von den Fans einfordert und dazu "Fick die Polizei" skandiert, hat beim jungen Publikum sowieso ein Stein im Brett - das ändert sich wohl nie.

Dennoch waren einige Längen und Löcher im Gig nicht zu leugnen. Es regierte ganz einfach der Minimalismus in Sound und Darbietung, wobei die vereinzelten Ausflüge von Yung Hurn in die ersten Reihen geradezu frenetisch gefeiert wurden. Und ein persönliches Andenken dürften sowieso jede und jeder mitgenommen haben, geht man nach den in die Höhe gehaltenen Handys, die alle Bewegung des angehimmelten Stars verfolgten. Aber gut, Cloudrap ist nun mal das Ding der Stunde und Tracks wie "Ok Cool", "Y. Hurn, wieso?" oder natürlich das obligate "Bianco" haben einfach verdammt viel Charme und Wiedererkennungswert. Alles in allem durfte man also erfolgreich bilanzieren, auf wie vor der Bühne: Hip-Hop regiert die Frequency-Welt, in ganz unterschiedlichen Ausformungen, aber eigentlich immer spannend und kurzweilig. Bitte mehr davon!

Quelle: APA

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