Kultur

Grabungen in St. Pölten deuten auf gewaltige Anlage hin

Etwa 3.600 Individuen sind 2018 bei den archäologischen Grabungen am Domplatz in St. Pölten freigelegt und dokumentiert worden. Zudem kamen 870 Kleinfunde sowie 445 Münzen zum Vorschein, teilte Stadtarchäologe Ronald Risy am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit. Die entdeckten römerzeitlichen Gebäudereste seien Teil einer gesamten Anlage von mindestens 5.100 Quadratmetern.

In zwei Teilflächen wurden in diesem Jahr 522 Quadratmeter geöffnet, teilte das Medienservice der Stadt St. Pölten mit. Gezeigt habe sich dabei erneut, dass der Zentralbereich des Friedhofs zwischen den beiden Kirchen dichter belegt war als die Randbereiche. Die Arbeiten sind für heuer beendet, die Grabungsflächen wurden bis auf einen kleinen Streifen geschlossen.

Hinsichtlich der in den letzten Jahren immer wieder angeschnittenen römerzeitlichen Gebäudereste sei man zum Schluss gekommen, dass sie sich in Verbindung mit den bereits dokumentierten Mauerresten um einen einzigen Baukomplex handeln sollen. Dieser müsse mit einem im Norden festgestellten und als Verwaltungsanlage interpretierten Gebäudeteil in Zusammenhang stehen, hieß es in der Aussendung.

Demnach hatte die gesamte Anlage ein Privatbad, einen großen Saal mit Apside sowie einem Komplex mit Gängen, Höfen und ungewöhnlich vielen beheizten Räumlichkeiten zu bieten. Die Größe sowie die Datierung in das vierte Jahrhundert nach Christus "lassen nur den Schluss zu, dass hier der Sitz des zivilen Statthalters der Provinz Noricum ripense vor uns liegt, der bisher in Ovilava (Wels) oder in Lauriacum (Enns) lokalisiert wurde", so Risy in der Aussendung.

"Die archäologischen Grabungen am Domplatz zeigen, dass St. Pölten als Aelium Cetium in der Römerzeit eine weit größere Bedeutung gehabt haben muss als bisher angenommen. Das ist für die Geschichtsschreibung und die Identitätsfindung der Stadt eine wichtige Erkenntnis. Der Domplatz war also nicht nur die Wiege St. Pöltens, sondern des südlichen Niederösterreichs und weit darüber hinaus", sagte Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ).

Bei den diesjährigen Untersuchungen ergab sich erneut ein hoher Anteil von Kindern und Jugendlichen. Festgestellt wurden vor allem Verletzungen und Veränderungen an den Skeletten, wie sie für eine starke körperliche Arbeitsbelastung typisch sind. An den Individuen wurden zudem häufig Frakturen an den Unterarmen sowie an den Füßen und Unterschenkeln entdeckt, die laut Aussendung auf Unfälle hindeuten. Bereits im November war die 20.000ste Bestattung freigelegt worden. Die Grabungen werden noch bis mindestens Ende 2019 dauern.

Quelle: APA

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