Kultur

Helnwein will mit Werk am Wiener Ringturm aufrütteln

Ein Mädchen nimmt mit einem Maschinengewehr den Donaukanal ins Visier, daneben brennt eine Stadt lichterloh - die diesjährige Verhüllung des Wiener Ringturms durch den österreicherischen Maler Gottfried Helnwein sorgt für Aufsehen und polarisiert. "Ich wollte zeigen, in welcher Welt wir leben", erklärte Helnwein seine Intention.

Der Künstler erzählte am Freitagabend bei einem sogenannten Instawalk, ein Rundgang, bei dem zu einem bestimmten Thema Fotos für die Online-Plattform Instagram geknipst werden, warum er sich für das Motiv entschied. "Jede Woche erschießen Kinder in Amerika andere Kinder. Ich wollte zeigen, dass Kinder gezwungen werden, Waffen zu tragen, dass wir in einer Welt leben, die kurz vor dem Ausbruch eines Krieges steht."

Die Veranstaltung wurde von der Wiener Städtischen Versicherung organisiert, die den Maler für die diesjährige Verhüllung ihrer Konzernzentrale engagierte. Auf dem Werk mit dem Titel "I saw this" ist ein Mädchen zu sehen, das mit einem Maschinengewehr in Richtung Donaukanal zielt. Auf der der Innenstadt zugewandten Gebäudeseite wird nach der Fertigstellung kommende Woche eine brennende Stadt zu sehen sein. Insgesamt wurden dann auf einer Fläche von rund 4.000 Quadratmetern 30 bedruckte Netzbahnen mit je rund drei Metern Breite und bis zu 63 Metern länge montiert.

Die Aufschrift "I saw this" beziehe sich auf eine Radierung des spanischen Malers Francisco de Goya, der die Gräuel des Krieges gezeichnet habe, erklärte Helnwein. "Es war das erste Mal in der Kunstgeschichte, dass jemand den Krieg als das dargestellt hat, was er ist, nämlich der komplette Wahnsinn." Derzeit herrsche weltweit eine Propaganda, dass man Krieg gegen Russland führen müsse. "Nach zwei Weltkriegen haben die Menschen offenbar nicht genug gelernt. Der nächste Krieg wäre möglicherweise der letzte", meinte er.

Er wollte etwas machen, das die Politiker auffordert, sich zu überlegen, was für eine Verpflichtung sie haben, sagte Helnwein. "Ich meine, es ist Aufgabe eines Künstlers und jedes anderen Staatsbürgers, seine Stimme gegen den Krieg zu erheben", betonte er. "Die Neutralität ist für Österreich eine Riesenchance. Es kann eine Brücke zwischen Ost und West sein."

Zu seinem Erstaunen erlebe er hauptsächlich positive Reaktionen, erzählte der Maler. "Viele haben mir gesagt: Zum ersten Mal sehe ich, dass da Kunst auf dem Gebäude ist. Es fällt auf."

Quelle: APA

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