Kultur

Historische Schnitzeljagd im Linzer Kunstmuseum Lentos

Mit einer Foto-Schau rund um das Jahr 1938 beendet das Linzer Kunstmuseum Lentos seinen Ausstellungsreigen zum Gedenkjahr 2018. Die Künstlerin Tatiana Lecomte verlangt darin von den Besuchern, die Geschichte selbst aufzuarbeiten. Das Konzept ist spannend, aber alles andere als niederschwellig. Die Ausstellung wurde gemeinsam mit der Neuhängung der Sammlung am Donnerstag präsentiert.

Die Ausstellung wurde mit der Neuhängung der Sammlung präsentiert SN/APA (Archiv)/BARBARA GINDL
Die Ausstellung wurde mit der Neuhängung der Sammlung präsentiert

"Anschluss" heißt die Ausstellung in den zwei Räumen im Untergeschoß des Museums. Tatiana Lecomte stellt darin bis 6. Jänner Fotos aus der NS-Zeit einander kontrastierend gegenüber - beispielsweise die Todesstiege im KZ Mauthausen und ein Foto nationalsozialistischer Propaganda in einem Stiegenhaus. Um das zu erfahren, muss man sich aber selbst anstrengen, denn die Künstlerin schickt die Besucher auf eine historische Schnitzeljagd. "Es soll Arbeit dabei sein", meint sie.

Das Prinzip: In einem Raum zeigt Lecomte die Tafeln mit den Schwarz-Weiß-Fotos - z.B. ein pompöses Hotelzimmer - allerdings ohne jede Beschriftung. Im zweiten Saal sind spiegelgleich Plakate angebracht, auf denen wiederum nur die Legende zu finden ist - im Falle des Zimmers etwa "Hotel Weinzinger". Die Idee dahinter: Der Besucher soll zuerst die Bilder auf sich wirken lassen, sich Gedanken dazu machen und dann nachsehen, um welches Motiv es sich handelt. Allerdings: Genauere Hintergründe erfährt man nicht - also z.B., dass Hitler im Hotel Weinzinger wohnte, als er in Linz den "Anschluss" ans Deutsche Reich verkündete. Sie habe das zu Beginn ihrer Arbeit selbst nicht gewusst, räumt die Künstlerin freimütig ein. Auf eine Erklärung verzichte sie dennoch, denn man müsse nicht alles wissen und könne sich das bei Interesse auch selbst erarbeiten, so ihr Ansatz.

Im Obergeschoß ist - wie "Anschluss" ab 19. Oktober - die Neuhängung der Sammlung zu sehen, die erste unter der neuen Direktorin Hemma Schmutz. Sie hat sich für eine chronologische Anordnung entschieden, beginnend mit dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Besonders wichtig war Schmutz, dass man auch einen Saal den 1940er Jahren widmet, in dem Propaganda- und "entartete" Kunst einander gegenübergestellt werden.

Quelle: APA

Aufgerufen am 19.11.2018 um 06:03 auf https://www.sn.at/kultur/allgemein/historische-schnitzeljagd-im-linzer-kunstmuseum-lentos-47455261

Kommentare

Schlagzeilen