Kultur

Hörspiel-Nostalgiemaschine "Die drei ???" live in Wien

40 Jahre nach Erscheinen der ersten Hörspielfolge sind "Die drei ???" wieder auf Livetournee, die Sprecher von Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews sind dabei dieselben wie am ersten Tag. In Deutschland sind bis zu 20.000 Fans pro Show dabei, wenn die drei Mittfünfziger in ihren Rollen als Junior-Detektive den neuesten Fall lösen. Am Sonntag (23. Februar) gastieren sie im Wiener Konzerthaus.

"Die drei ???" sind nach wie vor auch als MC erhältlich SN/APA (dpa)/Wolfram Kastl
"Die drei ???" sind nach wie vor auch als MC erhältlich

Schon zum fünften Mal gehen die Sprecher Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich auf Livetournee, bei früheren Produktionen haben sie mehrfach Rekorde für die meisten Zuschauer bei einem Livehörspiel aufgestellt. Dabei setzen die drei - alle sind seit Langem als Synchron- und Hörbuchsprecher erfolgreich - neben einem Erzähler und Geräuschemacher auch auf eine Multimediashow mit gehörig Körpereinsatz und Humor. Vom Publikum werden sie dafür umjubelt wie Popstars.

Dementsprechend ist auch der Andrang: Die Termine der Jubiläumstour "Die drei ??? und der dunkle Taipan" waren trotz Veranstaltungsorten wie der Münchner Olympiahalle prompt ausverkauft. Die elf Zusatzshows führen sie erstmals neben der Schweiz auch nach Wien, die Nachfrage war laut Veranstalter Hoanzl "sehr groß".

Eigentlich sind die Abenteuer der drei Detektive aus dem fiktiven kalifornischen Städtchen Rocky Beach auf die Altersgruppe der Neun- bis 13-Jährigen zugeschnitten. Ihren Erfolg verdanken sie aber dem Überwinden der Generationengrenzen: Mehr als 50 Millionen Tonträger wurden seit 1979 von den "Drei ???" verkauft, in Österreich würden die im Zweimonatstakt erscheinenden neuen Folgen mit ihren Hörerzahlen damit laut Sony Music Austria regelmäßig in den Top-Ten der österreichischen Albencharts landen. Nur die Hälfte der Hörer in Deutschland sind Kinder, auch in Österreich ist die erwachsene "Drei ???"-Community laut Sony Music Austria "unfassbar groß".

Im Publikum der Livetourneen tummeln sich deshalb neben Kindern und Teenagern auch viele "Kassettenkinder", die in den 1980ern mit den frühen "Drei ???"-Geschichten aufgewachsen sind und der Hörspielreihe um unerklärliche Phänomene, spektakuläre Diebstähle und rätselhafte Entführungen über die Jahrzehnte die Treue gehalten haben. Ein Teil kauft die neuen Abenteuer - gerade ist mit "Tauchgang ins Ungewisse" Folge 203 rausgekommen - immer noch auf Musikkassette, 8.000 bis 10.000 MCs werden pro Neuerscheinung verkauft.

Viel wurde anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums über das Erfolgsgeheimnis der Serie spekuliert, für ihre Macher hat es viel mit Sehnsucht zu tun: Mit den "Drei ???" können Erwachsene die Nostalgiemaschine anwerfen, es ist eine Zeitreise in eine Kindheit ohne Verpflichtungen. Viele Fans nutzen sie heute noch als Einschlafhilfe, von so mancher Folge haben sie das Ende noch nie gehört. Während die einen abends mit Kiffen, Alkohol oder Baldrian runterkommen, würden eben andere "Die drei ???" hören, meint Andreas Fröhlich, der die Rolle des Bob spricht. "Es ist die heile Welt. Und in einer nicht so heilen Welt ist das genau das Richtige."

Denn während Sprecher und Hörer seit dem Erscheinen des ersten Falls "Die drei ??? und der Superpapagei" am 12. Oktober 1979 deutlich gealtert sind, ist in Rocky Beach die Zeit fast stehen geblieben. Die Juniordetektive sind seltsam alterslos und irgendwo in den späten Teeniejahren stehengeblieben. Statt per Fahrrad werden Bösewichte jetzt eben mit dem Auto verfolgt, die berüchtigte Telefonlawine wurde zur E-Mail-Lawine und für Recherchen bemüht Bob nun neben Bibliothek und Zeitungsarchiv auch das Internet.

Die Welt der "Drei Fragezeichen" ist voller Konstanten, vielleicht sogar ein wenig altbacken: Justus ist noch immer ein pummeliger Klugscheißer, Peter die ängstliche Sportkanone, Rechercheprofi Bob ist der Besonnene, der gut bei Mädchen ankommt und immer wieder eins auf Nase bekommt. Auch Stammpersonal wie Justus' Onkel Titus und Tante Mathilda, Erzfeind Skinny Norris oder Polizeiinspektor Cotta kennt man seit Jahrzehnten, zum Teil auch deren Sprecher. Jede Folge hat ihre wiederkehrenden Elemente, vom seit Folge 1 bekannten Motto auf der Visitenkarte - "Wir lösen jeden Fall!" - bis zum kollektiven Gelächter zum Schluss. Dabei bieten die "Drei ???" immer Grusel mit Sicherheitsnetz. Hier gibt es keine Leichen und kein Blut, wie übermächtig und bösartig der Gegner auch sein mag. Am Ende ist alles gut, Tante Mathilda serviert Kirschkuchen, Abschlusslacher, Gute Nacht.

Mittlerweile ist rund um die Hörspiele ein ganzes Universum entstanden: Die neuen Folgen werden bei Record Release Partys vorgestellt, es gibt Smartphone-Apps, die Merchandise-Palette reicht von der Agentenbrille über Shirts und Bettwäsche bis zum Waffeleisen, das drei Fragezeichen in den Teig prägt. Die Fanliebe kennt kaum Grenzen, wie Oliver Rohrbeck, Sprecher des ersten Detektivs Justus Jonas, dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" erzählt hat. Neben Blindenstöcken, Rollstühlen und Babystramplern habe er sein Autogramm auch schon auf die Wade eines Fans gesetzt, der Mann habe die Unterschrift danach tätowieren lassen. "Verrückt, oder?"

(S E R V I C E - https://konzerthaus.at/konzert/eventid/56649)

Quelle: APA

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