Kultur

Hundertwasser-Schau zum Kennenlernen am Bodensee

Hundertwasser in seiner ganzen Vielfalt - das bietet das Kunstmuseum am Inselbahnhof in Lindau am Bodensee (Bayern) von 6. April bis 26. September in seiner Sonderausstellung "Friedensreich Hundertwasser - Traumfänger einer schöneren Welt". In den neu gestalteten Räumlichkeiten im alten Postgebäude sind über 60 Grafiken, Architekturentwürfe und Gemälde des Universalkünstlers zu sehen.

Rund 80 Prozent der gezeigten Werke stammen von der Hunderwasser Stiftung in Wien, so Alexander Warmbrunn, Kulturamtsleiter der Stadt Lindau, am Donnerstag vor Journalisten. Einige der Werke seien erstmals außerhalb Wiens zu sehen. Man wolle sich mit der "Retrospektive im Kleinstformat" von anderen Hundertwasser-Ausstellungen abheben und zu einer Auseinandersetzung mit dem Künstler anregen, der zu häufig als bunter Illustrator verkannt werde. Es zeige sich, dass Hundertwasser gerade in den 1950er- und 1960er-Jahren ein herausragender Avantgardist und großer Kunsttheoretiker war, so Warmbrunn.

Die Schau beginnt mit der Biografie und der Natur und Ökologie zugewandten Philosophie des 1928 geborenen, vielseitigen Künstlers, der im Jahr 2000 einem Herzinfarkt erlag. Fotos zeigen den Weltbürger, der für seine Arbeiten häufig Werkstoffe recycelte, in seinem "Bottlehouse" in Neuseeland. Neben seinen Grafiken, in denen er mit Techniken experimentierte, sich mit der japanischen Kunst auseinandersetzte und seine eigene Formensprache entwickelte, sind Hundertwassers architektonische Entwürfe zu sehen. Darin formulierte er seine Kritik an der monotonen Nachkriegsbaukunst und entwarf begrünte Dächer, runde Formen, Humustoiletten und unterirdisch geführte Straßen.

In seinen Malereien, die wie Pflanzen organisch wachsend entstanden, zeigt sich der Farbkünstler Hundertwasser, der sich früh und intensiv mit Farbtheorien beschäftigte. Dank des vom Vorarlberger Leuchtenkonzern Zumtobel entwickelten Lichtsystems entfalten die Werke in den abgedunkelten Räumen in Lindau eine besondere Leuchtkraft. "Es ist eine Gelegenheit, Hundertwasser als bildenden Künstler wiederzuentdecken", so der renommierte Kunsthistoriker Robert Fleck, der das Entstehen der Ausstellung begleitete. Die Polemiken des streitbaren ökologischen Vordenkers hätten häufig sein Werk überdeckt. Kaum in einer Schau habe man den Künstler bisher in so konzentrierter Form erleben können, betonte Fleck, der derzeit für das Wiener Leopold-Museum eine Schau zu Hundertwassers Auseinandersetzung mit Egon Schiele vorbereitet.

Hundertwasser habe viel Einfluss auf die Präsentation seiner Werke ausgeübt, so Fleck. So sind die originalgerahmten Arbeiten recht tief gehängt, um auch Kindern den Zugang zu ermöglichen. Abgerundet wird die Schau mit der 1973 für den Oscar nominierten Dokumentation von Peter Schamoni über den Künstler. Gerhad Ecker, Oberbürgermeister der Stadt Lindau, zeigte sich am Donnerstag dankbar, "dass die Hundertwasser-Preziosen nach Lindau gegeben wurden". Man rechne mit mehr als 50.000 Besuchern.

Quelle: APA

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