Kultur

Kein Selbstläufer: "Der Zigeunerbaron" im Stadttheater Baden

Im Stadttheater der Bühne Baden ist am Samstagabend mit der Operette "Der Zigeunerbaron" von Johann Strauß die letzte Produktion des Jahres zur Premiere gelangt. Ein Selbstläufer, sollte man meinen. Weit gefehlt - Volker Wahl und Michaela Ronzoni haben sich mit dieser halbherzigen Inszenierung offenbar ziemlich abgeplagt.

Eine Schattenspiel-Choreografie begleitet die Ouvertüre. Was folgt, ist leider auch nur noch der Schatten dieses populären Werks, das vom Regie-Duo eingestandener Weise als in vielen Details problematisch gesehen wird. Da gilt es dann, all die aus heutiger Sicht unkorrekten Elemente zu korrigieren oder zumindest zu kommentieren, mittels moralisierender Zwischentexte etwa oder eben eines weiteren tänzerischen Schattenspiels, das dem tumben Publikum demonstrieren soll, dass "Werben für den Krieg gleichsam Werben für den Tod" sei. Wer das nicht kapiert hat, dem ist doch sowieso nicht zu helfen.

Immerhin, so wird im Programmheft versichert, sei das "zeitlos Schöne" am "Zigeunerbaron" - und da können die Nachkommen der Sittenkommission endlich aufatmen - "die Hoffnung auf Anerkennung ausgegrenzter Minderheiten". Doch auch die Zigeuner, "die wir weiter so nennen, weil der Begriff zur Entstehungszeit noch nicht politisch unkorrekt war" (also kein Roma-Baron in Baden), werden nicht nur als "intuitiv und herzlich, wild und romantisch, frei und solidarisch" romantisiert, sondern zwischendurch auch als aufdringliche Bettler konterkariert.

Als Fantasy-Geschichte sollte die Story gesehen werden, meinen Wahl und Ronzoni, speziell Sandor Barinkay - verkörpert durch Sebastian Reinthaller - sei eine Art "Indiana Jones des Rokoko". Das erklärt eventuell auch die seltsame Ausstattung (Stefanie Stuhldreier): Der Schweinezüchter Zsupan (ziemlich hölzern: Sebastien Soules) haust mit seiner Mischpoke offenbar im Stelzenhaus einer Badesiedlung in den ungarischen Sümpfen, die Kostüme sind von erlesener Geschmacklosigkeit, die üppigen Perücken sind so hässlich wie unpraktisch - zum Beispiel, wenn Barinkay seiner Saffi (Regina Riel, in der Höhe etwas dünn bei Stimme) ein Geschmeide anlegen will -, und zu "Wer uns getraut" senkt sich allen Ernstes eine Discokugel herab.

Kein Wunder, wenn nicht nur Reinthaller etwas hilf- und ratlos inmitten der nicht immer nachvollziehbaren, manchmal auch schlicht unter artikulatorischer Undeutlichkeit leidenden Handlung wirkt. Man erlebt kaum emotionale Vorgänge, sinnliche Situationen, zwischenmenschliche Momente. Nur Bea Robein als Czipra überzeugt mit Selbstbewusstsein. Sonst viel linkisches Rampentheater. Fazit: Besser Finger weg von einem Stück, mit dem man nichts anzufangen weiß, außer es correctnessgemäß adaptieren zu wollen.

(S E R V I C E - Bühne Baden, Stadttheater: Johann Strauß, "Der Zigeunerbaron". Regie: Volker Wahl und Michaela Ronzoni, musikalische Leitung: Franz Josef Breznik. U.a. mit Sebastian Reinthaller, Regina Riel, Bea Robein, Sebastien Soules, Thomas Weinhappel. Weitere Vorstellungen bis 31. Jänner 2019, Gastspiel im Festspielhaus St. Pölten am 14. März 2019. Tickets und Information: Tel. 02252/22522, www.buehnebaden.at)

Quelle: APA

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