Kultur

Liederabend mit Matthias Goerne bei Salzburger Festspielen

"Da lauschen alle Herzen", dichtete Joseph von Eichendorff, und Robert Schumann goss die Zeile in ein Lied. Am Montagabend erklang sie im Haus für Mozart bei den Salzburger Festspielen - in einem Liederabend von Matthias Goerne. Mitten im Festspieltreiben erinnerte der Bariton - mit dem Festspielintendanten selbst als Klavierbegleiter - daran, worum es beim Musikmachen eigentlich geht.

Der Vers endet im Reim freilich auf "Schmerzen", steht doch ein reines Schumann-Programm ganz im Zeichen von Liebesleid und Todessehnsucht, von fremd und vergänglich sein, und nicht zufällig fühlte sich Schumann zur literarisch höchst sensiblen Tonsetzung vor allem durch melancholische Gedichte eines Lenau, Eichendorff, Chamisso oder Goethe inspiriert.

Aber es geht weniger um das trauerumwitterte, neblige Lebensgefühl der Romantiker, das Schumann mit größter melodischer Zartheit nachzeichnet, als um die Qualität der Mittel, mit denen der Komponist, vor allem aber der Interpret zur innigen Weitergabe an sein Publikum schreitet.

Er könne, schrieb Schumann an seine damals noch Verlobte, Clara, gar nicht sagen, wie glücklich ihn das Schreiben für die Singstimme mache. "Es ist doch eine ganz andere Musik, die nicht erst durch die Finger getragen wird - viel unmittelbarer und melodiöser." Diese Unmittelbarkeit herzustellen im Haus für Mozart mit seinen rund 1.500 gut gefüllten Plätzen, sie Nuance für Nuance auszukosten und freimütig Geschichten in unendlich vielen Zwischentönen zu erzählen - das ist die Kunst, die im Herzen eines solchen sechswöchigen Musikfestivals liegt.

Goernes voluminöser Bariton, als Sarastro in der heurigen Festspiel-"Zauberflöte" der tiefen Basspartie nicht gewachsen, ist in seiner mittleren Lage ein faszinierendes Spektrum der Farben und Übergänge, die Goerne mit Virtuosität und Geschmeidigkeit zu platzieren weiß. Zwischen den anmutigen Lenau-Stanzen und den melodramatischen Gedichten der Maria Stuart wandelt er sich von der Sensibilität eines Künstlers am schmalen Grat von Weitsicht und Labilität über den leise und laut polternden Märchenonkel zur schicksalsergebenen Königlichkeit einzig mit einem Tupfer seiner stimmlichen Aquarelltechnik.

Sein Partner am Klavier ist wie so oft der Salzburger Festspielintendant Markus Hinterhäuser. Gemeinsam tourte man mit der "Winterreise" um die Welt, die man im Trio mit William Kentridge für die Festwochen erarbeitet hatte. Im Vorjahr hat man das gemeinsame Schumann-Programm auf CD aufgenommen.

Hinterhäuser, der bereits zu Festivalbeginn beim Ustwolskaja-Schwerpunkt als Pianist aufgetreten ist, gibt sich als Liedbegleiter zurückhaltend, aber bereit zu romantischem Aufflackern. Dass er sich, ein wenig über der Festivalmitte, in den Dienst dieser puristischen Liedkunst stellt, ist auch eine Bürgschaft für die Festspiele als solche. Dass sie wissen um die Keimzelle der musikalischen Qualität - und wo sie zu finden ist.

Quelle: APA

Aufgerufen am 17.12.2018 um 06:46 auf https://www.sn.at/kultur/allgemein/liederabend-mit-matthias-goerne-bei-salzburger-festspielen-38773192

Schlagzeilen