Kultur

Österreichische Stücke bei den Mülheimer Theatertagen

Das Stück "Bookpink" von Caren Jeß in der Uraufführungsinszenierung von Anja Michaela Wohlfahrt am Schauspielhaus Graz und Ewald Palmetshofers Drama "Die Verlorenen", von Nora Schlocker am Münchner Residenztheater uraufgeführt, sind zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Diese präsentieren heuer erstmals acht anstatt wie üblich sieben neue Stücke.

Schriftzug vom Theater an der Ruhr in Mühlheim SN/APA (dpa)/Roland Weihrauch
Schriftzug vom Theater an der Ruhr in Mühlheim

"Wir haben es mit einem hitverdächtig starken Jahrgang zu tun. Wir hätten von der Qualität her wirklich noch vier, fünf Stücke mehr einladen können", sagte die Sprecherin des Auswahlgremiums, Christine Dössel, am Dienstag in Mülheim. "Das Drama lebt und ist reger denn je", meinte sie. Insgesamt nahm das aus fünf Kritikern bestehende Auswahlgremium 110 Theatertexte, die zwischen Februar 2019 und Februar 2020 uraufgeführt wurden, näher unter die Lupe. Am Ende der Theatertage (16. Mai bis 6. Juni) bestimmt eine Jury in einer öffentlichen Debatte, welcher Autor den mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis erhält.

Um den Preis rittern auch Thomas Melles "Ode" vom Deutschen Theater Berlin und der als Sohn koreanischer Eltern in Berlin geborene Bonn Park mit seiner Horrorgroteske "Das Deutschland". In dem von ihm selbst am ETA Hoffmann Theater Bamberg inszenierten Stück geht es ums Deutschsein. "Liebe - Eine argumentative Übung" der in Berlin lebenden Israelin Sivan Ben Yishai sei ein "Stück feministischer Selbsterkundung", in dem es um weiblichen Sex gehe, sagte Dössel. Falk Richter wurde mit seiner eigenen Uraufführungsinszenierung von "In My Room" (Gorki Theater) eingeladen, Kevin Rittberger mit "IKI. radikalmensch" (Theater Osnabrück) sowie Felicia Zeller mit "Der Fiskus" (Staatstheater Braunschweig).

"Schwarzwasser" von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, deren Stücke in Mülheim bereits 20 Mal dabei waren, wurde nicht eingeladen. "Nicht weil es ein schwaches Stück wäre", sagte Dössel. Man habe aber neuen, jungen Stimmen den Vorrang gegeben. Hauptthemen der gesichteten Stücke seien Klimawandel, Künstliche Intelligenz, die Geschlechterbeziehung sowie "DerDieDasFremde", sagte Dössel. Viele Stücke befassten sich auch mit Themen wie Demokratiekrise, Neue Rechte oder der Kluft zwischen Arm und Reich. Dössel stellte ein "ungemein breites Spektrum" fest. Es zeige, "wie rege und nah am Puls der Zeit das zeitgenössische Drama ist".

Bereits zum elften Mal gibt es in diesem Jahr parallel auch einen "KinderStücke"-Wettbewerb. Eingeladen sind Anah Filou ("Am Hafen mit Vogel", Hessisches Landestheater Marburg), Finn-Ole Heinrich und Dita Zipfel ("Zonka und Schlurch", Junge Württembergische Landesbühne Esslingen), Tina Müller ("Schokolade", Theater Fallalpha, Zürich), Jens Raschke ("Wer nicht träumt, ist selbst ein Traum", Theater an der Rott, Eggenfelden) und der österreichische Autor, Regisseur und Schauspieler Holger Schober ("Familie auf Bestellung", Junges Nationaltheater Mannheim). Der Gewinner erhält dort ebenfalls 15.000 Euro.

Quelle: Apa/Dpa

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