Kultur

Österreichischer Jazzmusiker Karlheinz Miklin gestorben

Der österreichische Saxofonist, Komponist und Jazzpädagoge, Karlheinz Miklin, ist tot. Der aus Kärnten gebürtige und seit Jahrzehnten in Graz lebende Jazzmusiker ist am Samstag im Alter von 72 Jahren verstorben, wie die "Kleine Zeitung" berichtete. Miklin leitete von 1983 bis 2000 die Jazzabteilung der Grazer Kunstuniversität.

Der Ruf von Graz als Jazzstadt ist untrennbar mit dem Namen Karlheinz Miklin verbunden. Kulturlandesrat Christopher Drexler (ÖVP) zeigte sich gegenüber der APA vom Ableben des Künstlers tief betroffen und würdigte das Lebenswerk und die Verdienste des herausragenden Künstlers für das Kulturland Steiermark, für das er "unschätzbar Wertvolles" geleistet habe: "Er war einer, der vorausgegangen ist und stets Neues versucht hat. Er beschränkte sich nicht auf die theoretische Wissensvermittlung als Lehrender an der Kunstuniversität Graz, sondern war Zeit seines Wirkens praktizierendes Vorbild und inspirierender Ideengeber auf den Bühnen weit über Österreich hinaus", so Drexler in einer ersten Reaktion.

Von 1983 bis 2000 leitete Miklin als einer der führende Jazzmusiker Österreichs die Jazzabteilung der Grazer Kunstuniversität. Mit zahlreichen internationalen Aktivitäten, unter anderen der legendären Reihe "Graz Meeting", bei der internationale Starsolisten und Dozenten in Graz zu Gast waren, verschaffte er der Abteilung internationales Ansehen und öffnete die Kunstuniversität musikalisch und didaktisch. Er spielte mit Art Farmer, Slide Hampton, Mark Murphy sowie Bosko Petrovic und holte Sheila Jordan oder Jay Clayton, um in seiner Klasse für "Jazz Vocals" zu unterrichten.

Miklin wurde am 3. November 1946 in Klagenfurt geboren, wuchs in Bleiburg in einem musikalischen Umfeld auf und besuchte das Konservatorium in Klagenfurt. Vor seinem eigentlichen Musikstudium (Saxofon-Jazz) an der heutigen Kunstuniversität Graz studierte Miklin Geschichte und Germanistik an der Universität Graz. Dem Abschluss mit Auszeichnung im Jahr 1975 folgte unmittelbar der Würdigungspreis des Wissenschaftsministeriums. Seine Dissertation in Geschichte brach er ab, um mit einer argentinischen Jazzgruppe auf Tour zu gehen. Daneben lehrte er als Gast u.a. in Boston, Seattle, Santiago de Chile und London. In Solokonzerten sowie als Gastmusiker trat er mit der ORF Big Band und der KUG Big Band auf.

Im Jahr 1975 erhielt Miklin den ersten Lehrauftrag an seiner ehemaligen Ausbildungsstätte. Von 1983 bis 2000 leitete er dort die Jazzabteilung. 1978 gründete er das legendäre Karlheinz Miklin Trio. 1984 startete er die erste von zahlreichen Touren mit dem - später fallweise zu einem Quarteto bzw. Quinteto erweiterten - Trio Argentina, das bei zahlreichen Jazzfestivals auf der ganzen Welt Konzertauftritte hatte. Er erarbeitete sich einen stark von der lateinamerikanischen Musik beeinflussten persönlichen Spielstil, der Latin-Elemente mit Bebop- und Avantgarde-Einflüssen, aber auch mit Einflüssen europäischer volksmusikalischer Tradition vermengt.

1993 holte Miklin den Weltgipfel der International Association of Schools of Jazz (IASJ) nach Graz, einer Vereinigung, zu deren Präsidenten er 2004 gewählt wurde. Unter seinen Auszeichnungen ist neben dem Großen Josef Krainer Preis und dem Großen Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark vor allem der Karl-Böhm-Interpretationspreis zu erwähnen, den Karlheinz Miklin 2009 als erster Jazzmusiker erhielt. Am Grazer Jazzinstitut unterrichtete er auch nach seinem Rückzug aus der Leitungsfunktion bis ins Jahr 2015. Im selben Jahr wurde der Saxofonist vom deutschen Journal "jazzthing" in die Liste der "European Jazz Legends" aufgenommen und porträtiert.

Miklin verstarb Samstagmittag an seinem zweiten Schlaganfall. Im Herbst wollte er mit seiner zweiten neuen Band mit dem Posaunisten Luis Bonilla debütieren. Auch der Kärntner Kulturreferent und Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ), drückte Miklins Angehörigen und Wegbegleitern seine tiefe Anteilnahme aus. Kärnten habe einen die Menschen begeisternden Kulturbotschafter verloren.

Quelle: APA

MEHR KULTUR. MEHR WISSEN. AUS SALZBURG.

Praktisch. Einfach. Informativ. Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Kultur-Newsletter der „Salzburger Nachrichten“.

Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 22.11.2019 um 04:15 auf https://www.sn.at/kultur/allgemein/oesterreichischer-jazzmusiker-karlheinz-miklin-gestorben-71806012

Kommentare

Schlagzeilen