Kultur

Oltay schuf kraftvolles Gegenwarts-Fresko in Linz

Der Linzer Maler Robert Oltay hat in der Lösehalle der Tabakfabrik in Linz ein rund 30 Quadratmeter großes Fresko geschaffen. War die Freskenmalerei in der Antike und darüber hinaus sehr beliebt und gibt es weltberühmte Exemplare wie Michelangelos Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle, ist so ein Auftrag heutzutage eher selten geworden. Ein Grund für den Künstler, ihn gleich anzunehmen.

Robert Oltay schuf ein 30 Quadratmeter großes Fresko SN/APA (TABAKFABRIK LINZ)/VIOLETTA
Robert Oltay schuf ein 30 Quadratmeter großes Fresko

"Die Demut vor der denkmalgeschützten Halle war groß", erinnert er sich im Gespräch mit der APA. Die 1.800 Quadratmeter große Lösehalle, in der früher Frauen Tabakblätter für die Zigarettenproduktion aus den Ballen lösten, ist Teil der nach Plänen der Architekten Peter Behrens und Alexander Popp entstandenen Tabakfabrik. Die Zigarettenproduktion wurde 2009 eingestellt und das Areal von der Stadt Linz gekauft. Nun beherbergt es das VALIE EXPORT Center, Teile der Kunstuni, mehrere Firmen und Büros mit Schwerpunkt Kreativwirtschaft und Start-up, auch diverse Veranstaltungen finden - vor allem in der Lösehalle - statt.

Robert Oltay hatte den Entwurf für sein Fresko bereits fertig, als das Coronavirus kam und er alles noch einmal umschmiss, um die aktuelle Situation einzubauen. Denn seine Aufgabe war, unsere Gegenwart abzubilden. Deswegen ist nun eine Laborantin zu sehen, die in eine Glovebox greift, gibt es eine engelsähnliche Figur "Respiration" und eine Figur "Respiratory Protection" mit Mund-Nasenschutz. Der gebürtige Aachener thematisiert auch Ökologie und Umweltverschmutzung, die Plastikflut in den Meeren. "Mein Appell wäre, sorgsamer mit Ressourcen umzugehen, auch mit den menschlichen." Er brachte in der recht persönlich gehaltenen, realistisch-surrealistischen Ansicht Fabelwesen, auf Aktienkurven starrende Menschen, einen "Pool" an Leuten, ein Kraftwerk und eine Innenansicht der Fabrik unter, auch eine winzige Signatur fügte er ein.

"Insgesamt neun größere und über 50 kleinere Figuren" seien in Acrylfarben abgebildet. Das Gemälde ist über zwölf Meter lang, reicht um eine Ecke und mit 5,45 Metern Höhe bis unter die Decke. "Durch die Ecke wird es dreidimensional und die Lüftungsrohre einzubauen, war schon fordernd, aber es passt zur Fabrik", sagte der 59-Jährige. An der großen Dimension sei er gewachsen. Rund einen Monat arbeitete der Maler an dem Werk "fast rund um die Uhr", denn in Coronazeiten war die Lösehalle für keine Veranstaltung gebucht und er konnte seine Utensilien stehen lassen. Um überall hinzureichen malte Oltay teilweise auf einem Hubwagen. Er legte Wert darauf, dass Pinselstriche zu erkennen bleiben und bemühte sich, eine Balance zwischen Farbe und Weiß zu finden.

Oltay versteht sein in kraftvollen Farben strahlendes Gegenwartsbildnis als Kontrapunkt zu dem 1935 entstandenen "Trachtenpärchen" von Herbert Dimmel, das auf der Wand dahinter versetzt zu sehen ist. Seine Hündin baute Oltay quasi als Beschützerin in das Gemälde ein, sie blickt hinüber auf das in gedeckten Farben gehaltene Fresko mit dem Paar, einer Arbeiterin, einer Ansicht der Fabrik von außen und einer Stadtansicht von Linz im Ziffernblatt der oben mittig platzierten Uhr.

Wenn sein zweites Fresko fertig ist, bespielt ein Triptychon aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft die Wände der Lösehalle. Ab Ende September will Oltay seine Vision von einer harmonischen Zukunft auf die der "Gegenwart" gegenüberliegende Ecke in der großen Halle bringen. "Es wird in einem ähnlichen Stil sein wie die Gegenwart, aber mehr in Balance, eine Symbiose von Umwelt und Mensch", gab er eine Vorschau auf das Gemälde.

Quelle: APA

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