Kultur

Operndirigent wettert gegen Operndirektor

Franz Welser-Möst kritisiert Niedergang der Wiener Staatsoper.

Der ehemalige Staatsopern-Direktor Dominique Meyer (links) möchte die „Schmutzwäsche“ mit Dirigent Franz Welser-Möst (rechts) nicht öffentlich waschen, wie er klarstellt. Dieser ließ zuletzt mit Kritik über die Wiener Staatsoper aufhorchen. SN/APA/ROBERT JAEGER
Der ehemalige Staatsopern-Direktor Dominique Meyer (links) möchte die „Schmutzwäsche“ mit Dirigent Franz Welser-Möst (rechts) nicht öffentlich waschen, wie er klarstellt. Dieser ließ zuletzt mit Kritik über die Wiener Staatsoper aufhorchen.

Er wolle "die Schmutzwäsche mit Franz Welser-Möst nicht öffentlich waschen", sagte Dominique Meyer am Wochenende. Er hat unlängst seine Direktion an der Wiener Staatsoper beendet und ist nun Intendant der Mailänder Scala. "Auch seine direkten und indirekten persönlichen Angriffe werde ich nicht kommentieren - wiewohl ich mich schon frage, warum der international erfolgreiche Dirigent das nötig hat und was er mit den nachweislich falschen Aussagen bezweckt."

Damit reagierte er auf Franz Welser-Mösts Interview mit den "Oberösterreichischen Nachrichten". Darin stellte der Dirigent fest: Unter Meyers Direktion habe die Wiener Staatsoper "international an Relevanz verloren". Und: "Wenn ein Haus auf lange Sicht vom Tourismus lebt, dann wird das gefährlich", warnte Welser-Möst mit Hinweis auf die Coronakrise. Auch bei der künstlerischen Ansicht, "also was szenisch passiert und auch was das Sängerensemble und Engagements anlangt, habe ich die Meinung von Dominique Meyer oft nicht geteilt". Und: "Für mich war es ein Problem, dass er viele junge, hübsche Sängerinnen engagiert hat, die mit wenig oder gar keiner Erfahrung plötzlich Ensemblemitglied in der Wiener Staatsoper waren. Das ist ja keine Ausbildungsstätte, sondern ein Riesenbetrieb mit rund 50 verschiedenen Opern pro Jahr."

Welser-Möst gestand: Er tue sich schwer mit Menschen wie Meyer, "der einfach nicht greifbar ist" und "mit einem Diplomatenlächeln alles weglächelt". 2014 war Welser-Möst wegen "Auffassungsunterschieden in künstlerischen Belangen" als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper zurückgetreten. Im jetzigen Interview sagte er, die bei seinem Weggang unterschriebene Vereinbarung, dass er sich nicht über seine Zeit an der Staatsoper äußern dürfe, dauere bis 1. Juli 2020. Meyer zufolge gilt diese bis 5. September.

Quelle: SN, Apa

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