Kultur

"Penthesilea" in Linz hinterließ nachhaltigen Eindruck

Die Oper "Penthesilea" von Othmar Schoeck hat am Samstag im Linzer Musiktheater eine begeisterte Premiere erlebt. Die szenische österreichische Erstaufführung 90 Jahre nach der Uraufführung in Dresden, belegt die Rarität dieser Produktion. Sie entstand in Zusammenarbeit mit der Oper in Bonn, von wo auch die Sängerin der Titelpartie, Dshamilja Kaiser, vorübergehend nach Linz übersiedelte.

Die Inszenierung stammt vom prominenten deutschen Regisseur Peter Konwitschny. Der Schweizer Komponist hat für seine Oper das gleichnamige Trauerspiel von Heinrich Kleist bearbeitet. Obwohl die Amazonenkönigin Penthesilea und der Griechenkönig Achilles beim Krieg um Troja gegnerisch aufeinandertreffen, verlieben sie sich ineinander. Doch die Amazonen dürfen sich einem Mann nur dann hingeben, wenn sie ihn zuvor besiegt haben. Bei den beiden war es aber umgekehrt. Als Achilles einen neuerlichen Zweikampf vorschlägt und dazu waffenlos Penthesilea gegenüber tritt, wird er von der Enttäuschten und Rasenden getötet. Zur Besinnung gekommen tötet sie sich schließlich selbst.

Schoeck hat dieses antike Drama mit expressionistischer Tonsprache ausgestattet, die auch heute fesselt und berührt. Die Instrumentierung ist gekennzeichnet durch Bevorzugung der Bläser, vor allem mit zehn Klarinetten und mächtigem Blech, während die Geigen auf vier Soloinstrumente reduziert sind. Der 1957 verstorbene Komponist setzt auch zwei Klaviere ein, die im Linzer Musiktheater besondere Bedeutung bekommen: Sie stehen auf der quadratischen weißen Spielfläche, die von der Bühne bis über die ersten Zuschauerreihen reicht und sind so die einzigen Bühnenelemente.

Ausstatter Johannes Leiacker hat damit einen an die antike Arena erinnernden Raum geschaffen, von dem aus sich Solisten und Chor in das Drama einmischen. Das Orchester ist im Bühnenhintergrund positioniert, Solisten und Chor haben so bessere Durchsetzungskraft. Der Chor und Extrachor des Landestheaters, einstudiert von Elena Pierini und Martin Zeller, kommen mit den hektischen Szenen und rhythmisierten Sprechgesängen packend zurecht.

Das besondere Ereignis der 90-minütigen Aufführung sind die beiden Liebenden: Dshamilja Kaiser gestaltet mit prachtvollem, schier mühelosem Mezzo die herausfordernde Titelpartie. Zur glanzvollen Stimme kommt bei Kaiser auch das überzeugende dramatische Spiel. Hier trifft sie sich mit dem Haus-Bariton Martin Achrainer als Achilles, der damit stimmlich und verführerisch agierend sein Repertoire mit einem weiteren Glanzstück bereichert. Das Liebesduett der beiden steht mit Recht im Zentrum der Tragödie und bleibt nachhaltig in Erinnerung wie auch der Trauergesang Penthesileas am Schluss.

Auch die weitere Besetzung der Aufführung lässt keine Wünsche offen: Julia Borchert (Prothoe), Katherine Lerner (Meroe), Vaida Raginskyte (Oberpriesterin), Matthäus Schmidlechner (Diomedes), Gotho Griesmeier (Erste Priesterin) und nicht zuletzt auch die beiden Bühnenpianisten Andrea Szewieczek und Elias Gillesberger, die ihre Instrumente neben dem Spiel auch in Bewegung setzen müssen.

Die musikalische Leitung hat Leslie Suganandarajah. Er meistert mit dem Rücken zum Sänger-Ensemble die schwierige Aufgabe souverän und führt auch das hochmotivierte Bruckner Orchester Linz zu instrumentaler Glanzleistung. Peter Konwitschnys Inszenierung dieser "Penthesilea" wird in ihrer musikalischen und optischen Qualität dem Linzer Opernpublikum in Erinnerung bleiben.

Quelle: APA

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