Kultur

"Post Otto Wagner"-Ausstellung im MAK

"Die perfekte Ergänzung zur großen Otto-Wagner-Schau im Wien Museum" (MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein) bietet das Museum für Angewandte Kunst (MAK) ab Mittwoch: Die Ausstellung "Post Otto Wagner. Von der Postsparkasse zur Postmoderne" möchte die Wechselwirkung zwischen Wagner und seinen Zeitgenossen sowie seinen Einfluss auf spätere Generationen von Architekten und Designern zeigen.

"Die perfekte Ergänzung zur großen Otto-Wagner-Schau im Wien Museum" (MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein) bietet das Museum für Angewandte Kunst (MAK). SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
"Die perfekte Ergänzung zur großen Otto-Wagner-Schau im Wien Museum" (MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein) bietet das Museum für Angewandte Kunst (MAK).

Ausgangs- und Endpunkt der von Sebastian Hackenschmidt kuratierten Ausstellung ist die Postsparkasse, für Thun-Hohenstein "das zweitwichtigste Gebäude Wiens nach dem Stephansdom". Davon gibt es ein großes Modell, Zeichnungen und zahllose Ausstattungsdetails. Paradigmatisch für das Konzept der Ausstellung ist etwa die Gegenüberstellung der skulptural ausgeführten "Warmluftausbläser", die sich problemlos auch als Ausstattungsdetail eines "Star Wars"-Films finden könnten, mit viel später realisierten Projekten wie dem Centre Pompidou in Paris oder den von Hans Hollein stammenden "Media Linien" für das Olympische Dorf in München, bei denen funktionale Rohrsysteme ebenfalls zentrale Gestaltungselemente wurden.

Nur selten wird aber das Weiterwirken der theoretischen Ansätze und praktischen Durchführungen des berühmten Stadtplaners und Architekten, dessen 100. Todestag am 11. April begangen wurde, so augenfällig dargestellt. Sonst steht man sich den an 60 Wänden und Tischen präsentierten 650 Objekten zunächst eher orientierungslos gegenüber. Weil man in drei Kapiteln "Dimensionen, Formen und Konstruktionen" der Großstadt untersuche, soll der Rundgang durch die Ausstellungshalle laut Hackenschmidt wie ein Flanieren durch die Stadt erfolgen - hinter jeder Ecke eine neue Überraschung quasi.

Also begegnet man in bunter Folge Modellen moderner U-Bahn-Stationen, dem Sanatorium Purkersdorf, der Secession, dem Haas-Haus, dem Hochhaus in der Herrengasse, der von Frei Otto entworfenen Bespannung des Münchner Olympiaparks, Objekten von Coop Himmelb(l)au, Walter Pichler und Peter Noever und in der Mitte jeder Menge Möbel - und muss versuchen, sich erst einmal selbst einen Reim darauf zu machen. Der dazugehörige Ausstellungskatalog ist für Ende Juni angekündigt.

Immer wieder lassen sich überraschende Vergleiche und Einblicke gewinnen. So wird man mit "Sempers Bekleidungstheorie" konfrontiert, die Hausfassaden als Vorhänge interpretiert (was sich mit dem Majolika-Haus und einigen aus der Zsolnay-Fabrik stammenden wunderschönen Fliesen gut belegen lässt), oder kann Wagners 1911 publizierten Visionen einer unbegrenzten Großstadt mit gigantischen städtebaulichen Projekten für Amsterdam, Tallinn, Chicago oder Canberra vergleichen. Die Kurve "von der Postsparkasse zur Postmoderne", deren Wiederentdeckung durch die Instagram-Generation Thun-Hohenstein bei der Presseführung betonte, kratzt man allerdings nicht so einfach.

Deutlich lohnender ist ein Abschluss des Rundgangs mit dem Besuch des Originalschauplatzes: Mit einer MAK-Eintrittskarte kann man auch das in zwei Etappen von 1904 bis 1912 errichtete und heute denkmalgeschützte Gebäude der Österreichischen Postsparkasse und die nun wieder geöffnete und vom MAK ergänzte Ausstellung im dort untergebrachten Wagner:Werk Museum (Mo-Fr, 10-17.30 Uhr) besuchen. Dort imponiert die Konfrontation mit zuvor in der Ausstellung gesehenen Gestaltungsdetails und dem noch immer als Gesamtkunstwerk der Moderne imponierenden Gebäude, das Ende des Jahres von der BAWAG P.S.K. an den neuen Eigentümer, den Immobilienentwickler Signa, übergeben wird.

Man freue sich zwar auf die neue Zentrale am Hauptbahnhof, "aber uns tat es sehr weh, dass wir dieses großartige Gebäude verlassen werden", versicherte BAWAG P.S.K. Marketingleiter Markus Gremmel heute vor Journalisten. Und Signa-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber beteuerte, dass beim Umbau für die geplante Büronutzung ("kein Hotel und keine Luxuswohnungen!") eng mit dem Bundesdenkmalamt operiert und die Fassade, der Kassensaal und die Gouverneursebene unangetastet bleiben werde. Die Sicherstellung einer auch künftigen öffentlichen Zugänglichkeit des phänomenalen Kassensaals werde man "versuchen".

Quelle: APA

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