Kultur

Raritäten beim Barockfestival St. Pölten

"All about Love" lautet heuer die Devise beim Barockfestival in St. Pölten. Im barocken Ambiente des ehemaligen Sommerrefektoriums sind am Samstag zwei entdeckenswerte Raritäten zur Aufführung gelangt, dargeboten vom Ensemble Cappella Splendor Solis: "Musical Concerto" von Bartolomeo Spighi da Prato und "La Pazzia senile" von Adriano Banchieri, zusammengefasst unter dem Motto "Im Labor der Liebe".

Die musikdramatische Welt des frühen 17. Jahrhunderts kannte zahlreiche Formen und Genres neben der Oper. Handelte es sich beim ersten Stück des Abends um das szenische Madrigal eines kaum bekannten Komponisten aus dem Jahr 1641, so ist das zweite eine 43 Jahre früher entstandene Madrigalkomödie eines Benediktinermönchs aus Bologna.

Beide Stücke hat Helmut Wiesinger, Doyen des Landestheaters NÖ, mit einfachen Mitteln überaus gekonnt in Szene gesetzt. Bunte Tücher, eine kleine Fliegenklatsche, ein paar Hüte - mit spärlichen Requisiten wird größtmögliche Wirkung erzeugt. Vor allem verfügt Wiesinger offensichtlich über viel Fingerspitzengefühl für Personenführung: So witzig, vital und ideenreich gestaltet will man barockes Theater erleben dürfen.

Dazu bedarf es entsprechender Mitwirkender, die in diesem Fall zum Glück vorhanden waren. Vom Claviorganum - eine Kombination aus kleiner Orgel und Virginal - aus lenkte Josef Stolz das musikalische Geschehen souverän und steuerte gemeinsam mit Wiesinger auch kommentierende Zwischentexte bei. Die Sopranistin Kanako Hayashi ist eine veritable Entdeckung: Ihre geschmeidige, an Ausdrucksvarianten reiche und sicher geführte Stimme und ihr darstellerischer Charme sind schöne Garanten für eine Erfolg versprechende Zukunft. Stefan Piewald (Altus) und Florian Michael Wolf (Bassbariton) komplettieren das kongeniale Vokaltrio.

Wiesinger, der sich vor wenigen Tagen vom Landestheater NÖ in den Ruhestand verabschiedet hat, bleibt dem Haus zumindest bis auf Weiteres dennoch erhalten. Im Herbst wird er - als Gastschauspieler - wieder in Sabine Derflingers Inszenierung von Nestroys "Der Zerrissene" auf der Bühne stehen und beim literarischen "Blätterwirbel" eine Lesung über "Die verbrannten Dichter" halten. Nach dem barocken "Liebeslabor" darf man nun wünschen, dass sich Wiesinger auch verstärkt als Regisseur einbringen möge.

Beim Barockfestival in St. Pölten stehen noch vier Konzerte bevor, drei davon in der ehemaligen Synagoge, wo am 19. Juni das "Concerto d'Europa" erklingt, am 22. Juni "Les surprises de l'Amour" zu erkunden sind und am 23. Juni das Ensemble "Private Musicke" zum 20-Jahre-Jubiläum auftritt. Im Freiraum inszeniert Michael Vogel am 21. Juni ein musikalisches Memento Mori ("Ich freue mich") mit Martin Ptak und Christoph Bochdansky. 

Quelle: APA

Aufgerufen am 17.12.2018 um 06:03 auf https://www.sn.at/kultur/allgemein/raritaeten-beim-barockfestival-st-poelten-29304262

Schlagzeilen