Kultur

Schätze der Prinzen zwischen Wien und Florenz

Porzellan als Spiegel der Kunst und der sozialen Wandlungen im Florenz des 18. Jahrhunderts unter der Führung der Großherzöge der Toskana Habsburg-Lothringen: Mit diesem Thema befasst sich die Ausstellung "Zerbrechliche Schätze der Prinzen: Die Wege des Porzellans zwischen Wien und Florenz", die am Dienstag im Palazzo Pitti in Florenz eröffnet wurde.

Eike Schmidt wird ab November 2019 KHM-Direktor SN/APA (Archiv)/HELMUT FOHRINGER
Eike Schmidt wird ab November 2019 KHM-Direktor

Hochkarätige Porzellangefäße und -skulpturen sowie Tafelporzellan zeigt die bis zum 10. März 2019 geöffnete Ausstellung, die eine Übersicht über das Schaffen zweier Porzellanmanufakturen bietet, die nach Meissen als die frühesten Produktionsstätten dieser Art in Europa gelten: Die Manufakturen Du Paquier in Wien und Carlo Ginori in Doccia bei Florenz. Die circa 250 Exponate stammen aus den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein sowie aus verschiedenen europäischen Museen und anderen Privatsammlungen, darunter aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien (KHM) und dem Belvedere. Auch die Uffizien, das Metropolitan Museum in New York und die Eremitage in Sankt Petersburg haben Exponate ausgeliehen.

Einen starken Impuls erhielt die Entwicklung der Porzellankunst in Florenz dank des Beschlusses des Marquis Carlo Ginori, 1737 den österreichischen Künstler Johann Carl Wendelin Anreiter von Zirnfeld (1702-1747), den bekanntesten Porzellanmaler seiner Zeit, in die Toskana kommen zu lassen. Dies gab der Porzellankunst in Florenz einen starken Impuls. Ergänzt wird die Ausstellung durch Grafiken, Gemälde sowie Möbel, die die ideelle und künstlerische Atmosphäre der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Florenz zeigen.

"Die Schau hebt die enge Beziehung zwischen Wien und Florenz zur Zeit der Großherzöge hervor. Diese Beziehungen beschränkten sich nicht nur auf die Habsburger, sie betrafen auch Florentiner und Wiener Familien. In der Toskana der Großherzöge Habsburg Lothringen herrschte eine kosmopolitische Atmosphäre", sagte Uffizien-Direktor Eike Schmidt im Gespräch mit der APA. "Unser Anliegen mit dieser Schau ist es, den Stellenwert des Porzellans im Kontext der Zeit und seinen kulturgeschichtlichen Aspekt zu vergegenwärtigen. Die Schau ist eine große kulturgeschichtliche Erzählung, die auch durch Gemälde und Möbel der Zeit bereichert wird", erklärt Schmidt, der ab November 2019 KHM-Direktor wird.

Die Verbreitung von Schokolade und Kaffee führte im 18. Jahrhundert zu einer Entwicklung der Produktion von Tafelporzellan. In den Boboli-Gärten in Florenz wurde vom italienischen Architekten Zanobi Del Rosso 1776 ein Kaffeehaus errichtet, in dem Leopold II. seinen Kaffee zu sich nahm. Dieser Herrscher gab dem toskanischen Handwerk starke Impulse und förderte die lokale Porzellanproduktion, indem er unter anderem Gegenstände aus Wien importierte.

Über die engen Beziehungen zwischen Florenz und Wien berichtete Johann Kräftner, Direktor der Kunstsammlung des Fürstenhauses Liechtenstein. Die Entwicklung der beiden Manufakturen Du Paquier in Wien und Carlo Ginori in Doccia bei Florenz sei Ausdruck einer gemeinsamen Geschichte, die die nationalen Grenzen überschritt und zu fruchtbaren Kreationen führte.

Quelle: APA

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