Kultur

Schloss Sitzenberg: Sommerspiele punkten mit Horvath-Komödie

Die Sommerspiele Schloss Sitzenberg eröffnen schon traditionsgemäß den alljährlichen niederösterreichischen Sommertheater-Reigen. Intendant Martin Gesslbauer hat im 15. Saisonjahr Ödön von Horvaths Komödie "Figaro lässt sich scheiden" angesetzt, selbst inszeniert und sorgt - wie sich bei der Premiere am Freitagabend, just zu Horvaths 80. Todestag, erwies - für eine sehr respektable Produktion.

Bauchtanz gab's keinen zu sehen, obwohl es einige gut gelaunte Gäste erhofft hatten. Zu Beginn - und im Verlauf des Abends immer wieder - erklingen dafür einige Takte aus Dvoraks Symphonie "Aus der Neuen Welt". In eine neue, von Umsturz und Flucht, politischen wie privaten Veränderungen geprägte Welt geraten das Grafenpaar Almaviva sowie Figaro und Susanne. Die Bühne ist buchstäblich mit Brettern vernagelt - auch dies ein (über)deutlicher Hinweis auf verbreitete Perspektivlosigkeit und Scheuklappenmentalität der handelnden Personen. 

Damit es dann doch nie allzu moralisierend wird, kippt das Geschehen manchmal ins Skurrile, bricht geradezu befreiend weg wie in der kuriosen Einlage in Amadeus-Kostümen, die den "Susanna"-Oldie von Adriano Celentano und Art Company covert. Da ist es natürlich kein Schaden, wenn ein quicklebendiges Temperamentbündel wie Adriana Zartl diese Susanna verkörpert und nicht nur Charme und Vitalität, sondern durchaus auch differenziertere Gefühlsregungen aufbringt. 

Als verbürgerlichter Figaro punktet Stefan Rager, als nobler Graf changiert Johannes Terne zwischen Melancholie und Leichtsinn, Anke Zisak schafft den Spagat zwischen drei Rollen (Gräfin, Hebamme und Fanchette) und wird darin noch von Michael Duregger übertroffen, der gar in fünf Identitäten schlüpft. Das schafft dann gelegentlich doch leichte Verwirrung. 

Sowohl mit der Stückwahl als auch in der Umsetzung ist Gesslbauer eine insgesamt erfreuliche Überraschung gelungen. Horvaths zynische, kluge, gleichermaßen anachronistisch wie prophetisch anmutende Komödie setzt im sonst oft zum seichten Klamauk tendierenden Sommerrepertoire eine klare Ansage. Es zahlt sich eben doch aus, das Publikum nicht zu unterfordern. In Sitzenberg war der Beifall groß. Auch ohne Bauchtanz.

Das Rahmenprogramm beinhaltet zwei Matineen im Pfarrstadel: mit dem Wienerklassik Quintett, Michael Schefts und Dina Kabele (9. Juni, 11 Uhr, Camille Saint-Saens, Karneval der Tiere) sowie mit Gerhard Dorfer (17. Juni, 11 Uhr, Josef Lang k.u.k. Scharfrichter). Für 2019 kündigt Gesslbauer Hugo von Hofmannsthals Lustspiel "Der Schwierige" an.

Quelle: APA

Aufgerufen am 19.12.2018 um 04:25 auf https://www.sn.at/kultur/allgemein/schloss-sitzenberg-sommerspiele-punkten-mit-horvath-komoedie-28698811

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