Kultur

Solothurner Filmtage nehmen die Filmkritik ins Visier

Die Medienbranche steht unter Druck - und mit ihr die Kulturkritik. Das renommierte Schweizer Filmfestival Solothurner Filmtage, das am 20. Jänner seine 56. Ausgabe digital startet, greift deshalb der darbenden Filmkritik unter die Arme und legt einen Fokus auf die Zunft. Schließlich sei die kritische Besprechung für die Szene essenziell, erklärt Filmtage-Direktorin Anita Hugi - auch wenn die Klickzahlen zeigen, dass sich Rezensionen im Onlinejournalismus nicht rechnen.

Direktorin Hugi will in Solothurn Filmkritik unterstützen SN/APA (KEYSTONE)/PETER KLAUNZER
Direktorin Hugi will in Solothurn Filmkritik unterstützen

Immer wieder wird deshalb von den Chefetagen der Medienhäuser die Abschaffung der klassischen Kulturkritik gefordert. Doch für Kulturschaffende ist die professionelle und differenzierte Auseinandersetzung in der medialen Öffentlichkeit mit ihrem Werk unabdingbar.

Die Kritik spiegle und stimuliere das künstlerische Schaffen, sagt Hugi, seit 2019 Direktorin der Solothurner Filmtage. "Kritik erschließt neue Zugänge und relevante Zusammenhänge. Für die Filmschaffenden selbst tun sich durch die Kritik neue Blicke auf das eigene Werk auf." Hugi bezeichnet Kulturkritik im Gespräch mit Keystone-SDA als Kulturgut, als "eine andere Kunstform, die in einem Echoraum steht zu einem künstlerischen Werk".

In der Programmreihe "Fokus" zeigen die Filmtage ein Panoptikum an Arten der Filmkritik. Master Classes, Podien, Filmvorführungen - die Veranstaltungen sollen veranschaulichen, welche Bandbreite an kritischen Auseinandersetzungen mit dem Medium Film heute existieren. So diskutieren Experten über Filmkritik in Form des Videoessays oder fragen im Podium "Post-pandemische Filmkritik", wie Filmkritik in Zukunft auszusehen habe.

Initiativen wie jene der Filmtage hat die Kulturkritik bitter nötig. Nicht erst seit Klicks zählen, wird der kritischen Auseinandersetzung mit der Kultur in den Massenmedien immer weniger Platz eingeräumt. "Der Abbau begann mit der Tanzkritik, dann folgte die Literaturkritik und so weiter. Die Filmkritik hielt sich relativ lang", sagt die ehemalige Journalistin Hugi.

Filmkritikerinnen und -kritiker seien dabei nicht einfach "Personal Shopper", die Sterne verteilten. "Vielmehr stellen sie Werke in einen Kontext, einen gesellschaftlichen wie filmischen." Das könne ebenso über ein gut geschriebenes Porträt passieren, es müsse nicht zwingend die klassische Form der Rezension sein. Die Filmtage sehen sich mit ihrem Fokus "Eloge de la critique - Lob der Kritik" deshalb als Impulsgeber. "Wir bestärken die Kritikerinnen und Kritiker in ihrer Arbeit, fordern sie auf, dranzubleiben, die Muskeln zu stählen."

(S E R V I C E - Die 56. Solothurner Filmtage dauern vom 20.-27. Jänner. www.solothurnerfilmtage.ch)

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