Kultur

"Spanische Nobelpreise" für Ennio Morricone und Anne Carson

Die Filmkomponisten Ennio Morricone und John Williams sowie die kanadische Schriftstellerin Anne Carson erhalten am Freitagabend die "spanischen Nobelpreise". Unter strengen Corona-Schutzmaßnahmen vergibt Spaniens Kronprinzessin Leonor im nordspanischen Oviedo die nach ihr benannten Prinzessin-von-Asturien-Preise in insgesamt acht Kategorien. Morricone komponierte die Musik für Hunderte von Filmen.

Autorin Anne Carson bekommt den Asturien-Preis SN/APA (AFP/Getty)/Craig Barritt
Autorin Anne Carson bekommt den Asturien-Preis

Weltberühmt wurde der italienische Filmkomponist vor allem für die Filmmusik aus Western wie "Spiel mir das Lied vom Tod" und "Zwei glorreiche Halunken". Im Februar 2007 erhielt der im Juli im Alter von 91 Jahren verstorbene Morricone den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk. 2016 bekam er einen Oscar für die Musik aus dem Film "The Hateful Eight". Den Prinzessin-von-Asturien-Preis nimmt stellvertretend sein Sohn Andrea in Empfang.

Der ebenfalls Oscar-gekrönte US-Filmkomponist Williams (88) hat einige der bekanntesten Soundtracks der Filmgeschichte aus Blockbuster-Produktionen wie "Schindlers Liste", "Jurassic Park", "Harry-Potter" und "Star Wars" geschaffen. Er gehöre zu den renommiertesten Orchesterkomponisten überhaupt, begründete die Jury ihre Entscheidung.

In der Sparte Literatur geht die auch als "spanischer Nobelpreis" bekannte Prinzessin-von-Asturien-Auszeichnung an die 70-jährige Schriftstellerin Anne Carson. Sie gehöre heuer zu den bedeutendsten Dichterinnen im englischsprachigen Raum und besteche durch ihre Fähigkeit, ihr Studium der griechisch-lateinischen Welt in eine innovative Poetik einzubauen, begründete die Jury ihre Ehrung. Carson, deren letzter Roman "Rot" 2019 in Österreich erschien, vermischt in ihren Werken oftmals Prosa mit formstrengen Versen und essayistischen Fragmenten.

Der Preis in der Kategorie Kommunikation und Humanwissenschaft geht unterdessen an die mexikanische Buchmesse Guadalajara und das "Hay Literatur Festival" in Wales, das der frühere US-Präsident Bill Clinton einmal als "das Woodstock des Geistes" bezeichnet hatte.

Besondere Aufmerksamkeit erhalten bei der diesjährigen Prinzessin-von-Asturien-Preisvergabe aber Spaniens Ärzte und Krankenpfleger. Das medizinische Personal erhält für seinen Kampf gegen die Covid-19-Pandemie die Auszeichnung in der Sparte Eintracht. Die Ärzte und Pfleger, die an "vorderster Front" arbeiteten, hätten sich durch "bedingungslosen Einsatz" und "lobenswerte Professionalität und Engagement" ausgezeichnet, erklärte die Jury ihre Entscheidung.

Bei der Behandlung von Covid-19-Kranken hätten sie häufig nicht über die nötige Schutzausrüstung verfügt und die eigene Gesundheit selbstlos aufs Spiel gesetzt. Mit mehr als 33.500 Toten und über 900.000 Infektionsfällen gehört Spanien zu den am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Ländern Europas.

Der Preis in der Kategorie Internationale Zusammenarbeit geht an die Impfallianz GAVI. GAVI zeige, wie Regierungen verschiedener Länder, Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen, aber auch Privatunternehmen global effektiv zusammenarbeiten können, um Menschenleben zu retten, so die Preisjury. Seit ihrer Gründung vor 20 Jahren wurden mit Hilfe der Impfallianz rund 760 Millionen Kinder in 73 Entwicklungsländern gegen lebensbedrohliche Krankheiten wie Diphtherie, Keuchhusten, Hepatitis B oder Gelbfieber geimpft. Anfang Juni einigten sich die Allianz-Mitglieder für den Zeitraum 2021 bis 2025 auf Finanzzusagen von 7,4 Milliarden Euro, mit denen die Impfung von rund 300 Millionen Kindern gegen Infektionskrankheiten garantiert werden soll.

Der zweimalige spanische Rallye-Weltmeister und dreimalige Dakar-Gewinner Carlos Sainz wird in diesem Jahr in der Sparte Sport ausgezeichnet. Der türkische Harvard-Wirtschaftsprofessor Dani Rodrik erhält für seine Forschung über den Freihandel und die Folgen der Globalisierung den Preis in der Kategorie Sozialwissenschaften, während die Auszeichnung für Wissenschaft und Forschung an die Mathematiker Yves Meyer, Ingrid Daubechies, Terence Tao und Emmanuel Candès geht. Die Preisträger erhalten jeweils 50.000 Euro und die Nachbildung einer Statue des spanischen Künstlers Joan Miró.

Quelle: APA

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