Kultur

Staatssekretärin Andrea Mayer: "Wir schließen die letzten Lücken"

Ein neues Hilfspaket soll Kunst und Kultur das Überleben sichern. Dennoch warnen Künstler vor "Lähmung" und "ideellem Schaden".

Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne)

Österreichs Kulturleben steht still. Und doch läuft das Werk im Wiener Burgtheater auf Hochtouren: Man arbeite an fünf Premieren, die im Dezember stattfinden sollen, erzählt Intendant Martin Kušej. Zwei davon, "Richard II." und "Bunbury", wären im November geplant gewesen. Dann kam der Lockdown.

Das Veranstaltungsverbot hat Kusej zuletzt als "echte Katastrophe" bezeichnet. Das neue Hilfspaket der Bundesregierung für Österreichs Kulturbranche begrüße das Burgtheater zwar, sagt Kušej auf SN-Anfrage, "aber wir befürchten darüber hinaus einen großen ideellen Schaden durch die Infragestellung der substanziellen Bedeutung von Kultur in unserer Gesellschaft, der durch finanzielle Mittel nicht aufzufangen ist." Gerhard Ruiss, Vorsitzender der IG Autorinnen Autoren, sieht "den Sturz in die existenzielle Katastrophe" abgewendet. Aber: "An der derzeitigen Lähmung des Kunst- und Kulturbetriebs ändern diese Maßnahmen nichts, darüber soll sich niemand täuschen."

Man habe in den vergangenen Monaten "eines gelernt", sagte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer am Freitag bei der Präsentation der neuen Unterstützungsmaßnahmen für Kunst und Kultur: "Dieser Bereich ist heterogen, vielseitig und daher sehr schwer einzugrenzen." Deshalb werde ein Sonderförderprogramm in Höhe von zehn Millionen Euro für jene eingerichtet, die trotz bestehender Hilfstöpfe "vor existenziellen Problemen stehen". Damit schließe man "die letzten Lücken im engmaschigen Sicherheitsnetz der Bundesregierung".

Auch der neue Umsatzersatz soll wirksam werden: 80 Prozent des Umsatzes aus dem November des Vorjahres sollen "rasch und unbürokratisch" zurückerstattet werden, so Vizekanzler Werner Kogler. Damit sei "für direkt betroffene Kultureinrichtungen das Weiterbestehen gesichert", sagte Andrea Mayer. Das Instrument gelte für Museen, die wie Vereine organisiert seien, aber auch für Konzertveranstalter, Kinos oder Musikclubs. Zudem werden SVS-Überbrückungsfonds und Covid-19-Fonds bis Ende März verlängert und finanziell aufgestockt. Eine zusätzliche Zahlung von 1300 Euro - "ein Lockdownbonus, wenn Sie so wollen" - stehe auch Künstlern zur Verfügung, die bislang Unterstützung aus dem Härtefallfonds bezogen.

Auch Bundesmuseen und Bundestheater will der Eigentümer mit weiteren Covid-19-Sondermitteln ausgestatten. "Ich kann den Direktoren und Beschäftigten versichern, dass diese Häuser durch Corona keinen bleibenden Schaden erleiden werden", sagte Andrea Mayer.

Dabei rechneten die Bundesmuseen bereits vor dem zweiten Lockdown mit 55 Millionen Euro Verlust für 2020. "Die prognostizierten Einnahmenausfälle sind unverändert", sagt Sabine Haag, Direktorin des Kunsthistorischen Museums, auf SN-Anfrage. Die rein wirtschaftliche Betrachtung könne aber nur ein Aspekt sein, eine wesentliche Rolle spiele "der ideelle Aspekt, welchen Bedeutung Kunst und Kultur in diesen herausfordernden Zeit haben".

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