Kultur

Stadtrechnungshof mit Kritik am Theater an der Wien

Der Stadtrechnungshof hat die Opernsparte der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) - also das Theater an der Wien - unter die Lupe genommen und dabei durchaus Kritikwürdiges gefunden. Parallel zu gestiegenen Verlusten und Besucherrückgängen erhöhte sich der Zuschussbedarf pro Besucherin bzw. Besucher 2018 und 2019 merklich im Vergleich zu den Jahren davor. 2018 lag er bei 297 Euro, 2019 bei 311 Euro pro Gast, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Prüfbericht hervorgeht.

Kritisch unter die Lupe genommen: Das Theater an der Wien SN/APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRINGER
Kritisch unter die Lupe genommen: Das Theater an der Wien

Zum Vergleich: Im Zeitraum 2010 bis 2017 betrug der durchschnittliche Zuschussbedarf im Opernsegment der VBW rund 255 Euro pro Besucher. Der Stadt-RH empfiehlt, "ausreichend geeignete Strategien, Konzepte und ausgabenseitige Redimensionierungsmaßnahmen zu entwickeln", um künftig dieses Niveau wieder zu erreichen oder sogar zu unterbieten. Die VBW merkten in einer im Bericht enthaltenen Stellungnahme mit Verweis auf die Wertschöpfung an, dass jeder Subventions-Euro 2,9-mal zurückfließe.

Die Prüferinnen und Prüfer kamen nach einer differenzierten Betrachtung des gebotenen Programms aus den Jahren 2018/19 zum Schluss: "Sämtliche angeführten Produktionen im Bereich des Musiktheaters, der Konzerte bzw. konzertanten Opern und andere Vorstellungen erzielten negative Betriebsergebnisse bzw. Verluste." Ein größeres Minus wurde außerdem auch bei den Ergebnissen vor Steuern gemeldet. "Für das Theater an der Wien ergab die Einschau eine Verschlechterung ... von rund minus 20,15 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2018 um rund 6,1 Prozent auf rund minus 21,39 Mio. Euro. Die Verluste lagen damit in beiden Geschäftsjahren über dem Durchschnitt der Geschäftsjahre 2010 bis 2017 von rund minus 20 Mio. Euro."

Festgehalten wurde zudem, dass sich beim Eigendeckungsgrad (2010-2017: rund 22,1 Prozent) zuletzt keinerlei Verbesserungen eingestellt hätten: "Im Gegenteil, der durchschnittliche Eigendeckungsgrad reduzierte sich im Geschäftsjahr 2018 auf 21,9 Prozent und fiel im Geschäftsjahr 2019 sogar auf einen Niederstwert von nur mehr 20,6 Prozent."

Rückläufig entwickelte sich auch die Zahl der Opernbesucherinnen und -besucher. Von 2010 bis 2017 waren es im Schnitt noch 77.805 pro Jahr. "Im Geschäftsjahr 2018 betrug mit 64.866 Besucherinnen bzw. Besuchern das Minus rund 16,6 Prozent, für das Geschäftsjahr 2019 war ein Rückgang von rund 7,5 Prozent zu verbuchen", resümiert der Stadt-RH. Dazu kommt, dass nur knapp 40 Prozent des Publikums ein Vollpreisticket erwarb. Der Rest entfiel auf ermäßigte oder kostenlose Karten, wiewohl der Stadt-RH positiv anerkennt, dass sich ein hoher Anteil der reduzierten Tickets aus Abos ergibt und damit "eine fixe Einnahmequelle" darstellt.

Unter den Empfehlungen des Stadt-RH für künftige Spielpläne finden sich - vor dem Hintergrund der Einnahmenverluste infolge der Corona-Pandemie - etwa der Ausbau internationaler Kooperationen, die Senkung der Grenzkosten der Produktionen und die Verbesserung der Einspielergebnisse. "Dies könnte beispielsweise durch eine Verringerung der Premieren und eine Erhöhung der Spieltage pro Produktion erfolgen." Die VBW versicherten, dass die neue Opernintendanz "verlängerte Spielserien hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit verstärkt prüfen" werde.

Außerdem solle mit dem Betriebsrat unter Einbindung des Aufsichtsrates eine Lösung "zwischen den bestehenden bevorrechteten Begünstigten mit 'Altverträgen' und den übrigen Mitarbeitenden" gefunden werden, um Personalkosten zu senken. Die Vereinigten Bühnen verwiesen hier bereits auf getätigte Schritte und merkten an, dass weitere nur mit Zustimmung des Betriebsrats und der Gewerkschaft umgesetzt werden könnten.

Die Prüfer gingen auch auf die Bespielung der Wiener Kammeroper durch das Theater an der Wien ein. Hierfür waren Verlustabdeckungen von 550.000 Euro (2018) bzw. 726.000 Euro (2019) nötig. Der Stadtrechnungshof regte an, "mit der Förderungsgeberin Stadt Wien zu klären, ob und in welcher Form die Kooperation mit der Wiener Kammeroper unter der neuen Intendanz ab dem Jahr 2022 weitergeführt werden soll". Laut VBW sind entsprechende Gespräche bereits in Planung.

Kritik übte die Prüfinstanz nicht zuletzt an der Markenstrategie des Hauses an der Linken Wienzeile. Es wurde festgestellt, "dass es dem Theater an der Wien nach 14 Jahren als Opernhaus noch nicht ausreichend gelungen war, sich bei der lokalen Bevölkerung nachhaltig als solches zu positionieren und von der Wahrnehmung als Musicalspielstätte zu lösen". Die VBW betreiben mit dem Raimundtheater und dem Ronacher auch zwei Musicalbühnen. In der Stellungnahme wurde darauf hingewiesen, dass bei einer Auslastung von rund 93 Prozent in den Jahren 2018 und 2019 in etwa zwei Drittel der Besucherinnen und Besucher aus Wien stammten.

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