Kultur

Theater als Wissensraum: Kunsthalle Wien zeigt Peter Friedl

Den Besuchern der Kunsthalle Wien schlägt dieser Tage eine mystische Stimmung entgegen: Mit "Teatro" hat dort das Schaffen des österreichischen Künstlers Peter Friedl Einzug gehalten. Die Arbeiten des mehrmaligen documenta-Teilnehmers, der in Berlin lebt, spielen mit allerlei theatralen Bezugssystemen, bleiben dabei aber eigenwillig unnahbar. Hier sei "Theater als Wissensraum" zu verstehen.

Friedl war mit seinen Werken bereits auf der documenta vertreten SN/APA (Archiv/AFP)/BARBARA SAX
Friedl war mit seinen Werken bereits auf der documenta vertreten

So beschrieb es jedenfalls Kuratorin Vanessa Joan Müller bei einer Presseführung am Donnerstagvormittag. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Anne Faucheret und dem Künstler selbst hat sie einen weitläufigen Erlebnisparcours entworfen, der im oberen Stock der Kunsthalle nicht nur durch die gedämpfte Beleuchtung dem Titel der Schau gerecht wird. Sei es das eingangs positionierte "Teatro Popular" als Reminiszenz an portugiesisches Straßentheater oder "The Dramatist" mit seinen vier Marionetten - Friedl bietet jeweils extrem offen gehaltene Ansätze, die zwar intellektuell unterfüttert sind, aber dem Betrachter viel Freiheit in der Interpretation lassen.

Es entstehen "Ideen und Bilder, die man über Zeit und Raum hinweg verknüpfen kann", so Müller. Obwohl die frühesten Werke bis Mitte der 90er-Jahre zurückreichen - der kurze Videoclip "Dummy", der Friedl (Jahrgang 1960) selbst in der Auseinandersetzung mit einem störrischen Zigarettenautomaten zeigt, wurde etwa für die documenta X produziert -, handle es sich allerdings nicht um eine Retrospektive, sondern eine thematische Ausstellung.

Für den Künstler ist es jedenfalls die erste größere institutionelle Einzelpräsentation in Wien seit 30 Jahren. "Das muss man in aller Offenheit und Brutalität sagen", unterstrich Friedl. "Warum, das dürfen Sie mich aber nicht fragen."

Der Kunsthalle gegenüber zeigte er sich äußerst dankbar. "Die Art, wie wir hier arbeiten konnten, war von einer seltenen Perfektion." Dadurch sei es möglich gewesen, "einen bestimmten Klang herzustellen, der mir entspricht, den ich suche und den ich mit meinen Ausstellungen erzielen möchte", sagte Friedl. Und so wandelt man an wie beiläufig am Boden drapierten Tierkostümen entlang, blickt auf 16 Vitrinen mit lose chronologisch geordneten Zeitungsausschnitten oder kann den Singer-Songwriter Daniel Johnston in einem Video beobachten, wie er im Johannesburger Stadtteil Sophiatown das Stück "King Kong" mit brüchiger Stimme zum Besten gibt.

Die Zusammenhänge und Hintergründe erschließen sich oft erst auf den zweiten oder dritten Blick, wozu nicht nur die sehr zurückgenommene Beschriftung der Werke beiträgt. Man kann sich letztlich entscheiden, ob man sich ganz auf die Wirkung von Bildern, Klang und Atmosphäre einlässt, oder die Ausstellungsbroschüre als Leitfaden zur Hand nimmt. "Es sind spröde, intellektuelle Brocken", urteilte Müller, "aber sie bieten so viele Ebenen, dass man intuitiv etwas mitbekommt." Der scheidende Kunsthallen-Direktor Nicolaus Schafhausen sprach ob Friedls Oeuvre von einer "brutalen Poesie". Diese passe "perfekt zur Programmatik einer Kunsthalle, die sich ständig neu erfindet".

Apropos Poesie: Als zentrales Werk wurde Friedls Kafka-Adaption "Report", mit der er 2014 auf der documenta vertreten war, in eine riesige Box platziert. Dieser Raum im Raum, gleichsam Kino- wie Theatersaal, beheimatet nun das rund 30-minütige Video, in dem sich 24 Personen der Erzählung "Ein Bericht für eine Akademie" annehmen, ihre Textabschnitte in unterschiedlichen Sprachen vortragen, dabei aber nicht untertitelt werden. Also sind es Wortklang, Mimik und Gestik, Körpersprache und -haltung, die sukzessive in den Vordergrund rücken und das Kommando übernehmen. Auch hier ist es ein mannigfaltiges "Teatro", das Friedl inszeniert und auf das Publikum loslässt. Zu sehen ist die Ausstellung von Freitag an bis 9. Juni.

Quelle: APA

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