Kultur

Vielseitigkeit im Blick: Belvedere zeigt "Kremser Schmidt"

Über mangelnde Beschäftigung kann sich Martin Johann Schmidt nicht beschwert haben: Dem österreichischen Barockmaler, der gemeinhin als "Kremser Schmidt" bekannt ist, werden mehr als 1.100 Werke zugeschrieben. Möglich war dies auch dank einer "perfekt organisierten Werkstatt", wie Georg Lechner betont. Er hat für das Obere Belvedere eine Ausstellung "zum 300. Geburtstag" kuratiert.

Maler "Kremser Schmidt" feiert im Belvedere den 300. Geburtstag SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Maler "Kremser Schmidt" feiert im Belvedere den 300. Geburtstag

Wobei das genaue Geburtsdatum des Künstlers nicht bekannt ist. Schmidt wurde aber am 25. September 1718 getauft. Dem damaligen Brauch zufolge könne er daher "maximal zwei Tage zuvor" zuvor auf die Welt gekommen sein, so Lechner bei einer Presseführung am Mittwoch. Die Kirche sollte das Leben Schmidts jedenfalls maßgeblich beeinflussen, finden sich die Arbeiten des Barockmalers doch vorzugsweise in Kirchen und Klöstern. Gemälde und Zeichnungen seien daher zum Teil auch als Vorstellungswerke für weitere Aufträge zu verstehen.

Insgesamt 63 Arbeiten geben im Belvedere nun einen guten Überblick über sein Schaffen, hat der "Kremser Schmidt" doch weit mehr als nur religiöse Themen behandelt. "Er hat immer eine Lobby gehabt", sprach Lechner den Erfolg des Malers zu Lebzeiten an. Allen voran in geistlichen Kreisen waren seine Bilder beliebt und verbreitet. Der auch als "Rembrandt Österreichs" bezeichnete Künstler "mag zwar auch als Kirchenmaler der Provinz wahrgenommen worden sein und hat daher nicht ganz in das damalige Schema gepasst", so Lechner. "Aber es wurde nie auf ihn vergessen."

Deshalb wird er heute auch in einem Atemzug mit anderen Größen wie Paul Troger oder Franz Anton Maulbertsch genannt. "Es gab keine größeren Schwankungen in der Wertschätzung", sagte Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig. "Wir würdigen hier einen ganz Großen der österreichischen Kunstgeschichte." Als solcher hat er sich ab 1768, dem Jahr seiner Aufnahme in die k. k. Kupferstecher-Akademie, intensiv mit mythologischen Darstellungen beschäftigt. "Er hat Gefallen gefunden an der Welt der Nymphen und Faunen", bemerkte Lechner.

Auch jenes Bild, das ihm die Akademie-Aufnahme einbrachte, ist hier einzuordnen: Es ist das "Urteil des Midas", der sich mit seiner Entscheidung für Pan bei einem musikalischen Wettstreit den Zorn des Gott Apoll aufhalst. Hier wie auch bei seinen Genreblättern, die Ansichten des damalige Lebens liefern - vom "Zahnbrecher" bis zum "Sägfeiler" -, strahlen die Figuren viel Kraft und Eigenständigkeit aus. Nicht zuletzt das sei ein Umstand, weshalb Schmidt keineswegs als bloßer Kopist Rembrandts einzuordnen sei. "Er ließ sich anders inspirieren", betonte Lechner. "Er hat Heilige nicht als Überirdische gezeigt, sondern als die Menschen, die sie waren. Es sind seine Figuren, die hier agieren. Ihm gelingt es, die Erzählung herauszuschälen, er kommt somit zum eigentlichen Kern."

Dass Schmidt bereits zu Lebzeiten äußerst erfolgreich und angesehen war, mag auch in seinem Selbstbewusstsein begründet gewesen sein. "Er hat sich nicht versteckt", verwies Lechner auf unzählige Druckgrafiken, die gewissermaßen die Funktion von Werbezetteln innehatten - und zum Teil auch die Größenmaße der betreffenden Bilder dem potenziellen Auftraggeber mitteilten. Selbst nach seinem Tod 1801 wirkte sein Oeuvre fort: "Sein Stil wurde durch seine Schüler noch ins 19. Jahrhundert hineingetragen, eigentlich bis ins tiefste Biedermeier", so Lechner. Bis 3. Februar kann diese stilistische wie inhaltliche Vielfalt nun im Belvedere erkundet werden.

(S E R V I C E - Ausstellung "Der Kremser Schmidt. Zum 300. Geburtstag" von 25. Oktober bis 3. Februar im Oberen Belvedere, Prinz Eugen-Straße 27, 1030 Wien. Täglich von 9 bis 18 Uhr, freitags bis 21 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, hrsg. von Stella Rollig, Georg Lechner, 152 Seiten, 19 Euro; www.belvedere.at)

Quelle: APA

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