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Vom Ast bis zum Rummelplatz: Horvath-Schau im Theatermuseum

Wenn Museumsdirektor Thomas Trabitsch sagt, dass es sich bei der neuen Schau "Ödön von Horvath und das Theater" im Theatermuseum um eine "inszenierte Ausstellung" handle, bei der Bühnenbildner Peter Karlhuber "Regie geführt" habe, verspricht er nicht zu viel: Ab Donnerstag können interessierte Besucher im doppelten Sinn durch Horvaths Welt wandern: durch die reale wie die fiktive.

In der von den beiden Literaturwissenschaftern und Horvath-Forschern Nicole Streitler-Kastberger und Martin Vejvar kuratierten Ausstellung, die den Übertitel "Ich denke ja gar nichts, ich sage es ja nur" trägt, ist dem Theatermuseum eine außergewöhnliche Annäherung an den Dramatiker (1901-1938) gelungen. Bereits im Foyer im Erdgeschoß wird der Besucher mit dem wohl bekanntesten Detail aus Horvaths Leben konfrontiert: seinem Tod. Von der Decke baumelt ein Ast ("natürlich nicht jener Ast", wie die Kuratoren betonen), von dem er bekanntlich am 1. Juni 1938 in Paris erschlagen wurde. Darunter widmet sich einer jener zur Vitrine umgebauten Biertische, die das Ausstellungsdesign durchziehen, mithilfe von Originaldokumenten Horvaths letztem Tag. Auf einem am Ast befestigten Bildschirm philosophiert Josef Hader über "den Ast".

Gegenüber im Hof hat Karlhuber die Schiffschaukel aus "Kasimir und Karoline" nachgebildet, die zugleich einen der prägenden Dialoge der beiden - inklusive der horvathschen Stille - abbildet. Entlang der "stillen Straße", vorbei an der "Trafik", gelangt man in "Oskars gediegene Fleischhauerei" und somit in den Raum zum Stück "Geschichten aus dem Wiener Wald", in dem sich nicht nur eine originale Fleischhauertheke mit Schweinskopf, Messern und Würsten befindet, sondern auch Exponate zur Auseinandersetzung mit den Themen Mittelstand, Ökonomie und der Frau als Ware.

Dem Topos der Erotik widmet man sich im großen Raum zu "Kasimir und Karoline"; das Oktoberfest auf der "Wiesn" wird mithilfe eines den Raum dominierenden (halben) Ringelspiels veranschaulicht. In den Biertisch-Vitrinen steht die Reflexion auf die unterschiedlichen Aspekte des Geschlechterverhältnisses bei Horvath im Fokus, während auf einer großen Leinwand diverse Inszenierungen und Verfilmungen des Stücks flimmern. Der Politik hat sich schließlich der dritte Raum verschrieben, der ganz im Gewand eines historischen Wirtshauses daherkommt und sich mit dem Stück "Italienische Nacht" befasst und das politische Klima der Weimarer Republik rekonstruiert.

Garniert ist diese liebevoll gestaltete, begehbare Installation mit zahlreichen Faksimiles unterschiedlicher Stückfassungen, Bühnenbildentwürfe oder anderen Erkenntnissen aus der Horvath-Forschung, die in den vergangenen Jahren zur (noch nicht abgeschlossenen) Herausgabe der mehrbändigen historisch-kritischen Gesamtausgabe von Horvaths Werk führte. All jenen, die nach diesem sinnlich geprägten Rundgang Lust zur Vertiefung haben, sei der bei Jung und Jung erschienene, von den beiden Kuratoren herausgegebene Katalog "Ödon von Horvath: Erotik, Ökonomie und Politik" ans Herz gelegt.

Quelle: APA

Aufgerufen am 19.09.2018 um 08:40 auf https://www.sn.at/kultur/allgemein/vom-ast-bis-zum-rummelplatz-horvath-schau-im-theatermuseum-25388041

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