Kultur

Was nutzt der Titel "Kulturhauptstadt"?

Es gab weder Theater noch Konzertsäle, dafür eine schwere Finanzkrise: Georgia Doetzer half, aus der Stadt Pafos auf Zypern eine vorzeigbare Europäische Kulturhauptstadt zu gestalten. Eine Investition von 44 Millionen Euro hat Spuren hinterlassen.

Georgia Doetzer hat als Kulturmanagerin viel für das Projekt Pafos 2017 geleistet. SN/nicole schnell
Georgia Doetzer hat als Kulturmanagerin viel für das Projekt Pafos 2017 geleistet.

Auch in Salzburg wird diskutiert: Soll sich die Stadt für den Titel "Europäische Kulturhauptstadt" bewerben? Bringt das etwas? Georgia Doetzer beantwortet diese Frage mit einem Ja. Die gebürtige Zypriotin war Direktorin des künstlerischen Programms von Pafos2017. 2012 hatte die 35.000-Einwohner-Stadt auf Zypern den Zuschlag als Europäische Kulturhauptstadt bekommen. Ein ungünstiger Zeitpunkt. Ein Jahr später brach eine Wirtschaftskrise aus. "Viele Einwohner fragten sich, wozu gerade zu dieser Zeit Gelder in Kunst und Kultur fließen sollten", erzählt Doetzer. Auch für sie sei das eine komplizierte Ausgangslage gewesen: Das Budget von ursprünglich 15 Millionen schrumpfte auf acht Millionen Euro. Damit wurden 152 Projekte umgesetzt. So brachte die Kulturmanagerin die Berliner Philharmoniker dazu, in Pafos aufzutreten.

Doch das Jahr ist vorüber. Der Kulturhauptstadt-Titel wurde an Leeuwarden (Niederlande) und Valletta (Malta) weitergereicht. Was blieb? Einiges, ist die Zypriotin überzeugt.

Eine Million Menschen kommen jährlich nach Pafos

Die Zahl der Touristen sei deutlich gestiegen - rund eine Million Menschen kommen jährlich nach Pafos. Auch die eigenen Landsleute besuchen die Stadt zunehmend. Zudem sei das ein Ziel gewesen: "Wir wollten Vermittlung durch Kultur erreichen", sagt Doetzer. Denn neben der Teilung in griechische und türkische Zyprioten gibt es auf der Mittelmeerinsel noch weitere kleine Gruppen, die sich angesiedelt haben: Deutsche, Russen, Briten, Bulgaren, Skandinavier oder Chinesen. "Wir wollten ein Mosaik der europäischen Ideen schaffen." Der Begriff "Mosaik" ist eine Verbindung zu Pafos: Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt das Haus des Dionysos im Archäologischen Park, das Mosaikböden aus dem dritten Jahrhundert nach Christus beherbergt.

Neben den gesellschaftlichen Herausforderungen war noch etwas schwierig: "Es gab nur sehr wenig Infrastruktur auf Pafos. Wir hatten hier nicht einmal ein Theater", sagt Doetzer. Auch dafür fand sie eine Lösung: Veranstaltungen fanden überwiegend draußen statt - wie in der griechischen Antike. Da die Arbeiten für Pafos2017 nachhaltig sein sollten, wurde viel Neues geschaffen. So entstand aus einem alten Kino ein neues Theater. Zudem wurden ein Kulturzentrum und ein Open-Air-Theater erbaut. Plätze und Gassen wurden renoviert, nach und nach eröffnen Geschäfte und beleben das Zentrum. Wie war das mit dem vorgegebenen Budget möglich? Für Arbeiten wie Bauten wurden in Pafos 44 Millionen Euro investiert - ein Großteil kam aus europäischen Mitteln. "Pafos hat extrem profitiert. Die Wirtschaft hat einen großen Aufschwung bekommen", sagt Doetzer.

Trotz Erfolge gibt es auch Kritik

Auf ein Theaterprojekt ist sie besonders stolz: "Trojan Women". In dem Stück wirken ausschließlich Schauspieler mit, die in geteilten Städten leben. So stehen Griechen und Türken aus Nikosia neben Palästinensern und Israelis auf der Bühne. Diese Inszenierung war so erfolgreich, dass sie wiederaufgenommen wurde und heuer in Athen aufgeführt wird. Und es soll weitergehen: "Mein Wunsch wäre, dass das Stück quer durch Europa reist, vielleicht auch bis nach Asien."

Trotz aller positiven Seiten äußert Doetzer auch Kritik: Das Organisationsteam von Pafos2017 ist in diesem Jahr aufgelöst worden. "Das ist nicht unüblich, schließlich ist man ja nur für eine begrenzte Zeit Europäische Kulturhauptstadt. In Pafos war der Plan jedoch, die Arbeiten fortzuführen. Wir hatten der Stadt bereits ein ausgearbeitetes Programm zur Fortsetzung der kulturellen Entwicklung sowie 270.000 Euro an Mitteln zugesagt." Die Fortführung sei nach wie vor geplant, der Bürgermeister habe zugestimmt. "Ich hoffe nur, dass es nicht zu lange dauert."

Dieser Artikel ist im Rahmen von eurotours 2018, einem Projekt des Bundespressediensts, entstanden.

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