Kultur

Weitere Kulturbetriebe schließen - Krisensitzung bei Lunacek

Immer mehr Kultureinrichtungen stellen wegen des Coronavirus vorübergehend den Betrieb ein. Die Schließungswelle erfasst neben Museen, Theatern und anderen Veranstaltungsorten nun auch Kinos. Die Amadeus Awards wurden zudem verschoben. Die finanziellen Einbußen bedrohen die Existenz vieler Kulturbetriebe, weswegen Kunst- und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek am Freitag zum Runden Tisch lud.

Ab Samstag Realität: Leerer Kinosaal im Wiener Filmmuseum SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Ab Samstag Realität: Leerer Kinosaal im Wiener Filmmuseum

Rund 40 Teilnehmer kamen am Wiener Concordiaplatz zusammen, um die aktuelle Lage angesichts der Coronavirus-Krise zu besprechen. "Ich bin sehr froh, dass wir das gemacht haben", so Lunacek danach zur APA. Mit Ausnahme der Bundestheater und der Bundesmuseen, mit denen man als Eigentümer ohnedies ständig in Kontakt stehe, seien alle wesentlichen Verbände eingeladen gewesen

"Es hat mich sehr gefreut, dass eine sehr sachliche Diskussion über die Lage möglich war und auch bereits konkrete Beispiele eingebracht wurden, was anders gemacht werden könnte", sagte Lunacek. So sei es etwa um Ratenzahlungen bei Sozialversicherungsbeiträgen, um einen Kultur-Katastrophenfonds der Verwertungsgesellschaften oder um mögliche Stundungen von Mietzahlungen von Kinobetreibern gegangen. Besonders dramatisch habe sich die Lage der Kulturvermittler, der Filmproduzenten und -verleiher dargestellt: "Es geht an die Existenz!"

Auf der Homepage des Ministeriums ist ein eigener Bereich "FAQ Auswirkungen des Coronavirus auf Kunst und Kultur" eingerichtet, die Mitarbeiter der Sektion stünden auch telefonisch für Fragen zur Verfügung. Wie lange die Schließungen voraussichtlich andauern würden, und ob etwa auch Wiener Festwochen oder Salzburger Festspiele betroffen sein könnten, sei derzeit unmöglich vorauszusehen: "Seriöse Aussagen dafür lassen sich nicht treffen."

Der Reigen der Absagen und Schließungen ging am Freitag weiter. Die Amadeus Austrian Music Awards, die heuer zum 20. Mal über die Bühne gehen, hätten am 23. April vergeben werden sollen. Die Preisverleihung wurde auf den 10. September verschoben, wie der Homepage zu entnehmen ist. Wer sich für das ursprünglich Ende April in der Wiener Stadthalle angesetzte Event bereits Karten gesichert hat, kann im Herbst dabei sein. Tickets können aber auch kostenlos refundiert werden.

Wie es für Karteninhaber des am 4. April geplanten Helene-Fischer-Konzerts in Bad Hofgastein aussieht, ist unterdessen noch unklar. Der Auftritt des deutschen Schlagerstars wurde zwar abgesagt, bezüglich der Rückgabe prüfen die Veranstalter laut eigenen Angaben aktuell "alle Möglichkeiten".

Auch bei den Kinos wird es nun doch zu Schließungen kommen: Aufgrund der neuen Vorgaben der Bundesregierung werden die Cineplexx-Kinos ab Samstag vorübergehend geschlossen. Das betrifft alle 29 Kinos in ganz Österreich. Die Maßnahme gilt "bis auf Weiteres". Auch das österreichische Filmmuseum stellt ab Samstag den Spielbetrieb bis auf weiteres ein.

Die Tiroler Landesmuseen schließen ab Montag bis zumindest 3. April ihre Pforten. Die Schließung soll bis zum Ende der offiziellen Maßnahmen aufrecht bleiben. Bereits ab Freitag sind alle Veranstaltungen und das Vermittlungsangebot abgesagt. Bereits ab Samstag bleibt das Museum der Moderne Salzburg geschlossen, voraussichtlich ebenfalls bis 3. April.

Umgeschwenkt ist die Kunsthalle Wien: Am Donnerstag hieß es noch, die laufende Antrittsausstellung des neuen Leitungsteam bleibe zugänglich, am Freitag ruderte man nun zurück. "Bis voraussichtlich Anfang April" bleiben beide Dependancen geschlossen, auch alle Veranstaltungen wurden abgesagt. Außerdem haben die Österreichische Gesellschaft für Literatur sowie das Literaturhaus Salzburg alle Veranstaltungen bis auf weiteres bzw. bis Ostern abgesagt.

Am Landestheater Linz und beim Brucknerorchester wurde der Probenbetrieb eingestellt. Die Tageskassen der Häuser sind laut Aussendung geschlossen, das Kartenservice ist aber weiterhin per E-Mail erreichbar. Verzichten müssen Theaterfans außerdem auf die Uraufführung von "Handke unser" in der neuebuehnevillach. Das Stück von Bernd Liepold-Mosser, der auch die Regie übernommen hätte, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Ebenfalls geschlossen bleibt ab Samstag auch die Wiener Volkstheater-Spielstätte Volx/Margareten, auch die Aufführungen in den Bezirken finden nicht statt. Zunächst hatte das Theater lediglich die Spielstätte in der Halle E geschlossen. Auch das Wiener Kosmos Theater hat sich mittlerweile entschlossen, den Spielbetrieb "bis auf weiteres" einzustellen.

Adaptierungen gibt es auch bei KÖR - Kunst im öffentlichen Raum: Das geplante Programm des Projektes "Ich brauche Platz!" wird laut Aussendung in seiner bisher angedachten Form vorerst eingestellt. Das Geschehen wird stattdessen in den digitalen Raum verlagert und thematisch auf das sich verändernde Alltagsleben bezogen. Detaillierte Informationen hierzu wurden für nächste Woche angekündigt.

Die Premiere des Stückes "Hikikomori" im Wiener TheaterArche findet wie vorgesehen am 19. März statt - allerdings "exklusiv für Journalist*innen". "Aufgrund der Aktualität des Stücks, das einen totalen sozialen Rückzug in die eigenen vier Wände thematisiert, haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen", so Theaterleiter Jakub Kavin am Freitagnachmittag zur APA. Die öffentliche Premiere soll nach Aufhebung der Coronavirus-Maßnahmen nachgeholt werden.

Ebenfalls von den Absagen betroffen ist der Musical Frühling in Gmunden: "Vincent van Gogh" wird nicht wie geplant ab 2. April im Stadttheater Gmunden zur Aufführung gebracht werden können. Sobald die neuen Termine gefunden sind, wird der Verkauf dafür gestartet. Geplant sind Sonder-Rabatte für all jene, die ihr diesjähriges Ticket stornieren und gleichzeitig eines für 2021 buchen möchten. Das ursprünglich für 2021 geplante Stück wird um ein Jahr nach hinten verschoben. Das Kunsthaus Bregenz ist ab dem Samstag ebenfalls vorläufig geschlossen.

Auch international häufen sich Absagen und Schließungen: Das weltberühmte Pariser Museum Louvre etwa schließt wegen des Coronavirus seine Pforten. Ab Freitagabend 18 Uhr werde der Louvre bis auf Weiteres geschlossen, teilte das Museum mit. Alle Besucher, die ein Ticket online gekauft hätten, erhielten auf Anfrage eine Rückerstattung.

Auch vor der Kulturhauptstadt Rijeka machen die Einschränkungen aufgrund des Coronavirus nicht Halt. Wie die Organisatoren am Freitagnachmittag bekannt gaben, werden ab sofort bis zum 14. April alle geplanten Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Betroffen sind Konzerte, Filmvorführungen, öffentliche Events sowie Vorträge und Konferenzen.

Auch die für Sonntag geplante Deutschlandpremiere des Theaterstücks "Harry Potter und das verwunschene Kind" in Hamburg wird wegen des Coronavirus auf Oktober 2020 verschoben. Das Theaterfestival "Radikal jung" in München wurde abgesagt: Beim "Festival für junge Regie", das am 25. April gestartet hätte, wäre auch die Wiener Choreografin Florentina Holzinger mit ihrer zum Berliner Theatertreffen eingeladenen Arbeit "TANZ" vertreten gewesen.

Die wegen des Coronavirus ausgefallene Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung wird auf 2021 verschoben. Der ungarische Autor László Földényi solle seine Auszeichnung zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse im nächsten Jahr überreicht bekommen, teilte die Stadt Leipzig am Freitag mit. Der Preis wird normalerweise beim Festakt zur Buchmesse-Eröffnung vergeben. In diesem Jahr wurde die Messe jedoch wegen des Coronavirus komplett abgesagt. Die Preisrede des ungarischen Essayisten und Kritikers solle bereits jetzt in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" publiziert werden. Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ist mit 20.000 Euro dotiert.

Quelle: APA

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