Kultur

Werner Berg-Museum zeigt Barlach, Kollwitz und späten Berg

Ernst Barlach und Käthe Kollwitz stehen mit Werner Berg im Mittelpunkt einer Ausstellung, die am Samstag im Werner Berg Museum in der Südkärntner Stadt Bleiburg eröffnet wird. Entstanden ist die Schau "Ernst Barlach - Käthe Kollwitz - Über die Grenzen der Existenz" in Kooperation mit der Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg. Vervollständigt wird sie durch einen Blick auf das Spätwerk von Berg.

"Weberzug" - Radierung von Käthe Kollwitz SN/APA (W. Berg Museum Bleiburg)
"Weberzug" - Radierung von Käthe Kollwitz

Die Ausstellung ist gegliedert, gleich am Anfang stehen Bettlerfiguren Barlachs aus Meißner Porzellan im Mittelpunkt, dazu gibt es zahlreiche Zeichnungen und Entwürfe. Barlach (1870 - 1938) modelliert Gesichter, die nicht detailgenau einen konkreten Menschen zeigen, aber trotzdem enorm ausdrucksstark sind. Gleich hier finden sich Parallelen zu den Menschendarstellungen Werner Bergs, die im ersten Moment überraschend wirken. Im großen Ausstellungsraum im Erdgeschoß kann sich der Besucher dann ausgiebig mit den Arbeiten von Käthe Kollwitz (1867-1945) auseinandersetzen, die sich mit Krieg und Tod beschäftigt und deren Bilder von seltener Eindringlichkeit sind. Die Gesichter in den kleinformatigen Arbeiten sind extrem detailgenau, man kann vor jedem einzelnen Bild jede Menge Zeit verbringen. Dominierendes Element im Raum ist aber eine überlebensgroße Skulptur Barlachs, die einen Bettler zeigt.

Im ersten Stock wird der Besucher mit einer Facette Werner Bergs (1904-1981) konfrontiert, die öffentlich bisher kaum bekannt ist. Es handelt sich um späte Werke des Malers, der 1931 aus Deutschland nach Kärnten zog, wo er bis zu seinem Tod lebte und arbeitete. In seinen späten Bildern, die teilweise noch nie öffentlich gezeigt wurden, befasste er sich zwar mit den gleichen Themen wie in den Jahrzehnten davor. Also mit Menschen seiner Umgebung, mit den Landschaften und Häusern. Doch reduziert er in seinem Spätwerk die Farbigkeit seiner Bilder, die Ölgemälde sind blasser, die Gegenständlichkeit der Motive wird schwächer, und die Figuren werden immer schmaler, ein Bild von einer Gruppe junger Männer zeigt diese fast schon als Striche. Berg-Kurator Harald Scheicher führt diese Entwicklung auf den Tod der Frau des Malers zurück. "Danach hat er sich immer weiter zurückgezogen."

Am Weg in den zweiten Oberstock nimmt eine hängende Skulptur den Blick in Beschlag. Es handelt sich um Barlachs Arbeit "Der Schwebende", auch bekannt als der schwebende Engel. Die in Bleiburg ausgestellte Figur ist aus Gips, das Original war aus Bronze und wurde 1937 von den Nazis als "Metallspende des deutschen Volkes" eingeschmolzen. 1939 wurde ein Nachguss angefertigt, der im Wendland versteckt wurde und so den Krieg und die NS-Zeit überstand. Seit 1952 befindet sich die Skulptur in der Kölner Antoniterkirche. Es existiert noch ein weiterer Bronzeguss sowie die bronzierte Gipsfigur, die der Ernst Barlach Gesellschaft in Hamburg gehört. Das Gesicht der Skulptur trägt unverkennbar die Züge von Käthe Kollwitz, was Barlach bestätigte, aber eigenen Angaben zufolge nicht intendiert hatte. Es sei passiert, meinte er.

Insgesamt sind mehr als 160 Exponate von Barlach und Kollwitz in Bleiburg zu sehen. Sie bieten nicht nur einen retrospektiven Einblick in das Gesamtwerk beider Künstler im historischen Kontext, sondern spiegeln auch deren Weltanschauungen in die Gegenwart. Beide wollten über die Grenzen der Existenz hinausgehen, Barlach wählte den Weg ins Spirituelle, Kollwitz sah sich dem sozialen Engagement verpflichtet. Die Resultate beider Wege wirken auch heute noch brandaktuell. Etwas Abwechslung zum Abschluss bietet der Skulpturengarten des Museums, wo Arbeiten des Bildhauers Helmut Machhammer gezeigt werden.

SERVICE: "Ernst Barlach - Käthe Kollwitz - Über die Grenzen der Existenz". Werner Berg Museum Bleiburg. Von 4. Mai bis 27. Oktober, Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr. Führungen auf Anfrage. Internet: http">www.wernerberg.museum">http://www.wernerberg.museum)

Quelle: APA

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