Kultur

Angewandte schafft Protest-Struktur und neue Studienangebote

Die Universität für Angewandte Kunst Wien wird "eine Struktur" aufbauen, die dazu dienen soll, "rasch auf gesellschaftliche Gefährdungspotenziale und manifeste Fehlentwicklungen" zu reagieren. Diesen Beschluss des Uni-Senats gab Rektor Gerald Bast heute bei seiner Jahrespressekonferenz bekannt. Dabei standen Leistungsvereinbarungen und Abschluss von Sanierung und Erweiterung im Mittelpunkt.

Gerald Bast: Rektor der Universität für Angewandte Kunst in Wien SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Gerald Bast: Rektor der Universität für Angewandte Kunst in Wien

Die kommende "Struktur" soll mittels Arbeitsgruppen an allen Instituten ermöglichen, mit wissenschaftlichen wie künstlerischen Mitteln rasch auf Entwicklungen wie Sozialabbau, Demokratieabbau, Fremdenfeindlichkeit oder Verrohung der Sprache, aber auch auf einzelne Politikeraussagen rasch zu reagieren, sagte Bast. Freiheit und Verantwortung seien keine Gegensätze.

Der seit 2000 amtierende Rektor, der im November für eine weitere vierjährige Funktionsperiode bis 2023 wiedergewählt wurde, ist für die kommenden Verhandlungen der Leistungsvereinbarungen zwischen Unis und Bund optimistisch, schließlich kenne Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) als Wissenschafter den Bedarf der Universitäten. Die Frage sei, ob dieser sich in der eigenen Partei und beim Koalitionspartner durchsetzen könne.

"Ich bin nach wie vor ein strikter Gegner von Studiengebühren, ich glaube nicht an ihre pädagogische Kraft, denn das ist das Gegenteil einer Stimulation zu mehr Bildung. Ich bin ein bekennender Unterstützer der Massenuniversitäten. Wir brauchen mehr Studierende, aber mit anderen Kompetenzen", sagte Bast, der "die Zukunft unseres Bildungssystems" in "breiten Studienangeboten, die für alle offen sind" und "streng reglementierten Spezialstudien für Leute, die in die wissenschaftliche Forschung einsteigen wollen", sieht.

Von den 1,35 Mrd. Euro, die für 2019-2021 den Universitäten zusätzlich zur Verfügung stünden, möchte Bast einen möglichst großen Anteil und verweist dabei auf die Strategien der Angewandten, die sich mit der Zielbestimmung des UG 2002, die Unis seien u.a. dazu berufen, "auch verantwortlich zur Lösung der Probleme des Menschen sowie zur gedeihlichen Entwicklung der Gesellschaft und der natürlichen Umwelt beizutragen", bestens deckten. Denn angesichts dramatischer Umwälzungen in Gesellschaft und Arbeitsmarkt sieht Bast "nicht in einem 'More of the Same', sondern einen Paradigmenbruch im Bildungssystem", bei dem systemische Zusammenhänge zu vermitteln wichtiger sei als der Blick auf Details.

"Creative Skills werden alle Sparten durchfluten, so wie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die quantitativen Methoden. Die Angewandte hat schon vor ein paar Jahren begonnen, dem Rechnung zu tragen." Im Entwicklungsplan der Angewandten bis 2024 finden sich daher u.a. ein neues Masterstudium "Cross-Disciplinary Strategies", "Transkulturelle Studien", ein Forschungszentrum und Masterstudium zur Zukunft der Institution Museum (Arbeitstitel: "Museion 21") oder ein interdisziplinäres künstlerisch-wissenschaftliches Masterstudium "Critical Game Design & Game Art", das sich aber "keinesfalls als Zulieferer der Spieleindustrie" verstehe.

"Die Angewandte ist sehr gut unterwegs", zeigte sich der Rektor überzeugt. Das betreffe auch die Erweiterung und Sanierung der baulichen Infrastruktur. Der generalsanierte Schwanzer-Trakt und das neue Erweiterungsgebäude Vordere Zollamtsstraße 7 werden im Sommer besiedelt und am 4. Oktober zur Abrundung der laufenden Aktivitäten zum 150-Jahr-Jubiläum feierlich eröffnet. Davor bietet ein großer Festakt am 18. Mai bereits eine "Preview" auf die neue große Aula, die Platz für 600-700 Leute bietet. Bast: "Das ist ein großer Sprung für uns, öffentlich tätig zu werden."

Quelle: APA

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