Kultur

Assassin's Creed: Auf irrer Zeitreise ins Mittelalter

Ein Computerspiel wird verfilmt: Der australische Regisseur Justin Kurzel hat ein Faible für existenzielle Stoffe.

Michael Fassbender als Callum Lynch: Er gerät in die Fänge einer obskuren Templer-Organisation und wird in einem Forschungslabor auf Zeitreisen ins Andalusien um 1490 geschickt.  SN/20th century fox
Michael Fassbender als Callum Lynch: Er gerät in die Fänge einer obskuren Templer-Organisation und wird in einem Forschungslabor auf Zeitreisen ins Andalusien um 1490 geschickt.

Videospiel-Verfilmungen haben nicht den besten Ruf. Sie sind ein Genre zwischen zwei Stühlen, das weder Fans noch ein neues Publikum zu begeistern vermag. Bei der Adaption von "Assassin's Creed" ist das Kunststück allerdings gelungen.

Spiel und Film handeln von einer Sekte von Kämpfern, die über die Jahrhunderte hinweg den freien Willen der Menschen zu verteidigen versuchen gegen eine mächtige Templer-Organisation. Regie führt der Australier Justin Kurzel, der vor einem Jahr mit einer gewaltig modernen Umsetzung von Shakespeares "Macbeth" beeindruckt hat. Dort war Michael Fassbender Macbeth, hier spielt er einen Todeskandidaten, der gerettet wird, um sein genetisches Gedächtnis nach einer Information zu durchsuchen. Dieser Thriller verknüpft historische Motive, Vererbungstheorie, spektakuläre Action und Verschwörung zu einem reizvollen Ganzen.
SN: Zuletzt haben Sie "Macbeth" verfilmt, nun ein Videospiel. Wie passt das zusammen Kurzel: Es geht hier wie dort um existenzielle Fragen. Und noch eine Gemeinsamkeit hat die Arbeit: Es gab Tausende "Macbeth"-Adaptionen und die Wahrscheinlichkeit, dass Sie schon eine gesehen haben, ist hoch. Trotzdem haben wir versucht, Sie mit dem Film zu überzeugen. Und unzählige Menschen haben "Assassin's Creed" gespielt, und auch die wollen wir hier begeistern. So eine Adaption kommt immer mit dem Gepäck gewaltiger Erwartungen. SN: Die meisten bisherigen Computerspiele sind von Leuten umgesetzt worden, die am Spiel wenig Interesse hatten. Was interessiert Sie daran?
Das Spiel hat aus gutem Grund 95 Millionen Fans, weil darin eine Tiefe und eine Kultur enthalten sind, und die Ideen darin Substanz haben. Mich fasziniert, wie das Spiel auf historischen Ereignissen und Figuren aufbaut. Ich hatte nichts über "Assassin's Creed" gewusst, als Michael Fassbender mich nach "Macbeth" darauf angesprochen hatte, und es hat mich verblüfft.
SN: Was hat er für ein Interesse an dem Spiel?
Ich glaube, es ist der Gedanke, auf dem das Spiel aufbaut, der mit Ahnenschaft zu tun hat - wir sind aus denen gemacht, die vor uns da waren - und die Idee von Genetik und wie die uns beeinflusst. Dass wir uns damit beschäftigen, wer unsere Vorfahren waren, ist faszinierend, und dafür hat Michael sich begeistert. Die Geschichte ist auch reizvoll, denn einige der Grundgedanken sind nicht weit weg von "Macbeth" - etwa die Überlegung, wie weit Gewalt gerechtfertigt ist, um einen höheren Zweck zu erreichen.
SN: Haben Sie und Michael das Spiel gespielt?
Nein, leider nicht gemeinsam. Dabei ist das Spiel großartig, nicht nur was den historischen Kontext betrifft. Da geht es hauptsächlich um Laufen und Parcours, das sind keine Superhelden, sondern vergleichsweise zugängliche Figuren. Das haben wir auch im Film versucht: Da passiert nichts Übermenschliches, es soll sich so anfühlen, dass Sie sagen: "Okay, an einem guten Tag würd ich das auch schaffen."SN: Das war Ihr bisher größtes Budget, nicht wahr?
Bei Weitem, ja. Aber letztlich geht es nur darum, eine Geschichte zu erzählen. "Macbeth" handelt von einigen gewaltig großen Ideen und Dingen - "Assassin's Creed" auch.
SN: Das potenzielle Publikum ist aber doch ein anderes.
Nicht unbedingt. Beim "Macbeth" haben wir uns bemüht, jüngere Zuschauer dafür zu begeistern, und mit "Assassin's Creed" hoffen wir ebenfalls auf ein breiteres Publikum als nur die Spieler. Der Film hat eine Qualität, die weit darüber hinausgeht, und das empfinde ich als inspirierend. Es ist der Moment, wenn eine Figur in die Finsternis eines Waldes hineingeht, und Sie wissen, dass Sie es nicht tun sollten, und doch weitergehen, das ist unglaublich faszinierend. Das hatte ich schon bei meinem ersten Film, "Snowtown" (ein grausiger Thriller über eine australische Mordserie, Anm.).

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Aufgerufen am 13.12.2017 um 03:43 auf https://www.sn.at/kultur/assassin-s-creed-auf-irrer-zeitreise-ins-mittelalter-565669