Bildende Kunst

Das Blau weckt Sehnsucht

Von der Farbe des Wassers, die wir mit Freiheit, Sehnsucht und Träumen assoziieren, haben sich Künstler zu Bildern inspirieren lassen.

Es ist der Mensch selbst, der durchschnittlich zu 60 bis 80 Prozent aus Wasser besteht. Wasser ist lebenswichtig, es kann aber auch Todbringer sein. Vier männliche blaue Köpfe mit jeweils einem aufragenden ausgestreckten Arm und ringender Hand sind das eindringliche Motiv für jenen Teil der Weltbevölkerung, der einen Lebenskampf um den Zugang zu Wasser führt. Die Nägel an ihren Hälsen sind Zeichen für die Tortur der Wassernot. Dieses großformatige Gemälde des kamerunischen Künstlers Barthélémy Toguo ist ebenso auch Mahnmal für die Ertrunkenen auf ihrer Flucht aus Afrika über das Mittelmeer. Es ist ein Exponat aus der Salzburger Sommerausstellung der Galerie Mauroner über die Farbe Blau.

Das Blau des Meeres und überhaupt des Wassers, aber auch die Bläue des Firmaments sind Sinnbilder für Freiheit, Weite und Klarheit. Im Wasser als Sehnsuchts- und Hoffnungsträger für das in der Ferne erwartete Bessere liegt in der Kulturgeschichte der Menschen immer schon der Weg zum Neuen. Blau als Farbe allerdings ist für die Menschen ein erst rund 1000 Jahre alter Begriff. Griechen und Römer kennen kein blaues Meer, Homer beschreibt die See als ein "Weindunkel". Blau in der Kunst kommt erst im Mittelalter als "Ultramarinblau" zum Einsatz. Als teuerster Farbstoff - gewonnen aus reinem Lapislazuli aus den Bergen Afghanistans - ist es ausschließlich religiösen Inhalten vorbestimmt. Und bis zur Erfindung des künstlich hergestellten "Preußischblau" (Eisencyanid) um 1700 bleibt die Verwendung blauer Farbe der Obrigkeit vorbehalten.

Wie das Bild von Barthélémy Toguo ist auch die Arbeit der Spanierin Carmen Calvo ein Werk mit politischer Aussage: Wieder geht es um den Lebensspender Wasser. Die Scherben von klaren und blauen Wasserflaschen hat sie in die pastose weiße Masse des Bildträgers eingesetzt. Sie erinnert damit unangenehm an den in vielen Ländern üblichen Brauch, Gartenmauern unüberwindbar zu machen.

Der Österreicher Markus Hofer hingegen lässt - wie scheinbar fließendes Wasser - mittelblaue dünne Lackstränge aus Messinghähnen hängen und sich zu voluminösen Tropfen sammeln: ein spielerischer Hinweis auf unseren leichtlebigen Umgang mit dem Nass.

Blau, heißt es, sei die Lieblingsfarbe vieler Menschen, mit ihr werden Geborgenheit, Nacht, Exzess und das Unbewusste der Traumwelt verbunden.

Das übergreifende Thema des Belgiers Jan Fabre ist die "blaue Stunde", die zwei Mal tägliche Dämmerung - vom Hell ins Dunkel und vom Dunkel der Nacht zur Helligkeit des Tages -. ein Zustand der Transformation, wenn das Reale des Wachseins an das Reich von Schlaf, Traum und Albtraum grenzt.

Der Spanier Carlos Aires hingegen zitiert mit seiner kleinen, blau patinierten Christusstatue, die sich dem Betrachter nur von der Rückseite zeigt, einen wohlbekannten Zustand: Die Melancholie und Traurigkeit des "Feeling blue" hat sich da auch auf Christus übertragen.

Ausstellung: Die Farbe Blau, Galerie Mario Mauroner, Alte Residenz, bis 31. August.

Quelle: SN

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